Irene Ivancan nestelte an ihrem Verband, der ihren rechten Oberschenkel fest umschloss. Die Zweite der Tischtennis-Europameisterschaften von 2011, Olympiastarterin in London und Spitzenspielerin von Bundesligist TTC Berlin Eastside, war sauer. Ihr Team hatte gerade am ersten Spieltag der neuen Saison in eigener Halle das Spitzenspiel gegen den Meister FSV Kroppach deutlich mit 2:6 verloren. Ivancan musste wegen einer Zerrung das Duell gegen die Nummer eins der deutschen Rangliste, Wu Jiaduo, kurzfristig absagen – der Punkt ging kampflos an Kroppach.
Es war nicht der einzige Nachteil für die Champions League-Sieger aus Berlin. Zuvor war ihre Nummer vier in der Hierarchie, die Russin Polina Mikhailova wegen einer Mandelentzündung ausgefallen und der TTC Eastside musste in seiner Not die eigene Trainerin reaktivieren. Irina Palina, 42, hielt sich achtbar nach drei Jahren ohne Wettkampfpraxis, konnte aber im Einzel keine Punkte ergattern.
Irene Ivancan, 29, aber war nicht zuvorderst wegen dieser Umstände frustriert, sondern wegen der Tatsache, dass schon nach dem ersten Spieltag die Chance auf den Meistertitel beinahe dahin ist. Die „nicht nachvollziehbare Ansetzung“, so Eastside-Präsident Alex Teichmann, war daran schuld. „Zwei Topteams am ersten Spieltag gegeneinander spielen zu lassen, nimmt beim großen Leistungsgefälle in der Liga jegliche Spannung an der Spitze“, monierte Ivancan.
Forderung nach Play offs
Da man davon ausgehen kann, dass Eastside und Kroppach nur noch wenige Punkte in der Neunerliga verlieren, ist schon eine Vorentscheidung gefallen. „Man sollte sich Gedanken machen über den Spielplan und den Modus“, fordert Ivancan, „Playoffs wie bei den Männern oder eine kleinere Liga mit einer doppelten Runde wären gut.“ Auch Teichmann sagte: „Playoffs wären der Spannung sicher förderlich.“
Der Spielplan der Bundesliga, sportlich eine der besten Ligen in Europa, mutet vor allem zuschauerfeindlich an. Die Heimspiele liegen oft drei oder vier Wochen auseinander. WM und EM (Einzel und Mannschaft), Champions League, Top 12 und German Open – die Zahl der Wettbewerbe nimmt immer noch zu und die Bundesliga als Basis wird zum Nebenprodukt. „Dabei werden alle Spielerinnen von ihren Vereinen finanziert“, sagte Teichmann. Ivancan aber stöhnte: „Im Tischtennis gibt es keine Pause!“
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