„Taste the Doom“

Der Geschmack des Epischen

Schweres im Glas, Düsteres aus den Boxen: Bei „Taste the Doom“ kommt zusammen, was zusammen gehört. Nämlich Whisky und Metal.

Seda Nigbolu
4 Min
Alle 15 bis 20 Minuten wird eine neue Whiskysorte ausgeschenkt, die sich dann golden im Glas zu den tiefdröhnenden Klängen des Dooms kräuselt.

Alle 15 bis 20 Minuten wird eine neue Whiskysorte ausgeschenkt, die sich dann golden im Glas zu den tiefdröhnenden Klängen des Dooms kräuselt.

© Lars Reimann Lizenz

Sei es wegen seinem alles dominierenden Geschmack oder wegen seinem harten Image, beim Whisky ist die Rede immer von starken Gefühlen und rebellischen Instinkten. Von jenen Sachen nämlich, die man in der elitären Stimmung einer üblichen Whisky-Verkostung nie erleben könnte. Das ist aber doch der ganze Spaß, den die Veranstaltung „Taste the Doom“ ihren Teilnehmern anbietet – als die weltweit einzige Whisky-Verkostung voller schwerer Klänge.

Ein künstlerischer Versuch

Alle zwei Monate wird er im hölzernen Hinterraum der Bar „Das Gift“ verkostet, die vorher eine Eckkneipe war und glücklicherweise ihre lockere, intime Atmosphäre bewahrt hat. Für 23 Euro probiert man sieben spezielle Raritäten, die von den Veranstaltern mit Leidenschaft ausgesucht werden. Jedes Mal gibt es unterschiedliche Sorten aus allen Teilen der Welt: Einen 19-jährigen Duthies Highland Park, einen Kilchoman Vintage und sogar einen indischen Whisky namens Armut.

Mild, umwerfend stark oder rauchig; die Suche nach dem höllischen Geschmack ist nicht nur etwas für den Magen, sondern auch für die Ohren. Eine Auswahl der düsteren Seiten der Musik begleitet die Trinkenden durch die Nacht. Doom, Sludge, Stoner oder Drone Metal – also all jene Spielarten des Metal, die dem Genre etwas Schleppendes, Tiefdröhnendes und Psychedelisches verleihen.

Auf die Frage, nach welchen Kriterien die Whiskys und die Tracks ausgewählt werden, antwortet Lars Lundehave Hansen (34), der zusammen mit Peter Votava (44) das „Taste the Doom“ organisiert, mit „Hauptsache episch“. Die Kraft der Langsamkeit der Musik hat eine ähnliche Wirkung wie das starke Aroma eines guten Whiskys, das lange im Mund bleibt. Die beiden Freunde sind auf die Idee gekommen, als sie im vergangenen Sommer auf der Terrasse von Peter Votava eine Flasche Ardbeg Alligator zusammen mit der Musik der Metalband Buried at Sea genossen haben.

Diese perfekte Kombination wollten sie mit anderen Leuten teilen. „Einen künstlerischen Versuch“ nennt Votava seine Veranstaltung. Es ist eine Alternative für diejenigen, die Whisky schon mögen, aber nicht genau wissen, wie sie ihr Wissen vertiefen sollen. Bei den üblichen Verkostungen fehlt dieser Zugang und „Taste the Doom“ bietet das genau für diejenigen, die neben Whisky auch andere Vergnügen des Lebens schmecken wollen. Nicht nur die Kombination aus Doom und Whisky, sondern auch die Veranstalter erleichtern diesen Zugang. Die wirken eher wie die Gastgeber einer Wohnungsparty, die ihren Enthusiasmus mit geliebten Freunden teilen möchten.

Stand-up-Qualitäten

Alle 15 bis 20 Minuten werden die Gläser neu gefüllt, dann erzählen die beiden etwas über die Whiskys. Die Geschichte des Destillierens, die unterschiedlichen Aromen, wie einzigartig und rar die Flaschen sind, mit wie vielen Punkten sie in der „Whisky Bibel“ bewertet wurden. Wie enthusiastisch und voller trockenem Humor Hansen alles erzählt, hat fast etwas von Stand-up-Comedy. Erst nachdem einige Sätze zu den kommenden Tracks der Bands wie Goatsnake oder Sleep gesagt wurden, wird getoastet und dem Teufel des Dooms gelauscht. Mit jedem neuen Whisky steigt der Alkoholgehalt höher, die Musik wird heftiger, aber nie zu laut.

Gute Unterhaltung ist Teil des Programms. Viele kommen in Gruppen. Es sind keine Whisky-Experten, sondern meistens Kreative – Filmemacher, Autoren, Musiker oder Künstler außerhalb des Mainstreams, die von überall her nach Berlin gezogen sind, aber mit den populären Ausgehmöglichkeiten der Stadt nichts anzufangen wissen. Auch wenn es keinen Dresscode gibt, reflektieren die dunklen Farben ihrer Kleidung ihren musikalischen Geschmack.

Selbstverständlich ist Musik der verbindende Faktor. Auch die beiden Gastgeber sind beruflich mit experimenteller Musik und Klangkunst beschäftigt und wie viele ihrer Gäste hier hat ihre kreative Tätigkeit sie aus Wien und Dänemark nach Berlin gebracht. Nach eigener Aussage wollen sie jetzt mit „Taste the Doom“ dieser Stadt etwas zurückgeben, von der sie viel Kreatives geschöpft haben.

Um 24 Uhr geht die dreistündige Verkostung zu Ende, aber die Nacht geht weiter. Das Publikum mischt sich mit den anderen Gästen im Innenraum der Bar, die Musik geht jetzt in Richtung Indierock. Während es drinnen und draußen immer lauter wird, klingt im Ohr immer noch Doom nach, aber diesmal begleitet von den Lyrics des John Lee Hooker-Klassikers: „One scotch, one bourbon, one beer.“

Taste the Doom: 23. Juni, 21 Uhr. Das Gift, Donaustraße 119, Neukölln. www.tastethedoom.com

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de