Thomas Haupt Olympia 2016

Mit dem Katamaran zu den Molecule Men

Der Berliner Katamaransegler Thomas Haupt will sich für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro qualifizieren. Um Sponsoren zu beeindrucken, organisierte er ein spektakuläres Fotoshooting auf der Spree.

Jörg Winterfeldt
4 Min
Wendemanöver zwischen den Beinen der Molecule Man: Haupt und Hector kreuzen mit ihrem Nacra17 auf der Spree vor den Treptowers.

Wendemanöver zwischen den Beinen der Molecule Man: Haupt und Hector kreuzen mit ihrem Nacra17 auf der Spree vor den Treptowers.

© eibner pressefoto Lizenz

Eine Vorbereitung auf Olympische Spiele, so darf es wohl für die meisten Sportarten gelten, ist eine routinemäßige Angelegenheit. Ein Verband holt sich Athleten in seine Kader und lässt sie von seinen Trainern nach deren Plänen trimmen. Und wenn sich die Athleten nur ausreichend verbissen schinden, dürfen sie ein Rundumsorglospaket in Anspruch nehmen.

Das ist aber bestenfalls die halbe Wahrheit. Gleichzeitig gibt es gerade in den Randsportarten Exoten, für die schon die Vorbereitung auf die Spiele wegen der Eigenregie zum großen Abenteuer gerät. Wenn Thomas Haupt seine Geschichten erzählt, wird fix klar, was das bedeutet. Der Berliner, der früher bei den Eisbären in der Jugend zum Eishockeyspieler ausgebildet wurde und es sogar auf ein paar Einsätze in der DEL brachte, arbeitet daran, als Segler zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 zu fahren.

Nächste Woche segelt Haupt, 33, mit der Partnerin Johanna Hector, 21, den ersten Weltcup im neuen Boot. Sie starten bei der olympischen Woche ab dem 4. Dezember auf Gran Canaria. Der Stress auf dem Wasser ist vergleichsweise entspannend zu dem, was Haupt in den vergangenen Monaten hinter sich hat, weil er mit Hector den Olympiatraum in Eigenarbeit angeht.

Mehr Auftrieb für größeres Spektakel

So stellte sich erst spät heraus, auf welchem Boot überhaupt gesegelt werden soll. Im Mai wählte der Weltsegelverband Isaf in der Katamaranklasse das Modell Nacra17 für die Spiele aus. In Santander hatten zehn Teams im März sieben unterschiedliche Boote getestet und sich für die Mixed-Mehrrumpf-Klasse auf den Vorschlag der North American Catamaran Racing Association festgelegt.

Für das Boot sprachen im Vergleich zur Konkurrenz, dass es im Mannschaftsgewicht toleranter ist und dank gekrümmter Schwerter mehr Auftrieb für größeres Spektakel bekommen kann. Haupt findet, das Boot sei „ein geiles Ding“, weil es „auf dem Wasser richtig abgeht, auch wenn es nicht − wie die Riesenkatamarane beim America’s Cup − komplett aus dem Wasser kommt“.

Der Nacra17 hat dabei auch seine Tücken: „Wenn Du zu weit hinten stehst, kann es sein, dass der Bug vorn hoch geht und du nach hinten kippst“, sagt Haupt, „außerdem reißt die Strömung am Segel schon bei kleinen Fehlern super schnell ab.“ Verläuft aber alles optimal, dann kann er mit seiner Vorschoterin Hector den Katamaran schon mal bis auf 60 Stundenkilometer beschleunigen.

Der Hersteller kommt mit der Produktion nun nicht mehr hinterher. Im Februar wurden die ersten Boote ausgeliefert, die 5,25 Meter lang sind, einen neun Meter hohen Mast haben und mindestens 15.000 Euro kosten. Seit Mai drängeln alle Olympia-Aspiranten, seit August hat das Haupt-Team sein Boot. Ein halbes Jahr Wartezeit ist nicht ungewöhnlich.

Das Geld müssen Haupt und Hector, die Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste in Berlin studiert, selbst auftreiben. „Es ist nicht so easy mit Sponsoren“, sagt Haupt, „wir betteln jedes Jahr neu.“ Im Mai ist der Hauptsponsor trotz Zusage abgesprungen, seither müssen Kleinsponsoren und Freunde herhalten. Als Segellehrer verdient Haupt sich in der Freizeit noch Geld hinzu.

Alle beginnen bei null

Da ist Improvisation angesagt. Um bei potenziellen Geldgebern besser Eindruck schinden zu können, haben die beiden Segler im September ein spektakuläres Fotoshooting auf der Spree veranstaltet. Nur für ein paar Bilder haben sie ihren Olympia-Katamaran zwischen Oberbaum- und Elsenbrücke zu Wasser gelassen und die Büroangestellten mit Fahrten auf einem Rumpf zwischen den Fahrgastschiffen an die Fenster gelockt.

Und im Oktober hat Haupt das eigene Boot sowie − gegen finanzielle Beteiligung − ein weiteres von deutschen Konkurrenten zerlegt auf einem geschlossenen Hänger von Berlin in einem Wochentrip über Huelva nach Las Palmas kutschiert.

Die Fachleute sind nun gespannt wie sich die Hierarchie im Verlauf des kommenden Jahres entwickelt. Mit etwa zehn halbwegs professionellen Teams aus Deutschland allein ist zu rechnen. Nur eines davon qualifiziert sich für Rio. Der Vorteil ist, dass auf dem Boot alle bei null beginnen. Die größte Konkurrenz kommt aus den Niederlanden, aus England und Frankreich.

Der Berliner Segler Haupt will dabei nichts dem Zufall überlassen: „Wir sind im Gespräch mit einem Mentaltrainer“, sagt er, „und zwei Taktiktrainer bringen uns bei wie wir fahren müssen.“ Allein die dürfen als purer Luxus gelten: bei 500 Euro Tagesgage plus Kost und Logis.

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