Tausend Volt im Watt

Bundesliga-Volleyball in Nordfriesland? Das Örtchen Husum strebt nach Erstklassigkeit. Die Idee dazu hatte ein Berliner

Karin Bühler
4 Min

Erster April, na klar. Das Datum kommt in der Pressemitteilung der Volleyball Bundesliga (VBL) vor, über die sich gerade viele wundern. Bestimmt ein Scherz, was sollte man sonst von dieser Ankündigung halten: „Husum will Wildcard“. Erstliga-Volleyball in Nordfriesland? Gibt’s doch gar nicht. Aber schon im Oktober dieses Jahres, zu Beginn der Saison 2017/2018, soll es soweit sein. So haben es auch die Husumer Nachrichten auf dem Titelbild vermeldet: „Eine Region baggert an der Volleyball-Bundesliga.“

Der Baggerführer heißt Oliver Wagner. Er kommt aus Berlin, war mal Radioredakteur und Volleyballtrainer beim TSV Wedding, VfL Lichtenrade und dem CfL 1965. Seit fünfeinhalb Jahren trainiert er die Volleyball-Männer des TSV Husum 1875. Die spielen in der Landesliga, fünf Stationen unterhalb der Bundesliga. Der 50-jährige A-Lizenz-Inhaber ist auch Stützpunkttrainer des Schleswig-Holsteinischen Volleyball-Verbandes. „Alle sagen, ihr seid bekloppt“, sagt Wagner, „aber alle finden das Projekt gut.“

Das Projekt heißt Watt-Volleys. Es soll die ausgelagerte Spielbetriebsgesellschaft eines völlig neuen Sportvereins werden. „In Husum hat der Volleyballsport eine große Tradition. Wir sind stolz auf unsere gute Jugendarbeit. Doch die Perspektiven für unseren Volleyball-Nachwuchs fehlen“, sagt Wagner. Und er findet, sportlich gesehen sei egal, ob Husum sechste Liga, zweite Liga oder Hobbyliga spiele, „jeder Erstligist muss sowieso eine komplett neue Mannschaft zusammenstellen“.

Als Wagner im Oktober von der Entscheidung der VBL erfuhr, in diesem Jahr zwei Wildcards für die Bundesliga auszustellen, war ihm klar: „Das ist die Chance, auf die ich gewartet habe.“ Der Berliner betreibt einen Volleyball-Blog, tauscht sich mit Trainern wie dem früherem BR Volleys-Coach Mark Lebedew aus, und sagt: „Mir macht Volleyball halt wahnsinnig viel Spaß.“

Am 1. November gab er die Unterlagen zur Vorlizenzierung bei der VBL ab. Die Vereine müssen da ihre Wirtschaftlichkeit und eine adäquate Spielhalle nachweisen. Wagner will in der Husumer Messehalle spielen. Es ist ein Gebäude mit 16 Metern Deckenhöhe, das „super cool aussieht, aber null Tribünen hat“. Eine Lösung könnten Teleskop-Tribünen sein, Sitze für 2 500 Menschen zum ein- und ausfahren.

Laut einer Nielsen-Umfrage gebe es in Deutschlands Norden die größte Dichte an Volleyball-Interessierten überhaupt. Zwischen St. Peter-Ording, Flensburg, der dänischen Grenze, Heide und Kiel seien das 300 000 Menschen, sagt Wagner. „Über Zuschauer machen wir uns keine Sorgen.“ Auch kaufmännisch, medial und sportlich trauen sie sich in Husum die erste Liga zu. Finanziell bleibt allerdings noch einiges zu meistern. Da peilt der frühere Radiomann einen ambitionierten Etat von 900 000 Euro an. „Gedacht sind die Watt-Volleys für den ganzen Norden“, sagt Wagner. „Es soll nichts Provinzielles werden.“

Nördlichster Bundesligist ist bisher die SVG Lüneburg, die an diesem Sonnabend die BR Volleys (20 Uhr, Sportdeutschland TV) in der berüchtigten Gellersenhalle empfängt. Beim Tabellenfünften wissen sie, wie wichtig und kostspielig eine große Arena ist. Weil die Gellersenhalle zu eng und zu niedrig ist, um den Erstliga-Standards der VBL zu genügen, warten sie in Lüneburg dringlich auf den Baubeginn der neuen Eventarena. Das Gelände dafür ist planiert. Spätestens zu den Playoffs 2018 will das Team dort auflaufen. „Mal eben in einer Messehalle zu spielen, kostet Mut und Geld“, sagt SVG-Sprecher Henrik Morgenstern zum Husumer Plan. „Auch wenn wir dann nicht mehr der einzige Bundesligist im Norden sind, würden wir uns über einen neuen Volleyball-Standort freuen.“ Berlins Manager Kaweh Niroomand findet: „Wenn sie sich das in Husum zutrauen, hoffentlich etwas dahinter ist und sie nach dem Beispiel der United Volleys in Frankfurt agieren, ist das nur zu begrüßen.“

Husums Bürgermeister, die Messe sowie die Interessengemeinschaft Gewerbegebiet Ost unterstützen Wagners Watt-Volleys. „Die Bundesliga wird sich angucken, wie solide unsere Planung ist. Dafür wollen sie natürlich einen guten Teil des Geldes schon auf unserem Konto sehen“, weiß Wagner. Er will jetzt Sponsoren gewinnen, rotiert mit tausend Volt. Der Termin für den endgültigen Antrag auf Wildcard und Lizenz rückt schließlich näher. Es ist – ja, wirklich: der 1. April.

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