Es kommt nicht besonders häufig vor, dass eine Entwicklungshilfeorganisation wie die GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) die Ausstellung eines bekannten Fotografen ausrichtet. Seit Dienstag aber ist im Berliner Kino am Bundesplatz die Schau „Fotografische Vermessung“ mit Bildern von Tim Page zu sehen. Page ist mit seinen Aufnahmen im Vietnamkrieg bekannt geworden. Die GIZ hat ihn nun damit beauftragt, Menschen zu porträtieren, die Teil des Landreformprojekts der kambodschanischen Regierung sind. Es ist ein Projekt, das mit Hilfe der GIZ durchgeführt wird.
Viele Menschen leben in Kambodscha in quälender Unsicherheit, weil die Landrechte nicht geklärt sind. Während der Diktatur der Roten Khmer sind Grundbücher vernichtet, ist der gesamte Boden zu Gemeinschaftseigentum erklärt worden. Und so gehören Landkonflikte zu den drängendsten Problemen des kleinen südostasiatischen Staats. Immer wieder gibt es gewaltsame Räumungen, bei denen die Regierung Agrarkonzerne oder Investoren unterstützt, Menschen zu vertreiben, damit eine Zuckerrohrplantage entstehen oder ein Bürohaus gebaut werden kann. Die Landräuber gehören oft der regierenden Kambodschanischen Volkspartei unter Premierminister Hun Sen an. Viele Menschen sind von ihnen ins Elend gestürzt worden.
Tim Page ist bei seiner Arbeit von dem in Phnom Penh lebenden deutschen Filmemacher Nico Mesterharm begleitet worden. Dieser hat auch die die Ausstellung flankierende Dokumentarfilmreihe kuratiert. Die GIZ präsentiert in Berlin mit Pages Hilfe eine Erfolgsgeschichte. Man sieht ein Bild des Bauern Beng Nourch, der eine Bananenstaude in der Hand hält, man sieht die Benzinverkäuferin Sin Sina, die Schneiderin Peng Votha. Man erfährt von ihrer Dankbarkeit angesichts der Sicherheit, ein Stück Land zu besitzen, von dem sie niemand mehr vertreiben kann. Tatsächlich sind mehr als zwei Millionen private Landtitel mit Hilfe der GIZ ausgestellt worden.
Kritiker bemängeln jedoch, dass von dem Projekt vor allem diejenigen profitieren, die in Gebieten leben, an denen Investoren oder Spekulanten wenig Interesse haben, die also auf die Sicherheit, die ein Grundbucheintrag mit sich bringt, nicht so sehr angewiesen sind. Auch kann man fragen, was ein Landtitel in Kambodscha noch wert ist, wenn ein Mächtiger das Land für sich beansprucht. Die GIZ antwortet auf solche Einwände, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen. Vielleicht ist das so. Doch warum ist in Berlin nur von den „messbaren Wirkungen bei der Zielgruppe“ die Rede, dem Erfolg also? So wirkt das Programm wie eine Propagandaveranstaltung.
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