Tierheim

Wie Romeo seine Fanny fand

Im Tierheim Berlin gibt es eine Partnerschaftsbörse für Graupapageien. Denn die Tiere grämen sich allein. Bis der oder die Richtige gefunden ist, kann es allerdings ein Jahr und länger dauern. Sie lassen sich für die Auswahl Zeit. Schließlich bleiben Papageien ein ganzes Leben lang monogam.

Birgitt Eltzel
4 Min
Weintrauben fressen die Graupapageien im Tierheim Berlin gern. Die meisten Tiere dort wurden ausgesetzt, manche sind zur Partnervermittlung dort.

Weintrauben fressen die Graupapageien im Tierheim Berlin gern. Die meisten Tiere dort wurden ausgesetzt, manche sind zur Partnervermittlung dort.

© Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann (2) Lizenz

Hallo“, sagt der eine leise, „hallo“. Aus einer anderen Ecke des Käfigs kommt es knarzend zurück: „Hallo, hallo!“ Die 22 Graupapageien, die in zwei großen Volieren des Tierheims Berlin sitzen, sind ziemlich gesprächig. „Viele können Töne nachmachen, kennen auch einige Worte“, sagt Tierpflegerin Paula Heindel. „Es sind sehr gelehrige Tiere.“ Wie um das zu unterstreichen, imitiert einer der Vögel nun die Sirene eines Polizeiautos, ein anderer das Klingeln eines Telefons. „Einer macht sogar die Erkennungsmelodie der Nachrichten im ZDF nach, ein anderer das Geräusch, das erklingt, wenn eine Nachricht unter WhatsApp auf dem Handy eintrifft“, sagt Heindel.

Lebenslang monogam

Was sich lustig anhört, hat einen ernsten Hintergrund. „Wenn ein Papagei spricht oder Töne nachmacht, kann man davon ausgehen, dass er einzeln gehalten wurde“, sagt die Tierpflegerin. Und das sei keineswegs artgerecht. Denn Papageien sind Schwarmtiere, die paarweise leben, in lebenslanger Monogamie. Deshalb hat das Tierheim 2008 eine Partnervermittlung für Papageien eingerichtet. Besitzer können ihre alleinstehenden Vögel dorthin zur Partnerwahl bringen.


Exoten: Weil zunehmend exotische Tiere in Privathaushalte gelangen, landen solche Tiere immer häufiger in den Tierheimen. Teilweise sind sie schon in Baumärkten zu haben, werden aber auch auf Reptilienbörsen und im Internet gehandelt.

Auffangstation: Eine Exotenauffangstation wurde 2009 im Tierheim Berlin in Falkenberg, Hausvaterweg 39, eröffnet. Derzeit leben 250 Tiere dort, darunter 61 Reptilien und 153 Kriechtiere.

Papageien: Papageien sind eigentlich auch Exoten, werden aber im Tierheim unter Vögeln aufgelistet. Insgesamt 149 Vögel gibt es dort, darunter derzeit 22 Graupapageien. Diese können in freier Wildbahn bis zu 80 Jahre alt werden, in Gefangenschaft 40 bis 50 Jahre.

Partnerprogramm: Seit 2008 gibt es die Singlebörse für Graupapageien. Mehr als 20 Vögel fanden dort schon einen Partner. Die Besitzer von Vögeln auf Brautschau zahlen pro Tag 1 Euro für Futter und Unterbringung. Bei erfolgreicher Vermittlung eines Partners sind 300 Euro für die Mitnahme des zweiten Tieres zu bezahlen.


Schnell geht diese allerdings nicht – es muss ja viel bedacht werden, wenn man lebenslang zusammenbleiben will. Der Vogel, der auf Braut- oder Bräutigamschau geht, kommt zunächst in die Voliere für männliche oder weibliche Tiere. Dort kann er sich dann den passenden Partner aussuchen. „Das kann einige Wochen dauern oder auch mal länger als ein Jahr“, erzählt Paula Heindel. Es sei ähnlich wie bei den Menschen, bei manchen gehe es schnell mit dem Verlieben, andere brauchten halt ihre Zeit.

Romeo war ziemlich rasch bei der Sache. Erst im September im Tierheim eingetroffen, hat sich der 15-jährige Papageienmann schon ein Weibchen gewählt. Keine Julia, sondern eine Fanny . Diese, nur halb so alt wie er, wurde im Mai in Mitte ausgesetzt. Jetzt hat sie mit dem künftigen Lebenspartner eine kleinere Voliere bezogen. „Wenn die Vögel sich jemand ausgeguckt haben, können sie nicht mehr so gut in der Gemeinschaft leben“, sagt Tierpflegerin Heindel. Sie würden aus Eifersucht schnell mal ruppig gegenüber anderen Käfiginsassen.

Noch tun Romeo und Fanny ziemlich schüchtern, wenn die Pfleger nach ihnen gucken. „Aber wenn sie denken, wir sehen sie nicht, wird geschnäbelt“, sagt die Tierpflegerin. Das klingt nach einem Happy End – bloß leider ist es das noch nicht ganz. Denn Romeos Besitzer hat sich jetzt ganz plötzlich entschlossen, keine Papageien mehr aufzunehmen. Nun steht das Pärchen zur Vermittlung, nur in liebevolle Hände und artgerechte Haltung abzugeben. Natürlich nur zu zweit.

Mehr als 20 Vögel verpartnert

„Glücklicherweise passiert so etwas sehr selten“, sagt Tierheim-Sprecherin Evamarie König. Die Papageien-Singlebörse sei ein großer Erfolg, mehr als 20 der exotischen Vögel wurden bisher verpartnert, Fundtiere hätten dadurch ein neues Zuhause bekommen. Die Besitzer der Brautschauenden kämen nicht nur aus Berlin und Umgebung, sagt sie: „Sogar Leute aus Schleswig-Holstein und Bayern haben schon unser Angebot für ihre Tiere genutzt.“

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