Theater und Komödie in Berlin

So soll das Kudamm Karree in Zukunft aussehen

Der Entwurf von Architekt Jan Kleihues rückt den Hochhausturm des Karree-Komplexes in den Mittelpunkt. Ein Stadtplatz mit einem Pavillon soll den Eingang ins Theater bilden. Doch dem Investor schlägt Skepsis entgegen.

Elmar Schütze
3 Min
Der Blick vom Kudamm.

Der Blick vom Kudamm.

© Cells Lizenz

Auf Otfried Laur ist Verlass. Kaum war klar, dass neue Pläne für Theater und Komödie am Kurfürstendamm vorgestellt werden sollten, rief der Gründer des Berliner Theaterclubs Freunde, Theatergänger und Nostalgiker zum Protest auf. Immerhin geht es um die Zukunft der traditionsreichen Boulevardbühnen. Mal wieder.

Am Freitag froren tatsächlich ein paar von Laurs Mitstreitern im eisigen Wind vor dem Kudamm Karree. In der Hand hielten sie Schilder: „Berliner kämpft für Eure wenigen Baudenkmäler. Kein Abriss der historischen Theater Komödie und Theater am Kurfürstendamm!“

Lange hatte sich die Eigentümerin des Kudamm Karree, die Cells Bauwelt aus München, bedeckt gehalten, was sie mit der Immobilie in bester City-West-Lage vorhat. Am Freitag zeigte sie erstmals ihre Pläne. Architekt Jan Kleihues präsentierte einen Entwurf, der den bis dato kaum wahrnehmbaren Hochhausturm des Gebäudekomplexes in den Mittelpunkt rückt.

Der Turm soll als Bürohaus erhalten bleiben. Die ihn umgebenden flachen Gebäude, in denen sich unter anderem die Theatersäle befinden, sollen abgerissen werden. Ein Stadtplatz soll dort angelegt werden. In der Mitte ist ein Pavillon geplant, der als Eingang für ein unterirdisches Theater (mit nur einem Saal) dient.

Die Ausstellung „Story of Berlin“ soll inklusive der Räume im Atomschutzbunker erhalten bleiben. Außerdem sind ein Hotel und ein Warenhaus geplant. Der Clou soll eine Lücke in der Bebauung am Kudamm werden. Von dort wird ein Weg zu dem neuen Stadtplatz und damit auch zu dem Theatereingang führen.

Alles in allem wirkte der Entwurf ein wenig so wie das (defizitäre) „Neue Kranzler Eck“ ein paar Ecken weiter. Das war aber nicht der Hauptgrund, warum dem Investor im Stadtentwicklungsausschuss des Bezirksparlaments Skepsis entgegenschlug. Gerade erst hatte die Cells Räumungsklage gegen die Theater eingereicht. Hintergrund ist, dass Intendant Martin Woelffer laut Vertrag keine Miete bezahlt, sondern nur die Nebenkosten tragen muss. Die Klage ist noch offen.

Trotz des Streits will Cells-Geschäftsführer Norman Schaaf, wie er sagte, mit Woelffer zusammenarbeiten. Der Intendant, der die Bühnen in dritter Generation führt, erklärte, für sein Haus sei eine bezahlbare Miete und die Garantie auf eine langfristige Nutzung wichtig. 30 Jahre könne er ihm aber nicht versprechen, entgegnete Schaaf.

Auch Schauspieler sahen sich am Freitag die Präsentation an. Walter Plathe sagte irgendwann „Das ist zum Kotzen hier“ und verschwand. Auch Kollege Ilja Richter ergriff das Wort: „Ist es nicht möglich, dass wir an diesem Ort den (legendären Intendanten) Max Reinhardt und (den ebenfalls legendären Theaterarchitekten) Oskar Kaufmann in Erinnerung halten können?“ Mal sehen.

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