Seit vergangener Woche bebt die Erde am sogenannten „Supervulkan“ auf den Campi Flegrei (Phlegräische Felder) bei Neapel unaufhörlich.
Der jüngste seismische Schwarm mit einer Stärke von 4,2 ereignete sich in der Nacht zum 27. September und versetzte die lokale Bevölkerung in große Angst.
Seitdem fragt man sich nicht nur in Italien: Sind die aktuellen Erschütterungen möglicherweise bereits die Vorboten einer größeren Eruption und was ist von Medienberichten zu halten, die in den vergangenen Tagen unter Berufung auf Aussagen von Experten immer wieder vor einer „Mega-Explosion“ warnen?
Heftiges Erdbeben erschüttert Neapel
In italienischen Medien kursiert derzeit ein Video des Nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie aus dem Jahr 2001. In den vergangenen Tagen sorgte es erneut für Furore.
Die spektakuläre Animation zeigt die Temperaturentwicklung des Gases und wie diese Entwicklung theoretisch zu einer explosionsartigen Eruption mit verheerenden Auswirkungen führen könnte. Innerhalb weniger Minuten würden größere Flächen des Gebiets westlich von Neapel vollständig zerstört.
Zu dem Clip, der von mehreren italienischen Zeitungen wie etwa die Lokalzeitung von Neapel, Il Mattino, verbreitet wurde, sind jedoch einige Klarstellungen erforderlich.
Vulkanologin: Erdbeben deuten nicht zwingend auf Eruptionen hin
Derzeit gibt es kein Modell, das vorhersagt, was in den kommenden Wochen und Monaten auf den Phlegräischen Feldern tatsächlich passieren könnte, auch nicht im Falle eines Vulkanausbruchs. Darüber hinaus ist es nicht möglich, das Ausmaß des Phänomens genau zu bestimmen, dem in jedem Fall sehr präzise seismische Schwärme mit Bewegungen und Anomalien vorausgehen würden, welche allerdings bisher noch nicht beobachtet wurden.
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„Im Moment gibt es unter den vielen Parametern, die wir rund um die Uhr überwachen, keine signifikanten Anomalien, die darauf hindeuten, dass sich etwas in der vulkanischen Dynamik ändert“, sagt die Leiterin der Abteilung Vulkane am Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie, Francesca Bianco, über die derzeitige „bradyseismische“ Phase an den Phlegräischen Feldern. Der Begriff „Bradyseismus“ bezeichnet in der Vulkanologie langsame, schrittweise Bewegungen oder Veränderungen der Erdoberfläche, über einen längeren Zeitraum.
Man beobachte zwar eine Intensivierung der „bradyseismischen Krise“, aber man wisse noch zu wenig über die Entwicklung des Phänomens, so die Wissenschaftlerin. „Es handelt sich meist um erdbebenbedingte Phänomene, und Erdbeben lassen sich bekanntlich nicht vorhersagen“.
Auf jeden Fall habe die Zunahme der seismischen Aktivitäten in der Gegend derzeit noch nicht die Dimensionen der 1980er-Jahre erreicht.
Auch der Direktor des Vesuv-Observatoriums, Mauro Di Vito, bestreitet, dass es im Moment Anzeichen für einen möglichen Ausbruch gebe. „Die Daten sagen uns das Gegenteil, nämlich, dass das seismische Phänomen zwar fortschreitet, aber keine Anzeichen von Veränderungen aufweist, die auf einen Vulkanausbruch hindeuten“, sagt Di Vito.
Phlegräische Felder: Weitere, stärkere Erdbeben möglich
Wenn das Magma nicht an die Oberfläche steige und sich nicht in den ersten zwei bis drei Kilometern der Kruste befinde, habe ein seismischer Schwarm keine Bedeutung für einen Ausbruch, erklärt Di Vito. Und genau das passiere derzeit auf den Phlegräischen Feldern, bestätigt Bianco: „Die Schwärme, die wir registrieren, haben nichts mit einer bevorstehenden eruptiven Aktivität zu tun“, erklärt sie gegenüber Sky TG24. „Was wir mit Sicherheit sagen können, ist, dass wir weiterhin Erdbeben registrieren werden, wenn die Deformation anhält und sich der Boden weiter hebt. Studien haben uns gezeigt, dass die maximal zu erwartende Stärke unter 5, aber nicht über 5 liegen könnte. Ereignisse der Stärke 4 oder sogar noch etwas höher sind möglich.“
Regierung bereitet Evakuierungsplan vor
Obwohl Experten bisher keine Anzeichen für einen bevorstehenden Ausbruch sehen, denkt die italienische Regierung über einen Evakuierungsplan und ein Gesetz nach, das schnell verabschiedet werden soll, um auf die Folgen der seismischen Aktivitäten im Gebiet der Phlegräischen Felder vorbereitet zu sein und schnell eingreifen zu können. Dies sagte der Minister für Zivilschutz, Nello Musumeci, der ein für Anfang Oktober ein Sondertreffen mit dem lokalen Zivilschutz der Region Kampanien angekündigt hat.
Eine Evakuierung einer derart dicht besiedelten Gegend wie der Großraum Neapel stellt eine große Herausforderung für die Behörden dar. Die Umweltorganisation Legambiente betont, dass man in den vergangenen Jahrzehnten in dieser Gegend ungeachtet des seismischen Risikos weiter gebaut habe, aber es seien kaum Fortschritte in der Risikominderung getan worden.
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