Die Technische Universität Chemnitz hat Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) den Doktortitel aberkannt. Der Regierungschef kündigte umgehend an, gegen diese Entscheidung der Philosophischen Fakultät vor dem Verwaltungsgericht zu klagen, wie die Staatskanzlei in Erfurt mitteilte. Zuvor berichtete auch der Spiegel.
Voigt bezeichnete die Entscheidung als nicht nachvollziehbar. „Der wissenschaftliche Kern meiner Arbeit ist von den Vorwürfen nicht betroffen", erklärte er in einer Pressemitteilung. Ein von der Universität selbst beauftragter unabhängiger Sachverständiger habe bestätigt, dass seine Dissertation den wissenschaftlichen Anforderungen entspreche. Voigt zeigte sich irritiert darüber, dass die Hochschule ihrem eigenen Gutachten nicht folge.
Plagiatsjäger erhob Vorwürfe während des Wahlkampfs
Die Vorwürfe gegen Voigt wurden während des Landtagswahlkampfs 2024 öffentlich. Der österreichische Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber, der als Plagiatsjäger bekannt ist, hatte die Universität per E-Mail informiert, dass er in der Dissertation 46 Plagiate identifiziert habe. Die CDU Thüringen wies die Anschuldigungen damals zurück.
Voigt hatte 2008 mit der Arbeit „Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf. George W. Bush gegen John F. Kerry" promoviert, die er größtenteils in den USA erarbeitete. Sein Doktorvater war der Chemnitzer Politikwissenschaftler Eckhard Jesse, der für sein Hufeisenmodell zur Einordnung von Links- und Rechtsextremismus bekannt wurde. Zusätzlich führt die private Quadriga Hochschule in Berlin Voigt als Professor.
Anwälte: Beanstandete Stellen betreffen nur 2,58 Prozent der Arbeit
Voigts Anwälte erklärten, das Verfahren habe sich auf Textstellen bezogen, die lediglich 2,58 Prozent des Gesamtumfangs der Dissertation ausmachten. Die Vorwürfe richteten sich demnach hauptsächlich darauf, dass Voigt zitierte Quellen nicht im Original ausgewertet, sondern aus Sekundärliteratur übernommen haben soll. Die Anwälte betonten, es handele sich dabei überwiegend nicht um ungekennzeichnete Übernahmen im klassischen Sinne. Sämtliche Vorwürfe hätten vollständig widerlegt werden können, und es sei nachgewiesen worden, dass Voigt seine Arbeit selbst verfasst habe.
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