Tödlicher Angriff mit Baseballschläger in Berlin-Britz: 21-Jähriger freigesprochen - Tumult um Clan-Chef

Mehr als zwei Jahre nach einem tödlichen Angriff auf einen 43 Jahre alten Mann in Britz ist ein 21-Jähriger vom Vorwurf des Mordes freigesprochen worden. Dabei handelt es sich um den damals 18 Jahre alten Ismail R. aus einer polizeibekannten arabischen Großfamilie. Ein Tatnachweis habe sich nicht führen lassen, begründete das Landgericht am Mittwoch die ...

BLZ
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Berlin - Mehr als zwei Jahre nach einem tödlichen Angriff auf einen 43 Jahre alten Mann in Britz ist ein 21-Jähriger vom Vorwurf des Mordes freigesprochen worden. Dabei handelt es sich um den damals 18 Jahre alten Ismail R. aus einer polizeibekannten arabischen Großfamilie. Ein Tatnachweis habe sich nicht führen lassen, begründete das Landgericht am Mittwoch die Entscheidung.

Nach Verkündung des Freispruchs kam es zu einem Tumult im Gerichtssaal. Der als Chef des Clans geltende Vater des Angeklagten, Issa R., beschimpfte den Staatsanwalt lautstark – weil sein Sohn seit Oktober 2017 unschuldig in Untersuchungshaft gesessen habe. Issa R. ließ den Staatsanwalt wissen: „Ich kenne Sie!“ Schließlich drängten Angehörige und Justizwachtmeister den Mann auf den Flur.

Angriff auf das Opfer erfolgte mit „ungeheurer Brutalität“

Der Staatsanwalt, der achteinhalb Jahre Jugendstrafe wegen Totschlags gefordert hatte, kündigte Rechtsmittel an. Die Anklage war davon ausgegangen, dass der damals 18 Jahre alte Angeklagte den Mann aufgelauert hat, nachdem dieses zwei Kinder zur Schule gebracht hatte.

Nach den Ermittlungen der Polizei wurde dem Opfer ein Baseballschläger mit „ungeheurer Brutalität“ vor allem auf den Kopf geschlagen. Das Opfer starb, trotz der Reanimationsversuche eines Notarztes, vor seinem Wohnhaus am Neumarktplan.

Hintergründe des Mordes sollen laut Polizei ein nicht zurück gezahlter Kredit sowie Immobiliengeschäfte gewesen sein. Ismail R. wurde fünf Monate später in Kreuzberg festgenommen. Er war in einem Auto unterwegs, als ihn Zielfahnder und Beamte eines Mobilen Einsatzkommandos festnahmen.

Staatsanwaltschaft geht von mehreren Mittätern aus

Die Tötung des aus einer anderen arabischen Großfamilie stammenden 43-Jährigen sei eine brutale und menschenverachtende Tat, hieß es im Urteil. In dem 14-monatigen Prozess sei es aber mangels geeigneter Beweismittel nicht möglich gewesen, das Verbrechen im Einzelnen aufzuklären. Wesentliches Indiz sei eine minimale DNA-Mischspur gewesen, die an der Hosentasche des Opfers sichergestellt wurde. Zeugen hätten geschildert, dass die Täter Handschuhe trugen. Die Spur könnte durch eine Übertragung an die Tasche gekommen sein.

Die Staatsanwaltschaft geht von mehreren Mittätern aus. Wie weit die Ermittlungen gegen sie reichen, blieb bei dem Verfahren zunächst unklar. Die Richter sahen am Mittwoch zwar bei der Urteilsverkündung einige Indizien, zumindest Hinweise auf die Familie des 21-Jährigen, nicht aber auf ihn selbst. Für die Untersuchungshaft seit Oktober 2017 sei der Angeklagte zu entschädigten, so das Gericht.

Der Prozess gegen den Angeklagten hat im Mai vergangenen Jahres begonnen. Ein Urteil war bereits für den Herbst desselben Jahres erwartet worden. Doch der Prozess zog sich hin. Die zuständige Jugendkammer wurde über Monate mit Problemen konfrontiert, die bei Verfahren im Bereich der organisierten Kriminalität ständig auftreten, berichteten Prozessbeobachter. (BLZ) 

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