Super Bowl 2019: Tom Brady und der hässliche Sieg der New England Patriots

Es war irgendwie treffend, dass Julian Edelman am Ende das Gesicht dieser Super-Bowl-Nummer LIII war, dieser raue, bullige Kerl mit dem wild wuchernden Bart und dem verschmierten Gesicht, diesem unermüdlicher Ackerer in der Offensive der New England Patriots, die am Sonntagabend mit einem 13:3-Sieg gegen die Los Angeles Rams ihren sechsten Football-Titel in 18 Jahren ...

BLZ
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Es war irgendwie treffend, dass Julian Edelman am Ende das Gesicht dieser Super-Bowl-Nummer LIII war, dieser raue, bullige Kerl mit dem wild wuchernden Bart und dem verschmierten Gesicht, diesem unermüdlicher Ackerer in der Offensive der New England Patriots, die am Sonntagabend mit einem 13:3-Sieg gegen die Los Angeles Rams ihren sechsten Football-Titel in 18 Jahren gewannen.

Es war Edelman, der für seine überragende Leistung als Wide Receiver die Auszeichnung als wertvollster Spieler des Abends verliehen bekam und nicht etwa Tom Brady, der Superstar der Patriots, der seit 18 Jahren das Team aus Boston von Triumph zu Triumph führt. Und das leuchtete jedem ein, der die unerbittliche Partie in Atlanta gesehen hatte, bei der beinharte Zweikämpfe das Geschehen bestimmten und nicht die großen eleganten Spielzüge, für die der smarte Brady steht.

Super Bowl: Der hässliche Sieg der Patriots

So fasste Edelman in seiner einfachen, direkten Sprache den Abend auch mit den Worten zusammen: „Ich nehme lieber einen hässlichen Sieg als eine hübsche Niederlage.“ Brady stimmte ihm darin durchaus zu, als er den Pokalsieg der Patriots als „erschunden“ charakterisierte.

In der Tat war das nicht hübsch anzuschauen, was sich da in der hypermodernen Mercedes Benz Arena von Atlanta vor den Augen von weltweit mehr als 110 Millionen Zuschauern abspielte. Bis in die Mitte des letzten Viertels war keine der beiden Mannschaften in die Endzone des Gegners vorgedrungen, die bis dahin jeweils drei Punkte hatten beide Teams ihren Kickern zu verdanken.

Grimmiger Stellungskrieg beim Super Bowl

Ansonsten ließen extrem aggressive Defensivaufgebote beider Seiten dem jeweiligen Gegner keinen Zentimeter Raum. „Es gab nicht wirklich viel Platz da Draußen“ sagte nach dem Spiel ein erlöster Tom Brady. Beinahe zwei Stunden lang mussten sich die Zuschauer einen grimmigen Stellungskrieg anschauen.

Dann gelangen kurz vor Schluss Brady doch noch zwei seiner legendären Pässe, die nur wenige Minuten vor dem Abpfiff das Schicksal der wackeren Rams aus Los Angeles besiegelten. Ein Bilderbuchwurf über 29 Yards landete in den Armen von Rob Gronkowski und nur einen Yard von der Line der Rams entfernt. Ein schneller anschließender Drive brachte den ersten, so heiß ersehnten Touchdown der Partie.

Strahlender Tom Brady

Bis dahin war es vor allem Edelmann gewesen, der irgendeine Bewegung ins Spiel brachte. Mit unglaublicher Wendigkeit war er der einzige Patriot der sich immer wieder durch die Linien der Rams schlängeln konnte, um Würfe von Brady zu empfangen. Zum Erfolg führte jedoch auch das nicht.

Doch am Ende teilte ein strahlender Brady die Auffassung seines Passempfängers, dass ein hässlicher Sieg besser sei als keiner. „Das fühlt sich defintiv besser an, als letztes Jahr“, sagte Brady, auf die Finalniederlage gegen Philadelphia vom Dezember 2018.

Am Ende fand Brady, dass dieser Sieg unter der Rekordzahl seiner nunmehr sechs Meisterschaften der vielleicht befriedigendste gewesen sei. Denn wie das Super-Bowl-Spiel selbst, war die Saison ein Kampf. Noch im Dezember wurde den Patriots nach einer Serie von Niederlagen nachgesagt, dass sie nicht mehr gewinnen können. Das Gefühl, dass sie doch noch das Zeug dazu haben, gab Brady zu, habe er erst während dem Conference Endspiel gegen Kansas City vor zwei Wochen wieder verspürt.

Diskussion um das Ende der Patriots-Dynastie

Der sportliche Durchhänger während der Saison hatte auch eine Diskussion entfacht, dass die Patriots-Dynastie mit Brady und seinem Mentor Bill Belichick, die wohl erfolgreichste Verbindung in der Geschichte des US Profisports, langsam zu Ende gehe. Offene Auseinandersetzungen auf dem Spielfeld schienen das zu belegen, man sagte Brady nach, dass er den alten Griesgram Belichick mit seiner Besessenheit satt habe.

Von all dem war am Sonntag in Atlanta jedoch nichts mehr zu spüren. Brady jedenfalls wollte trotz seines fortgeschrittenen Alters von 41 Jahren von Rücktritt nichts wissen. Für ihn spricht nichts dagegen, auch noch mit 45 die Knochen hinzuhalten – eine Botschaft, die bestens zu seinem Buch zum Thema lebenslange Höchstleistung passt.

Tom Brady ist kein Fanliebling

Das gefällt nicht jedem, Brady ist, wie die New York Times erst jüngst schrieb „in den ganzen USA außerhalb der sechs Neu England Staaten unbeliebt“. Die scheinbar unzerstörbare Dominanz, die Skandale um mutmaßlichen Betrug, ein gewisser Hauch von Überheblichkeit – das alles macht Brady nicht zum Fanliebling. Und doch musste man in den ganzen USA am Sonntag zähneknirschend anerkennen, dass Brady sich den Titel des Größten aller Zeiten nun wohl redlich verdient hat.

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