Surfen in Peniche

Die weltbesten Wellen

Ein kleines Fischerdorf in Portugal ist bei Surfern fast so beliebt wie Hawaii – aber auch Anfänger können dort lernen.

Anne Lena Mösken
4 Min

Joao Campos steht auf dem Holzsteg vor seiner Surfschule am Praia de Cerro, hinter den Dünen dampft die Fischfabrik von Peniche. Joao blickt
aufs Meer. Es ist zehn Uhr morgens. „Perfekte Bedingungen heute“, sagt er dann, „die Wellen sind nicht zu groß, aber stark.“ Perfekte Bedingungen, um das Surfen zu lernen.

Peniche liegt drei Flugstunden von Berlin entfernt und eine weitere mit dem Autobus, es gibt nicht viel in dem kleinen Fischerdorf, außer der Sardinenfabrik und einer alten Festung, vor allem aber viel Wind und Wellen, die an allen Seiten der Halbinsel brechen. Peniche gilt als der beste Ort zum Wellenreiten in Portugal. Am Praia de Cerro kommen die ersten Surfer bereits aus dem Wasser. Es sind erfahrene Surfer, die das Wissen um die Gezeiten wie eine innere Uhr in sich tragen. Joao winkt ab: „Relax“, sagt er in diesem Englisch, das jemand spricht, der nie einen Sprachkurs besucht, aber viel zu erzählen hat. „It's a vacation!“

Joao ist 43 Jahre alt und wurde in Peniche geboren. Als Jugendlicher arbeitete er als Rettungsschwimmer, mit zwanzig machte er eine Strandbar auf. Es war die erste in Peniche. Joao ist Kitesurfer, lässt sich bei zwanzig Knoten Windstärke von einem Drachen auf dem Brett über die Wellen ziehen. 1988 kamen immer mehr Touristen, die in Peniche das Surfen lernen wollten. Sie kamen auch in Joaos Bar, fragten nach Surflehreren, nach Brettern und Neoprenanzügen zum Leihen.

Es dauerte noch zehn Jahre, ehe Joao schließlich ein Appartement anmietete, drei Zimmer mit Platz für acht Gäste. Es kamen Portugiesen. Es war ein gutes erstes Jahr. Heute ist es voll geworden in Joaos Bucht, im Sommer zumindest. Dutzende Surfschulen setzen ihre Schüler jeden Tag in Minibusse
und fahren sie zum Strand, der einst nur ihm gehörte.

In Joaos Bar sind jetzt Surfbretter zu einer langen Reihe aufgestellt, diemeisten davon länger als sieben Fuß, mit viel Auftrieb, daneben hängen Dutzende Neoprenanzüge. Joao hat inzwischen mehrere Appartments für etwa fünfzig Gäste, keinen Kilometer vom Strand gelegen. Sie kommen heute fast ausschließlich aus dem Ausland, viele aus Deutschland, aber auch aus Polen, Russland und Finnland, sogar aus Australien, wo Surfen ein Nationalsport ist. Es hat sich bis dorthin herumgesprochen, dass es in Portugal Wellen von Weltklasse gibt. Dazu beigetragen hat unter anderem die Association of Surfing Professionals (ASP), die internationale Surfervereinigung, die auch die Weltmeisterschaften veranstaltet. Ähnlich wie bei der Formel 1 finden die Contests an verschiedenen Orten statt, in Hawaii, in Tahiti, in Kalifornien. Peniche entdeckten sie 2009. Seitdem kommen immer im Herbst die weltbesten Surfer in das kleine Fischerdorf, der Strand verwandelt sich in eine Mischung aus Volksfest und Lifestyleevent, und seitdem weiß auch der Rest der Welt, dass die
portugiesischen Wellen großartig sind. Hier fahren Stars wie der elffache Weltmeister Kelly Slater.

Oder es sind Meldungen wie diese: Im November brach vor der Küste vor Nazaré, einhundert Kilometer südlich von Peniche, eine Welle, die dreißig Meter hoch war. Der Hawaiianer Garrett McNamara glitt sie hinunter, wie man einen Berg auf einem Snowboard abfährt, und stellte einen Rekord auf: Es war die vermutlich größteWelle, die einMensch je gefahren ist.

Wenn man mit dem Surfen anfängt, geht es nicht um Höchstleistungen. „Das intensive Training, das man in einer Woche Surfcamp mitmacht, bringt viele an ihre Grenzen“, sagt Joao, „auch wegen dieser Erfahrung kommen Menschen hierher.“ Paul Strauch, einer der jungen, wilden Männer, die im legendären
kalifornischen Sommer 1961 quasi das moderne Surfen erfanden, soll gesagt haben: „Surfen ist wie Liebemachen, es ist immer gut, ganz egal, wie oft du es schon getan hast.“

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