Berlin - Der Förderverein der Hauptstadtzoos macht die Arbeit der Geschäftsführung: Am Donnerstagabend lud er zum Zukunftsdialog über den Tierpark ins Schloss Friedrichsfelde ein. Denn die Anlage hat großen Erneuerungsbedarf. Mit wenig mehr als einer Million Besucher im Jahr hat er zu wenig Einnahmen – allein 2013 muss das Land Berlin 6,27 Millionen Euro zuschießen. Mit der Veranstaltungsreihe will der Verein mithelfen, dass die schon vor zwei Jahren vorgestellte Masterplanung 2020+ für den Tierpark endlich in Angriff genommen wird.
Vereinschef Thomas Ziolko ärgert der Stillstand. Deshalb wird er nun in regelmäßigen Abständen zur Diskussion über die Entwicklung einladen – Unternehmer, Sponsoren, Kooperationspartner. Als erstes waren jedoch die Bürger dran. Etwa 80 Menschen waren am Donnerstag gekommen. Etliche mit Ideen, die sich auch ohne viel Geld verwirklichen lassen wie Tierstimmen-CDs, die aufgenommen und verkauft werden könnten. Oder Plauderstunden fürs Publikum mit Pflegern, Tierärzten und Kuratoren.
Mehr kosten würde schon der Einsatz von Elektromobilen oder Kleinbussen, die durch den 160 Hektar großen Park fahren könnten – eine Erleichterung für Familien mit Kindern und Senioren. Auch die Parkbahn, die bisher nur stündlich verkehrt, sollte viertelstündlich fahren, kam aus der Runde. Diskutiert werden müsse auch über die Preise. Derzeit zahlt ein Erwachsener zwölf Euro, Kinder zwischen 5 und 15 Jahren sechs Euro. Für 2014 ist eine Erhöhung angekündigt. „Schon jetzt ist ein Besuch für Familien teuer“, sagte eine Frau. Sie sprach sich für Ferien- oder Urlaubstarife aus.
Unterstützt wurde sie von Danny Freymark, dem tierschutzpolitischen Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus. „Die ganze Tarifstruktur muss auf den Prüfstand.“ Freymark will, dass über Angebote für Jogger, Früh- und Spättarife und Rabatte nachgedacht wird. Erik Gührs, SPD-Fraktionsvorsitzender in Lichtenberg, regte eine Zusammenarbeit mit Tierschutzorganisationen und den Berliner Universitäten an. „Dabei sollte das Thema Artenschutz eine große Rolle spielen.“
Immer wieder fiel der Name Heinrich Dathe, populärer Begründer des 1955 eröffneten Tierparks. Beispielsweise als Rainer Bosse, Vorsteher des Lichtenberger Bezirksparlaments dazu riet, frühere Traditionen wieder aufzugreifen wie Patenschaften von Lichtenberger Handwerkern für Park und Tiere. Dathe war 1990 vom umstrittenen Zoo- und Tierparkchef Bernhard Blaszkiewitz abgelöst worden.
Dieser fehlte bei der Diskussion, er ist auf Dienstreise in Moskau. Seine Stellvertreterin Gabriele Thöne war in der vergangenen Woche überraschend zurückgetreten. Ziolko sammelte deshalb die Vorschläge der Besucher. Das Protokoll wird er Blaszkiewitz zukommen lassen – in der Hoffnung, dass sich endlich etwas tut.
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