Tangentiale Verbindung Ost durch Berlin: Schnellstraße zwischen Marzahn und Köpenick soll früher fertig werden

Dieses Straßenbauprojekt stand schon im Generalverkehrsplan von 1969. Doch selbst 46 Jahre später ist der Lückenschluss zwischen Marzahn und Köpenick noch nicht absehbar – obwohl sich viele Autofahrer die neue Straße im Osten Berlins sehnlichst wünschen. Stattdessen verschiebt sich der Bau der Tangentialen Verbindung Ost (TVO) immer weiter. Inzwischen gehen die Senatsplaner nach Informationen der Berliner Zeitung davon aus, dass der Bau frühestens Ende 2018 oder Anfang 2019 beginnen kann. Zu spät, meint Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD). Er lässt prüfen, ob es nicht auch zügiger gehen könnte. „Der Senator will die TVO schneller haben“, hieß ...

BLZ
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Dieses Straßenbauprojekt stand schon im Generalverkehrsplan von 1969. Doch selbst 46 Jahre später ist der Lückenschluss zwischen Marzahn und Köpenick noch nicht absehbar – obwohl sich viele Autofahrer die neue Straße im Osten Berlins sehnlichst wünschen. Stattdessen verschiebt sich der Bau der Tangentialen Verbindung Ost (TVO) immer weiter. Inzwischen gehen die Senatsplaner nach Informationen der Berliner Zeitung davon aus, dass der Bau frühestens Ende 2018 oder Anfang 2019 beginnen kann. Zu spät, meint Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD). Er lässt prüfen, ob es nicht auch zügiger gehen könnte. „Der Senator will die TVO schneller haben“, hieß es.

Es geht um rund sechseinhalb Kilometer Straße. So groß ist die Lücke im Straßennetz, die der Senat schließen möchte. Der nördliche Abschnitt der TVO, die jetzige Märkische Allee, ist seit vier Jahrzehnten in Betrieb. Auch in Köpenick ist die Nord-Süd-Verbindung fertig. Doch dazwischen müssen die Autos auf Stadt- und Siedlungsstraßen ausweichen. Die Folge ist Stau, Tag für Tag – vor allem auf der Köpenicker Straße, die in Biesdorf-Süd mitten durch eine Wohngegend führt.

Rollt erst 2022 der Verkehr?

„Der Lückenschluss wäre für den Individualverkehr in unserem Bezirk sehr wichtig“, sagte Christian Gräff (CDU), Bezirksstadtrat für Wirtschaft und Stadtentwicklung in Marzahn-Hellersdorf. Wäre die TVO komplett, ließen sich auch die vielen Wirtschaftsstandorte im Bezirk schneller erreichen – zum Beispiel vom künftigen Flughafen BER aus.

Zuständig ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. „Bei ihr ist das Projekt in guten Händen. Ich habe nicht den Eindruck, dass dort gebummelt wird“, sagte Gräff. Allerdings ist das Arbeitspensum groß – und es ist gewachsen, nachdem entschieden wurde, die neue Nord-Süd-Straße nicht mit zwei, sondern mit vier Fahrstreifen auszustatten.

Neue Daten müssen erhoben werden, zum wiederholten Mal werden Varianten der Streckenführung untersucht. „Dazu gehört auch die Nullvariante – der Verzicht auf das Projekt“, sagte Gräff. Um die Bürger einzubeziehen, wurde zudem ein Planungsbeirat gegründet, der im April erstmals tagte. Das Ziel ist klar: Der Planfeststellungsbeschluss, mit dem am Ende das Projekt genehmigt wird, soll juristisch wasserdicht ausfallen – damit er nicht später von einem Gericht gekippt wird.

Doch das erfordert mehr Zeit als geplant. Dem Vernehmen nach sieht der Plan jetzt so aus: 2017 beginnt das Planfeststellungsverfahren, zwei Jahre später der Bau – der wiederum zwei bis drei Jahre in Anspruch nimmt. Wenn es mäßig läuft, könnte die neue Straße im Osten erst 2022 freigegeben werden.

„Das ist nicht das, was der Senator will“, sagte ein Mitarbeiter der Senatsverwaltung. „Darum sind wir jetzt dabei Möglichkeiten zu finden, das Projekt zu beschleunigen“ – ohne Anwohner vor den Kopf zu stoßen oder rechtliche Risiken heraufzubeschwören. Auf Bürgerbeteiligung werde großer Wert gelegt.

Anwohner fürchten um ihre Ruhe

Einfach wird es nicht, die Bürger zufriedenzustellen. Denn in Biesdorf-Süd wird das Projekt kritisch gesehen. Bisher sahen die Planungen vor, die Siedlungsstraßen Balzerweg und Alfelder Straße zu TVO-Anschlüssen auszubauen. Dies würde dazu führen, dass heute noch ruhige Wohngebiete mit Verkehr „geflutet“ würden, warnte die Bürgerinteressengemeinschaft „Wir sind Biesdorf-Süd“. Die Anwohner sammeln Unterschriften für eine Petition – bis Ende September kamen bereits fast 2200 zusammen.

Sie fordern auch, dass die TVO zunächst westlich des Außenrings der Bahn verläuft. So ließe sich verhindern, dass der Straßenbau bis zu 15 Privatgrundstücke in Anspruch nimmt und Wohnhäuser abgerissen werden. Doch der Senat ist gegen das Konzept des Verbands Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN). Brücken würden notwendig, die das Vorhaben verteuern – um 22 Millionen auf 101 Millionen Euro. Von ihnen würde der Lärm weit in die Wohngebiete schallen.

Beobachter rechnen allerdings damit, dass bei der jetzt anstehenden Variantenprüfung auch die VDGN-Variante gute Chancen hat. So viel steht fest: Das Projekt TVO wird noch für einige Diskussionen sorgen.

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