Thomas Gross hat selbst schon eine Pleite erlebt

Große Aufgaben für neuen Chef im Tempodrom

Brenda Strohmaier
2 Min

Der neue Chef des Tempodroms ist nicht zu sprechen. "Als Betriebsleiter ist er dazu nicht befugt. Für strategische Fragen ist bei uns die Geschäftsführung zuständig", heißt es bei der Unternehmensberatung Treugast, jener Münchner Firma, die künftig das Kultur- und Veranstaltungszentrum Tempodrom betreiben wird.Schade eigentlich. Schließlich wäre es überaus interessant, mal mit dem neuen Chef über seine Visionen für das insolvente Haus zu sprechen. Wie ziemlich entsetzte Tempodrom-Mitarbeiter nämlich verbreiteten, handelt es sich bei dem neuen Betriebsleiter um den Eventmanager Thomas Gross, der drei Jahre lang für die Potsdamer Schlössernacht zuständig war - bis seine Firma Gross-Events im Jahr 2001 Insolvenz anmelden musste. Seitdem war in den Zeitungen nichts mehr über ihn zu lesen.Von der Treugast-Geschäftsführung ist nun zu erfahren, dass Gross in den vergangenen Jahren bereits freiberuflich für die Unternehmensberatung tätig war. Oder wie Geschäftsführer Stephan Gerhard es formuliert: "Er hat einen Job für uns erledigt." Welchen, will Gerhard nicht verraten: "Als Berater sind wir sehr diskret." Jedenfalls hält man ihn für fähig, das Tempodrom zu leiten. "Seine Qualifikation sind Events und davon wollen wir künftig mehr veranstalten", sagt Gerhard - und meint damit mehr Konzerte von ausländischen Künstlern, mit denen man an die Wurzeln des Tempodroms anknüpfen wolle, das mit dem Ethnofestival Heimatklänge erst so richtig populär wurde."Ein zupackender Mensch"Ob Gross so was kann? Der Mann, der dem Archiv zufolge 1,90 Meter groß ist und nun Anfang 40 sein dürfte? Als Konzertveranstalter ist er bisher nicht aufgefallen, dafür als Organisator der Veranstaltung "Der längste Laufsteg der Welt". Der Initiator des Kudamm-Events, Claus Pöhland, ist noch heute voll des Lobes für Gross: "Das ist ein sehr sympathischer, sehr zupackender Mensch, der damals ein tolles Team hatte. Ich kann mir gut vorstellen, dass er den Job beim Tempodrom gut macht."Die einstigen Mitarbeiter des Tempodroms sehen das anders. "Zu uns hat er gesagt, er sei Betriebswirt und habe von Events keine Ahnung", erzählt Melen Einenkel, die bis vor kurzem als Marketingchefin des Kulturhauses fungierte. "Bei mir klingelt das Handy die ganze Zeit. Und ganz oft sind besorgte Veranstalter dran, die darauf warten, dass man sie endlich mal kontaktiert", sagt Einenkel. Und: "Ich kann überhaupt nicht verstehen, warum erfahrene Leute durch jemanden wie Gross ersetzt wurden." Eins scheint schon jetzt klar: Auf Thomas Gross warten große Aufgaben.

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