Die schönen Fotos, auf denen Rosen an Soldaten übergeben werden, stellen nur den Propagandablick auf das neue Thailand dar. In der Diktatur von General Prayuth Chan-ocha darf nichts passieren, was verboten ist – deshalb ist die Wahrheit in dem südostasiatischen Königreich derzeit die Ausnahme. Zudem ist es wegen der Lage kompliziert, den Sicherheitsratschlägen von Botschaften zu folgen. Es ist beispielsweise unmöglich, sich von Menschenansammlungen fern zu halten, die plötzlich und spontan irgendwo in der Hauptstadt oder in den Städten im Norden Thailands abgehalten werden – genau das rät das Auswärtige Amt derzeit in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen. Vorsicht ist zudem geboten, weil die Armee teilweise mit Lautsprechern Stimmung gegen Ausländer macht und ihnen vorwirft, Proteste gegen die Putschisten zu organisieren.
Zahl der Besucher eingebrochen
Seit dem Staatsstreich am vergangenen Donnerstag ist immer noch unklar, ob Ausländer an den Grenzübergängen einreisen können. Der Grenzposten Chong Mek an der Grenze zu Laos war Anfang der Woche völlig von der thailändischen Armee abgeriegelt. An den meisten Übergängen sollen Ausländer aber angeblich das Königreich verlassen können. Die Zahl der Thailand-Besucher ist seit vergangener Woche um 20 Prozent eingebrochen.
Flugzeuge kommen leer an und fliegen voll weg. Die Flughäfen sind offen. Aber wer während der Sperrstunde, die seit Mittwoch im ganzen Land nur noch von Mitternacht bis vier Uhr morgens herrscht, ankommt oder abfliegt, sollte für Kontrollen sein Flugticket bereit halten. Zudem ist reichlich Bargeld angeraten, denn je näher die Sperrstunde rückt, desto höher klettern die Taxipreise. Auf Drängen der thailändischen Fremdenverkehrsbranche überlegt die Militärjunta, die Ausgangsperre in Touristengebieten aufzuheben. Aber noch ist unklar, wie dies in der Praxis aussehen soll.
Gerade im Norden und Nordosten Thailands, wo die Militärherrscher die meisten Demokratieanhänger vermuten und wo die 2011 gewählte und nun gestürzte Regierung ihre Bastionen hatte, scheint ein Aufheben der Ausgangssperre unwahrscheinlich. „Hier ist es viel schlimmer als in Bangkok“, berichtete eine Universitätsdozentin in Chiang Mai, einer 150 000-Einwohner-Stadt in Nord-Thailand. Die Frau ist aus Furcht untergetaucht.
Das Militärregime verfolgt nicht nur vermeintliche Anhänger der gestürzten Regierung, es macht außerdem Jagd auf missliebige Intellektuelle. Buchläden in Bangkok mussten auf Geheiß der Generäle Bücher aus den Regalen entfernen. In Chiang Mai durchsuchten Soldaten den Buchladen „Book re:Public“, in dem sonst viele Podiumsdiskussionen stattfinden. Zudem besteht im Norden Thailands das Risiko, in bewaffneter Aktionen der sogenannten „Friedenstruppe“ zu geraten. Die Armee-Greiftrupps sollen angebliche Untergrundzellen im Norden ausheben.
Relativ ruhig geht es dagegen in den klassischen Strandregionen Thailands zu. In diesen Gebieten unterstützt die Bevölkerung weitgehend den Staatsstreich. Allerdings sollten Touristen einen großen Bogen um die Städte Yala, Narathiwat, Pattani und Teile von Songkhla im Süden des Landes schlagen. Dort reagierten malaiische Untergrundbewegungen mit massiven Anschlägen auf den Staatsstreich im fernen Bangkok.
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