Nach wochenlanger Blockade verlassen weitere Öl- und Flüssiggastanker die Straße von Hormus. Mehrere Schiffe mit Lieferungen für Pakistan, China und Südkorea haben die strategisch wichtige Meerenge in den vergangenen Tagen passiert, wie aus Schiffs- und Satellitendaten hervorgeht.
Die Entwicklung fällt mit neuen diplomatischen Signalen zwischen Washington und Teheran zusammen. Anleger und Reedereien hoffen offenbar darauf, dass sich die Lage im Persischen Golf zumindest teilweise entspannt und der globale Energiehandel wieder anläuft.
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LNG-Lieferungen nach Pakistan und China
Wie Reuters unter Berufung auf Daten der Analysefirmen LSEG und Kpler berichtet, durchquert der LNG-Tanker „Fuwairit“ am Montag die Straße von Hormus und soll seine Ladung bereits am Dienstag in Pakistan löschen. Das unter Bahamas-Flagge fahrende Schiff hatte Ende März Flüssiggas am katarischen Exportterminal Ras Laffan aufgenommen. Auch der LNG-Tanker „Al Rayyan“ habe die Meerenge inzwischen verlassen. Das Schiff transportiere ebenfalls Flüssiggas aus Katar und werde voraussichtlich Ende Juni in China entladen.
Parallel dazu verließ der Supertanker „Eagle Verona“ bereits am Samstag den Persischen Golf. Das Schiff transportiert laut Reuters knapp zwei Millionen Barrel irakisches Rohöl und soll Mitte Juni den chinesischen Hafen Ningbo erreichen.
Am Sonntag verließ der Flüssigerdgas-Tanker „Al Hamra“ der Reederei Adnoc Logistics und Services die strategisch wichtige Meerenge. Er transportiert laut Schiffsdaten eine LNG-Ladung aus Abu Dhabi nach Westindien.
Verkehr bleibt weit unter Vorkriegsniveau
Die Fahrten markieren eine vorsichtige Wiederaufnahme des Handelsverkehrs durch die Meerenge. Vor Kriegsbeginn passierten täglich etwa 125 bis 140 Schiffe die Straße von Hormus. Derzeit sitzen laut Reuters jedoch noch rund 20.000 Seeleute auf Hunderten Schiffen im Persischen Golf fest.
Mehrere Tanker nutzen inzwischen eine von Teheran vorgegebene Transitroute entlang der iranischen Küste. Erst vergangene Woche hätten drei sogenannte Very Large Crude Carrier insgesamt sechs Millionen Barrel Rohöl nach China und Südkorea transportiert.
Die Berliner Zeitung hatte bereits Anfang Mai über erste erfolgreiche LNG-Transporte aus Katar berichtet. Damals erreichte der Tanker „Al Kharaitiyat“ laut Bloomberg und Reuters erstmals seit Kriegsbeginn wieder den Golf von Oman. Später folgten einzelne Lieferungen aus Abu Dhabi nach Indien, Japan und China. Die nun registrierten Fahrten zeigen jedoch erstmals wieder eine etwas breitere Bewegung im Öl- und LNG-Verkehr der Region.
Hoffnung auf Iran-Deal bewegt Märkte
Während nach und nach immer mehr Tanker die Straße von Hormus passieren, verhandeln Washington und Teheran weiter über eine mögliche Öffnung der Meerenge. Gleichzeitig dämpfen beide Seiten inzwischen die Erwartungen an einen schnellen Durchbruch. US-Außenminister Marco Rubio sagte am Montag in Neu-Delhi, die USA würden entweder eine „gute Vereinbarung“ mit dem Iran erreichen oder mit dem Land „auf andere Weise“ umgehen. Washington werde der Diplomatie aber jede Chance geben, bevor Alternativen geprüft würden, berichtete Reuters.
Rubio beschrieb den Stand der Gespräche dennoch als substanziell. Es liege ein „ziemlich solider“ Vorschlag auf dem Tisch, sagte er. Dieser umfasse die Möglichkeit, die Straße von Hormus wieder zu öffnen und anschließend in „echte, bedeutende, zeitlich begrenzte“ Verhandlungen über das iranische Atomprogramm einzutreten. Rubio sagte: „Wir sind noch mitten im Prozess. Wie gesagt, wir dachten, wir hätten gestern Abend Neuigkeiten. Vielleicht auch heute“.
Zuvor hatte Trump am Sonntag erklärt, seine Unterhändler sollten sich bei einem Iran-Abkommen nicht drängen lassen. Die US-Blockade gegen iranische Schiffe in der Straße von Hormus bleibe „in voller Kraft“, bis eine Vereinbarung erreicht, bestätigt und unterzeichnet sei.
Iran soll Öffnung von Straße von Hormus zugestimmt haben
Auch Teheran bestätigte Gespräche, trat aber deutlich auf die Bremse. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, sagte laut Reuters, der Iran verhandele über ein Ende des Kriegs, derzeit aber nicht über Atomfragen. „Es ist richtig zu sagen, dass wir in einem Großteil der diskutierten Punkte eine Einigung erzielt haben“, sagte Baghaei am Montag in Teheran. „Doch zu behaupten, dies bedeute, dass die Unterzeichnung eines Abkommens unmittelbar bevorstehe – das kann keiner der beiden Seiten behaupten.“ Zudem enthalte eine mögliche Absichtserklärung keine konkreten Details zur Verwaltung der Straße von Hormus. Die Meerenge gehöre den Anrainerstaaten, sagte Baghaei.
Nach Angaben eines hochrangigen US-Regierungsvertreters, der anonym mit Reuters sprach, habe der Iran grundsätzlich zugestimmt, die Straße von Hormus zu öffnen, wenn die USA im Gegenzug ihre Seeblockade aufheben. Zudem soll Teheran bereit sein, seinen Bestand an hochangereichertem Uran aufzugeben. Eine offizielle Bestätigung aus dem Iran gab es dafür zunächst nicht. Ein zweiter US-Regierungsvertreter erklärte, der mögliche Rahmen sehe eine Frist von 60 Tagen vor, um die Details einer endgültigen Vereinbarung auszuhandeln.
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Uran, Sanktionen und Hormus bleiben größte Streitpunkte
Zu den schwierigsten Streitpunkten gehören weiterhin die iranische Urananreicherung, Sanktionserleichterungen und die Freigabe eingefrorener iranischer Öleinnahmen in ausländischen Banken. Iranische Quellen hatten Reuters zufolge erklärt, in späteren Verhandlungsrunden könnten „praktikable Formeln“ gefunden werden, um den Streit über hochangereichertes Uran zu lösen. Dazu könnte gehören, das Material unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde zu verdünnen.
Auch die Nachrichtenagentur AP berichtete unter Berufung auf mehrere mit den Gesprächen vertraute Vertreter über einen möglichen Stufenplan. Demnach könnte die Straße von Hormus schrittweise wieder geöffnet werden, parallel zu einem Ende der US-Blockade iranischer Häfen. In einem 60-Tage-Zeitraum könnten außerdem Sanktionserleichterungen und die Freigabe eingefrorener iranischer Gelder verhandelt werden. Unklar bleibt jedoch, wie und wann die einzelnen Teile eines möglichen Abkommens tatsächlich umgesetzt würden.
Die Hoffnung auf eine Entspannung ließ die Ölpreise zum Wochenstart deutlich sinken. Die Nordseesorte Brent fiel zeitweise um rund fünf Prozent auf den niedrigsten Stand seit zwei Wochen. Anleger setzen darauf, dass sich die globale Energieversorgung stabilisieren könnte, falls die Straße von Hormus wieder regelmäßiger passierbar wird.
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