Berlin - – Der Saisonauftakt in der Fußball-Oberliga Nordost hätte die verhärteten Fronten bei Tennis Borussia zwischen dem derzeit abgesetzten Vorstandsvorsitzenden Jens Redlich und einem Großteil der Fans nicht besser darstellen können. So feierte Redlich am Sonntag den 4:2 (2:1)-Erfolg der Lila-Weißen im Traditionsduell gegen den SV Tasmania mit der Mannschaft im Mittelkreis, während der Fanblock, zu dem sich der neue Vorstand um den Vorsitzenden Günter Brombosch gesellt hatte, „Redlich raus” rief. Anschließend bedankte sich die Mannschaft bei den rund 500 Fans, die erstmals seit der ominösen Mitgliederversammlung im Januar wieder ein Spiel ihres Vereins besucht hatten.
Schon während des Spiels waren die verhärteten Fronten deutlich sichtbar. Redlich stand neben der Trainerbank, die Anhänger bildeten gegenüber einen lautstarken Wall. So verhärtet wie die im Neuköllner Werner-Seelenbinder-Sportpark verfeindeten Blöcke, wird es die nächsten Wochen weiter gehen. Beide Seiten gehen davon aus, rechtlich richtig gehandelt zu haben.
Redlich sieht sich weiter als Vereinschef. „Ich bin offiziell noch als Vorstandsvorsitzender im Amt. Wir haben das juristisch geprüft”, sagte der 38-Jährige dem „Tagesspiegel”. Nach dem Spiel verwies der Geschäftsführer einer Fitnessstudiokette darauf, dass die Unterlagen, die der Aufsichtsrat dem Amtsgericht eingereicht hatte, um Redlich aus dem Vereinsregister zu entfernen, unvollständig gewesen seien. „Ich denke, wir werden dort in den nächsten 14 Tagen Klarheit erlangen”, ist sich Redlich, der während seines Urlaubs in den USA von der Absetzung überrascht wurde, sicher.
Aber auch der neue Vorstandsvorsitzende Brombosch geht mit seinen Vorstandskollegen davon aus, „dass wir dem Gesamtverein weiter vorstehen werden.” Zudem hätten er und seine Kollegen „kein Problem, wenn Jens Redlich weiter Sponsor bleibt.” Aber ohne weitere Befugnisse. Der 2016 zum Verein gestoßene Redlich habe laut eigener Aussage bisher rund 2,8 Millionen Euro in den Verein gesteckt.
Den kräftigen Aussagen Redlichs wird die Gegenseite in den kommenden Wochen auch genauso kräftig antworten wollen. „Wir haben uns in der letzten Woche zurückgehalten, damit die Mannschaft sich auf das Spiel konzentrieren konnte”, sagt Brombosch. Das ist dem Team von Trainer Dennis Kutrieb gelungen.
Auch dem Coach, der im vergangenen Jahr von Redlich zum Cheftrainer erkoren wurde, ist der Zwiespalt deutlich anzumerken. Für Kutrieb war „es absolut positiv, vor so einer Kulisse zu spielen.” Doch zugleich fragt er sich, ob die Anhänger, die unter den insgesamt 1370 Zuschauern für die beste Stimmung gesorgt hatten, auch wiederkommen würden, „wenn die Uhren in den nächsten Wochen wieder zurückgestellt werden.” (dpa/bb)
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de