Touristen entdecken Körper

Puppe auf dem Eis sorgt für Rettungseinsatz

Eine auf einer Eisscholle in der Spree treibende Puppe hat am Sonnabend an der Schillingbrücke in Friedrichshain-Kreuzberg zu einem Einsatz der Polizei und Feuerwehr geführt. Die Verursacher sollen nun dafür zahlen.

Lutz Schnedelbach
3 Min
Auf solch einer Eisscholle lag am Sonnabend die Puppe.

Auf solch einer Eisscholle lag am Sonnabend die Puppe.

© reuters/HANNIBAL HANSCHKE Lizenz

Für ein Paar aus der Schweiz sorgte der Einsatz bis zum Mittag für Gesprächsstoff. Kurz nach sechs Uhr war für die beiden Touristen aus Zürich die Nacht in ihrem Hotel an der Spree zu Ende. Mehrer Blaulichter und eingeschaltete Martinshörner von Polizeiautos und Feuerwehrwagen hatten das Paar in ihrem Zimmer in der Nähe der Schillingbrücke geweckt. Die etwa 75 Meter lange und 23 Meter breite Ziegelgewölbebrücke liegt zwischen der Oberbaumbrücke im Osten und der Michaelbrücke im Westen.

Regungslos auf der Scholle

Das Paar aus der Schweiz lief auf die Straße und sah in der Dunkelheit die Konturen eines Menschen, der in der Spree trieb. Er lag regungslos auf einer Eisscholle. Die Touristen verfolgten, wie die Polizisten versuchten, den im Wasser treibenden Mann an Land zu ziehen. Sie habe sich gewundert, dass die Rettung nicht schneller vonstatten gehe, sagte die Frau aus Zürich. Alles sei so behäbig gewesen. Schließlich sei es für sie um Leben oder Tod gegangen. Sie wusste nicht, dass es gar kein Mensch war, der auf der Scholle trieb. Später lächelte sie über diese Bemerkung. Und ihr Mann konnte sich das Lachen nicht verkneifen. Statt eines Menschen lag eine Puppe auf der Scholle, die sich mehr und mehr auflöste. Die Puppe war ungefähr 1,75 Meter groß und bekleidet mit blauen Jeans, einem langärmeligen T-Shirt sowie dunklen Schuhen. Die Beine der Puppe waren mit Stöcken stabilisiert und mit Luftpolstern versehen, damit sie nicht im Wasser untergeht.

Unklar ist, wem die Puppe gehört und wie sie in die Spree gelangte. Solche Scherze seien nicht lustig, hieß es am Sonntag im Polizeipräsidium. Dort werde versucht, den Täter zu fassen, sagten Fahnder. Wenn es gelingt, muss er mit einer deftigen Rechnung für den Einsatz rechnen. Er könne froh sein, dass die Taucher nicht ausgerückt seien, sagte ein Beamter. Für solche Fälle nutzt die Wasserschutzpolizei Möglichkeiten zur Menschenrettung von Land aus. Dafür steht in der Wache am Neuen Ufer ein Sprinter-Transporter bereit, in dem allerlei Rettungsgeräte verstaut sind. Darunter befindet sich auch ein Wurfdraggen.

Piratengerät zum Kapern

Das ist ein ankerähnliches Hakengestänge, das Piraten früher zum Kapern von Schiffen benutzt haben. Der Anker ist an einem 25 Meter langen Seil befestigt. Damit wurde die Puppe an Land gezogen und geborgen. Nach dem Einsatz warnte die Polizei, wegen des zu erwartenden Temperaturanstiegs auch kleinste Eisflächen nicht zu betreten. „Das ist lebensgefährlich“, so Pressesprecher Michael Merkle.

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