Zum dritten Mal in vier Jahren spielten die Führenden der Weltrangliste in der blauen Lagune der Londoner Arena um den letzten Turniertitel des Jahres, und auch so kann man Dominanz beschreiben. Es hatte Mitte der Achtzigerjahre eine ähnliche Phase beim Turnier der Besten gegeben, das damals Masters hieß und im New Yorker Madison Square Garden gespielt wurde, danach aber lange Zeit nicht mehr. Zwischen der Begegnung von Ivan Lendl (Nummer 1) und Boris Becker (Nummer 2) 1986 und der nächsten in gleicher Konstellation 2010 beim Sieg von Roger Federer (2) gegen Rafael Nadal (1) verging fast ein Vierteljahrhundert in wechselvoller Besetzung.
Federer fehlte wie seinem Schweizer Landsmann Stanislas Wawrinka im Halbfinale die Frische, um die Begegnung des Titelverteidigers Djokovic mit Nadal, dem Mann des Jahres, zu verhindern. Angesichts der ziemlich klaren Verhältnisse kann man sich fragen, wie die Sache 2014 wohl weitergehen wird. Nadal sagt: „Ich bin 27 und habe mehr erreicht als je erträumt. Ich hoffe, dass ich so weitermachen kann, dafür werde ich jedenfalls arbeiten.“ Er hätte auch schuften, rackern, quälen sagen können, was der Realität in jedem Fall näher kommt. Die Frage ist, wie lange seine Knie den Knochenjob ertragen werden.
Rafael Nadal und Novak Djokovic an der Spitze, aber dann? Schwer einzuschätzen ist, wo und wie sich Andy Murray nach monatelanger Pause wegen eines Eingriffs am Rücken einfinden wird. Einstweilen ist nicht sicher, dass der Schotte schon bei den Australian Open wieder dabei sein kann. Dass David Ferrer noch weiter nach vorn kommen wird, ist wenig wahrscheinlich; dazu ist die Bilanz des Spaniers im Vergleich mit den Allerbesten immer noch nicht gut genug.
Bei Juan Martín del Potro liegt die Sache anders. Mit einer Portion Stolz erwähnte der Argentinier vor seinem Abschied aus London, er habe es als Einziger in diesem Jahr geschafft, sowohl Nadal als auch Djokovic, Murray und Federer zu besiegen, und das bedeute ihm eine Menge. „Ich werde versuchen, bei den Grand-Slam-Turnieren besser zu spielen, was ich diesmal nur in Wimbledon getan habe. Aber wenn ich das schaffe, könnte es ein fantastisches Jahr für mich werden.“
Zuerst Ferien, dann Aufbautraining
Dem Kollegen Federer fehlt es auch nicht an Optimismus. Der wertete die Tatsache, nach einem durchwachsenen Jahr mit Rückenproblemen am Ende mehrere Wochen ohne Unterbrechung in Basel, Paris-Bercy und London unter hoher Belastung schmerzfrei gespielt zu haben, als gutes Zeichen. Im Gegensatz zu 2012, wo er nach dem Ende der Saison zu einer ebenso lukrativen wie anstrengenden Reise zu Showkämpfen nach Südamerika aufgebrochen war, will er die Pause diesmal im Sinne seiner Gesundheit eher traditionell gestalten: zuerst Ferien, dann Aufbautraining. Nadal jedenfalls sieht die Aussichten des langjährigen Rivalen so: „Ich bin sicher, dass er fit in die nächste Saison starten wird, und dann ist er für mich einer der Kandidaten auf den Titel in Australien.“
Was er vom Rest der Gang hält, von jüngeren Herausforderern wie dem Kanadier Milos Raonic, Grigor Dimitrow aus Bulgarien oder dem temperamentvollen Polen Jerzy Janowicz? „Schwer zu sagen. Ich weiß nur, dass es nicht ewig so wie in den vergangenen sechs, sieben Jahren weitergehen kann. Eines Tages wird uns die nächste Generation einholen und besiegen. Ob das schon nächstes Jahr passieren wird? Hoffentlich nicht.“
So ist das, wenn man auf dem Gipfel steht; man sieht die nächste Seilschaft in einiger Entfernung, kann aber nicht abschätzen, ob sie bald folgen oder vom Weg abkommen wird.
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