BERLIN, 2. März. Es war ein Offenbarungseid, den Winfried Schäfer, Trainer von Tennis Borussia Berlin, am Donnerstag ablegte. Eine einzige Niederlage (1:2 gegen Aachen) genügte, um alle Aussagen der jüngsten Vergangenheit von neuer Harmonie beim Zweitliga-Fünften ad absurdum zu führen. "Die Grundstimmung war so schlecht, ich musste jetzt einen Schlussstrich ziehen", sagte Schäfer: "Vielen bei uns fehlt der Teamgeist. Doch ohne den haben wir keine Chance mehr auf den Aufstieg." Danach breiteten der Fußball-Lehrer und Kapitän Uwe Rösler das Innenleben einer Mannschaft aus, die schon längst keine mehr ist. Nach neuerlichem Streit, Missgunst und Handgreiflichkeiten zog Schäfer die Konsequenzen: Er suspendierte die beiden Stammspieler Francisco Copado, 25, und Bruno Akrapovic, 32. Für Letzteren dürften die Tage bei TeBe wohl gezählt sein, denn für Rösler, Schäfers engsten Vertrauten, ist die "Vertrauensbasis zu Akrapovic völlig zerstört. Wir haben uns nichts mehr zu sagen."Rede und WiderredeEin persönlicher Zwist, der schon seit langem schwelt und der nun eskalierte, weil eine ältere Aussage von Akrapovic öffentlich wurde. So soll er bereits in der Hinrunde gesagt haben, er wolle Rösler keinen Ball mehr zuspielen. "Es ist scheißegal, wann er es gesagt hat. Fast alle im Verein wussten davon, nur ich habe es erst jetzt erfahren. Das war ein Schock", sagt Rösler. In der Folge soll der erboste Kapitän Akrapovic "tätlich angegriffen" haben, behauptet dieser. Der Kroate weiter: "Er wurde handgreiflich, dabei ging meine Kette zu Bruch. Der Verein müsste etwas gegen ihn unternehmen, nicht gegen mich."Neue Details des Berliner Schuljungen-Reports, der immer peinlichere Ausmaße annimmt. Bereits vergangene Saison und in der Hinrunde gab es mehrmals handfeste Auseinandersetzungen im Vielvölker-Ensemble. Unrühmlicher Höhepunkt war im Herbst, als Ouakili dem Kollegen Tredup an die Gurgel ging. "Wir haben es in den acht Monaten nie geschafft, ein Gemeinschaftsgefühl rein zu bringen", gesteht Rösler: "Bei uns sind viele so blöd und liefern ständig Negativ-Schlagzeilen." Akrapovic habe "sich sehr weit aus dem Fenster gelehnt und muss nun die Konsequenzen tragen", sagt der Kapitän: "Für einen, der so was über einen Mitspieler sagt, gibt es kein Zurück mehr." Akrapovic bestreitet die Aussagen. Allerdings soll es Zeugen geben. Bei Copado ist der Fall eindeutiger. Er kritisierte zum wiederholten Mal den Trainer ("Wir haben kein Spielsystem"), der aus Autoritätsgründen darauf reagieren musste: Copado erhielt eine Geldstrafe und wurde nun für das Auswärtsspiel am Sonntag bei St. Pauli nicht berücksichtigt. "Bei Copado ist es immer das Gleiche: Wenn er nicht gut drauf ist, ist der Trainer schuld", sagt Schäfer. Nachdem der Mittelfeldstratege, dessen Lebenswandel allgemein als unprofessionell gilt, auch im Trainingslager in Spanien unangenehm auffiel, als er in der Nacht vor dem Testspiel gegen Bayern München in alkoholisiertem Zustand auf dem Klavier in der Hotelbar tanzte, riss nun Schäfers Geduldsfaden. "Vielleicht ist das mein Problem", räumt der Coach ein, "dass ich von meinem Naturell her einen Spieler nicht schnell fallen lasse." Er hätte Copado bereits im Trainingscamp nach Hause schicken sollen, glaubt er heute.Der Betroffene zeigt indes auch jetzt noch keine Spur von Reue. "Ich sehe keinen Gesprächsbedarf mit dem Trainer", sagt er, "Schäfer spricht mir ab, dass ich in der Lage bin, gut Fußball zu spielen, das nehme ich zur Kenntnis." Dann fügte er hinzu: "Wenn ich halt nicht gut genug bin für TeBe, wird man weiter sehen." Angeblich hat der Spanier seinen Berater beauftragt, einen neuen Klub zu suchen. Akrapovic denkt ähnlich. "Wenn man mich nicht mehr will, okay. Ich werde genügend Angebote bekommen."Die Mannschaft wolle nun beweisen, dass sie nicht auf die beiden angewiesen sei, betont Rösler. Dabei griff er zu martialischen Worten: "In Hamburg müssen wir siegen oder sterben. Wenn wir dort nicht gewinnen, können wir die Kiste zumachen." Schäfer sagte: "Den Druck nehme ich auf meine Schultern, die Jungs sollen mit lachendem Gesicht spielen." Schwer vorstellbar bei diesen Querelen.
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