Es war etwas zu klein, etwas zu schwach und verschluckte sich an der Milch von Mutter Tonja - mit tödlichen Folgen. Das vor einem Monat gestorbene Eisbären-Weibchen aus dem Berliner Tierpark hatte eine Lungenentzündung. Dies hätten Tierpathologen als Todesursache festgestellt, sagte eine Zoo-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Unmittelbar nach dem Tod war lediglich bekannt, dass das namenlose Jungtier dehydriert war, weil es über Stunden zu wenig getrunken hatte.
Das Eisbärenweibchen, das nur 26 Tage alt wurde, konnte nicht mehr gut trinken, weil mit der körperlichen Schwäche auch ein eingeschränkter Schluckreflex einhergehe, teilte der Tierpark am Freitag mit. Das Verschlucken an der Muttermilch komme häufig vor bei geschwächten Jungtieren. Auswertungen von Bildern der Überwachungskamera aus dem Stall hätten ergeben, dass das Tier am Morgen des 1. Januar noch ein letztes Mal kurz bei der achtjährigen Tonja trank. Am Folgemorgen war es tot.
Eisbärin Tonja verlor zum zweiten Mal ihr Baby
Die Nachricht war ein erneuter Schlag für den Tierpark, nachdem Tonja im Jahr zuvor bereits ihren ersten Wurf verloren hatte. Eisbär Fritz wurde wegen Leberversagens nur wenige Monate alt. Wie es dazu kam, ist allerdings ungeklärt, die Untersuchungen sind abgeschlossen.
Eisbär-Jungtier Fritz: Das Tier starb mit vier Monaten.
© tierpark Berlin
Tierschützer hatten mit heftiger Kritik an der Eisbärenzucht in Zoos auf die beiden Todesfälle reagiert. Tierpark-Direktor Andreas Knieriem widersprach jedoch den Vorwürfen, wonach Eisbären in Zoos nicht artgerecht gehalten werden könnten. Der Tod sei bitter, aber wie bei der Aufzucht von anderen Tierarten könne in Zoos - wie in der Natur auch - viel passieren.
Die Eisbären von Zoo und Tierpark
Eisbär Knut war der Star vom Berliner Zoo. Am 5. Dezember 2006 kam er auf die Welt, wurde kurz danach von Menschenhand aufgezogen. Die Bilder von der Aufzucht des Eisbären-Babys gingen um die Welt. Zusammen mit seinem Ziehvater, dem Tierpfleger Thomas Dörflein, zog er das Interesse der Menschen auf sich. Rund ein Drittel mehr Besucher kamen. Allein 2007 machte der Berliner Zoo mit Knut über elf Millionen Euro Gewinn. Am 19. März 2011 starb der Eisbär an einer seltenen Gehirnentzündung. Drei Jahre forschten Experten, bis sie endgültig die Todesursache fanden.
Eisbär Fritz kam am 3. November 2016 im Tierpark zur Welt. Dank Bilder einer Überwachungskamera in der Wurfhöhle konnten Tier-Fans weltweit verfolgen, wie das Jungtier bei seiner Mutter Tonja aufwuchs. Fritz wurde nur vier Monate alt, starb am 7. März 2017 plötzlich an einer akuten Leberentzündung. Die Ursache dafür ist bis heute nicht geklärt. An der Untersuchung beteiligten sich Experten vom Institut für Wildtierforschung,
Nur 26 Tage wurde das namenlose Eisbären-Jungtier alt, das Eisbärin Tonja am 7. Dezember 2017 im Tierpark zur Welt brachte. Das Weibchen starb am 2. Januar 2018, weil es zu wenig Muttermilch trank.
Tierpark hofft auf neuen Eisbären-Nachwuchs
Auch jetzt sieht der Tierpark keinen Grund, warum sich Tonja und ihr sechs Jahre alter Partner Wolodja nicht erneut paaren sollten. „Tonja hat ihre Mutterrolle prima erfüllt, deshalb geben wir die Hoffnung auf ein gesundes Eisbären-Baby in Berlin nicht auf“, sagte Eisbärenkurator Florian Sicks. Bei Eisbären sei „jeder Nachwuchs ein Geschenk“. Tonja und Wolodja harmonierten gut und sind den Angaben zufolge seit Mitte Januar wieder gemeinsam auf der Außenanlage. Nur in den Tagen unmittelbar nach dem Tod des Jungtiers habe sich Tonja sehr ruhig verhalten und viel geruht.
Für den abseits der üblichen Touristenpfade gelegenen Tierpark im Berliner Osten war mit der Hoffnung auf Eisbärennachwuchs auch der Gedanke an einen Besucherzuwachs verbunden. Gleichwohl hatte Direktor Knieriem immer betont, keinen zweiten Hype wie einst bei Knut aus dem Zoo im Berliner Westen zu wollen. Knut war mit der Flasche aufgezogen worden.
Heute lässt man der Natur lieber ihren Lauf: „Die Erfahrungen aus der Eisbärenzucht in Zoos weltweit haben gezeigt, dass eine natürliche Aufzucht allein durch die Mutter das Beste für die Entwicklung eines Eisbären-Jungtieres ist“, sagte Florian Sicks. Eisbären kommen sehr unreif zur Welt - auch das sorgt für ein hohes Sterblichkeits-Risiko in den ersten Lebenswochen. (dpa/BLZ)
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