Suzuki wagt sich mit dem Kizashi in die Mittelklasse und verzichtet auf Optionen

Es kann nur Einen geben

Heiko Dilk
4 Min

Dass Autohersteller versuchen, jede erdenkliche Nische zu füllen, ist bekannt. Kombi, Fließheck, SUV, Minivan, Sportsback, Coupé, Cabrio -die Auswahl ist riesig. Manche Hersteller allerdings haben durchaus noch Lücken in ganz klassischen Segmenten. Suzuki etwa ist bislang primär als Kleinwagenhersteller in Erscheinung getreten, wagt sich jetzt aber in die Mittelklasse. Mit einer ganz normalen Limousine.Ein schwieriger Markt ist das. Nicht nur wird er vom Flottengeschäft dominiert (etwa 73 Prozent der Mittelklässler gehen an Firmen), wo Suzuki traditionell schwach vertreten ist, sondern zudem von einheimischen Herstellern. Und als wäre das noch nicht genug, ist die bevorzugte Karosserievariante in der Mittelklasse auch noch der Kombi oder das Fließheck. Die klassische Limousine ist eigentlich seit Jahren auf dem Rückzug. Jedenfalls in Deutschland.Hier kommt jetzt also der Kizashi ins Spiel, von dem Suzuki 2011 rund 1000 Exemplare verkaufen will. Das ist zwar kein überambitioniertes Vorhaben, aber der Viertürer bringt neben den genannten Handicaps noch ein weiteres mit: einen alternativlosen 2,4-Liter-Saugmotor. Die Konkurrenz setzt zumeist auf kleinere Turbo-Aggregate.Aber zunächst mal zu den erfreulichen Aspekten. Da wäre zum Beispiel die Optik. Sportlich und kräftig sieht der Kizashi aus mit seinen weit ausgestellten Kotflügeln, dem U-förmigen Kühlergrill und der weit heruntergezogenen Frontschürze. Das Heck ist kurz und bullig und die zwei eckigen Auspuffblenden unterstützen den sportlichen Eindruck -solange man nicht genau hinsieht und das kleine Endrohr dahinter erspäht. Die Blenden sind in der Tat nur Blender.Auch im Innenraum ist das Bemühen um sportliche Mittelklassestandards spürbar. Allerdings sind die haptisch akzeptablen Plastikflächen teilweise etwas groß geraten. Unwohl fühlt man sich aber nicht, wozu auch die serienmäßige Lederausstattung beiträgt. Platz ist auf der Rückbank und im Kofferraum ausreichend vorhanden.Das größte Manko des Kizashi dürfte der Motor sein. 178 PS klingen zwar üppig, in der Praxis sind aber Drehzahlen gefragt, um die Leistung abzurufen. Wer gerne schaltfaul unterwegs ist, wird keine große Freude haben. Und wer die oberen Drehzahlbereiche halbwegs ausnutzt, wird sich vermutlich auf einen Verbrauch von mehr als neun Litern auf 100 Kilometern einstellen müssen. Zudem animiert das Fahrwerk zur zügigen Gangart. Es ist nämlich sportlich-straff und mag schnell durchfahrene Kurven so richtig gerne.26990 Euro kostet der Kizashi. Über zu viel Auswahl können sich Suzuki-Aufsteiger und Mittelklasse-Umsteiger anderer Marken nicht beschweren. Denn während andere Hersteller ein reichhaltiges Individualisierungsprogramm bereithalten, gibt es den Kizashi nur in einer Variante (eine identisch motorisierte Allradversion mit Automatik kommt später) und immer mit Vollausstattung. Einziges Extra: Metallic-Lack. Beschwerden über eine ärgerliche Aufpreispolitik hätten sich damit jedenfalls erübrigt.------------------------------AUTOGRAMMMotor/Antrieb: Vierzylinder-Ottomotor, Frontantrieb, 2393 cm3, 178 PS, 280 Newtonmeter, Sechsgang-Handschaltung, Euro 5.Abmessungen: 4,65 Meter lang, 1,82 Meter breit, 1,47 Meter hoch. Kofferraum 461 Liter.Fahrleistungen: max. Geschwindigkeit 215 km/h, von 0 auf 100 km/h in 7,9 Sekunden.Verbrauch: (laut Hersteller) Innerstädtisch 10,6 Liter, über Land 6,3 Liter, Mix 7,9 Liter.CO2-Ausstoß: 183 Gramm pro Kilometer.Ausstattung: Xenonscheinwerfer mit Lichtsensor, Klimaautomatik, elektrisches Glasschiebehubdach, Tempomat, elektrisch verstellbare Ledersitze, Sitzheizung, längs- und höhenverstellbares Sportlederlenkrad, CD-Radio (MP3, USB), Alufelgen.Extras: Metallic-Lackierung (490 Euro).Preis: 26990 Euro.FahreigenschaftenGutes, sportlich-straffes und agiles Fahrwerk, tadellose Bremsen.Motor und VerbrauchDer Sauger braucht Drehzahlen, um seine Leis-tung abzurufen, dadurch in der Praxis schon bei moderat sportlicher Fahrweise nicht besonders sparsam.InnenraumAkzeptable Materialien, vernünftiges Platzangebot, die Verarbeitung geht in Ordnung. Sehr gute Ausstattung.SicherheitSieben Airbags, ESP, ABS, Einparkhilfe für vorn und hinten. Keine modernen elektronischen Assistenzsysteme wie Toter-Winkel-Warner o.ä. erhältlich.PreisAngesichts der nahezu kompletten Ausstattung sehr preiswert, aber es gibt viele Konkurrenten mit weniger Extras und kleinerem Motor für weniger Geld.------------------------------ALTERNATIVENBMW 318i: Der kleinste 3er (143 PS) bringt in der Basisausstattung immerhin Dinge wie Klimaanlage, CD-Radio oder Lederlenkrad mit. Wer Extras will, zahlt drauf. Erheblich niedrigerer Verbrauch (6,3 Liter), schlechtere Fahrleistungen.Preis: ab 28700 Euro. Honda Accord: Der Accord ist auch nur mit einem Motor erhältlich. Der Verbrauch des 156-PS-Benziners beträgt wie beim Exeo 7,3 Liter. In der Elegance-Version recht gut ausgestattet, Leder gibt es nur in der teureren Executive-Variante.Preis: ab 26950 Euro.Seat Exeo 1.8 TSI: Der Audi A4 der vergangenen Generation mit Seat-Emblem ist in der Variante "Sport" und mit 160 PS schlechter ausgestattet als der Kizashi. Etwas schlechtere Fahrleistungen, etwas günstiger im Verbrauch.Preis: ab 27390 Euro.------------------------------Foto: Gewisse Details des Kizashi erinnern an den Audi A4, doch der Auftritt ist insgesamt eigenständig. Das CD-Radio mit iPod- und USB-Anschluss gibt es serienmäßig.

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