Ein mittlerweile entlassener Polizist im US-Bundesstaat Texas muss sich nach einem augenscheinlich unbegründeten Angriff auf einen 17-Jährigen vor Gericht verantworten. Der 25-jährige Polizeibeamte James Brennand hatte im Zuge einer Routinekontrolle vor gut einer Woche zehn Schüsse auf den minderjährigen Eric Cantu und dessen ebenfalls 17-Jährige Beifahrerin abgefeuert. Cantu, der bei dem Angriff lebensgefährlich verletzt wurde, befand sich nach Angaben seiner Familie am Dienstag noch immer im Krankenhaus. Sein Zustand sei weiterhin kritisch.
Die Bodycam des Polizisten – eine kleine Kamera, die Beamte in vielen US-Bundesstaaten während Einsätzen am Körper tragen – hatte den gesamten Vorfall aufgezeichnet. Gegen James Brennand, der erst nach großer öffentlicher Empörung und zahlreichen Medienberichten vom Polizeidezernat in San Antonio entlassen worden war, wurde nun Anzeige wegen schwerer Körperverletzung eingeleitet, berichtet unter anderem die New York Times.
Dutzende Schüsse: Wieder Schwarzer bei US-Polizeieinsatz getötet
Video zeigt Eskalation bei Routinekontrolle
Auf den Videoaufnahmen ist zu sehen, wie Brennand sich vor einer McDonald's-Filiale einem parkenden Auto nähert. Alyssa Campos, Sprecherin des San Antonio Police Departments, teilte diesbezüglich mit, der Polizist habe sich nach einem Anruf wegen Ruhestörung in der Umgebung des Fast-Food-Restaurants nach potentiellen Zeugen umgesehen. An das Fahrzeug habe Brennand sich nach eigener Darstellung noch vom Vortag erinnert – er habe vermutet, dass es sich bei dem weinroten BMW um einen gestohlenen Wagen handelte.
Schließlich öffnet der Polizist im Video die Autotür. „Steig aus dem Auto“, hört man ihn sagen. Cantu, sichtlich irritiert, mit vollem Mund und einen in Papier eingewickelten Burger in der Hand, fragt nur „was?“ und legt dann den Rückwärtsgang ein. Mit noch geöffneter Tür setzt sich der BMW in Bewegung, woraufhin Brennand zu seiner Pistole greift und fünf schnelle Schüsse ins Innere des Wagens abfeuert. Nach einer kurzen Pause schießt er fünf weitere Male auf das davonfahrende Auto. Der 17-Jährige habe mehrere Schusswunden erlitten, seine Begleitung sei unverletzt geblieben, teilte die Polizei mit.
Erschossener 16-Jähriger in Dortmund: Bodycams ausgeschaltet
„Das erschreckende ist, dass der Beamte in dem Moment, in dem er schoss, nicht den Eindruck gehabt haben kann, dass sein Leben in Gefahr war“, sagte Bezirksstaatsanwalt Joe Gonzales zu den Aufnahmen. Tatsächlich sei zunächst sogar Cantu selbst wegen der „Flucht vor Festnahme in einem Fahrzeug“ angezeigt worden, in Texas ein Verbrechen. Auch habe Brennand den Jugendlichen wegen des tätlichen Angriffs auf einen Vollstreckungsbeamten belangen wollen – dessen Autotür habe ihn im Vorbeifahren gestreift. Gonzales sagte, er habe die Verfahren inzwischen eingestellt. Brennand hingegen könnten nun bis zu 20 Jahre Haft drohen.
Dortmund: Getöteter 16-Jähriger wurde mit Maschinenpistole erschossen
Ein ähnlicher Vorfall hatte zuletzt auch in Deutschland für Aufsehen gesorgt. Der 16-Jährige Mouhamed D. war bei einem Polizeieinsatz in Dortmund durch insgesamt sechs Kugeln aus einer Maschinenpistole vom Typ MP5 getötet worden. Er soll die Beamten zuvor mit einem Messer bedroht haben. Kritiker mahnten an, dass die Bodycams der Polizisten nicht eingeschaltet gewesen waren.
In Deutschland sind Körperkameras auch außerhalb solcher Fälle immer wieder Debattenthema. Gegner der Technologie sind vor allem aus Datenschutz- und Überwachungsgründen gegen eine Einschaltpflicht.
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