Von der Tribüne der Trabrennbahn Karlshorst hat Bernhard Fliss den besten Blick auf das Geläuf. Mitten in der Woche ist viel Betrieb. Der Rasen bekommt eine Kur, die Sträucher werden zurückgeschnitten und die Wege begradigt. Mitte Juli dann sollen Lastwagen nagelneue Zuschauerränge und Zelte bringen. Bislang laufen alle Vorbereitungen nach Plan für die „Weltmeisterschaft der Islandpferde“, zu der im August bis zu 250 Teams in Karlshorst erwartet werden. WM-Projektleiter ist Bernhard Fliss.
Deutschlandweit gibt es 80.000 Islandpferde und Fliss’ Familie besitzt drei davon. Es ist eine kleine, robuste und kräftige Pferderasse. Selten überschreiten die Tiere das Stockmaß von 1,45 Meter. Eine üppige Mähne ist das Markenzeichen der auf Island gezüchteten Pferde, die fünf Gangarten haben: Galopp, Trab, Schritt, Tölt und Pass. Im Pass können sie bis zu 50 Stundenkilometer schnell sein, sagt Fliss.
Für die mehr als hundert Jahre alte Trabrennbahn Karlshorst ist die WM ein Glück. Denn die seit Jahren mit wirtschaftlichen Problemen kämpfende Rennbahn profitiert von der Veranstaltung. Gut 200 000 Euro werden am Ende in den Standort investiert, sagt Bernhard Fliss. Über ein Beschäftigungsprojekt erhalten Langzeitarbeitslose Jobs und helfen bei der Instandsetzung und Pflege der Grünanlagen. 10 000 Sommerpflanzen kommen demnächst noch in die Erde. Außerdem entstehen neue Trainingsbahnen.
Die Hotels in der Umgebung sind ausgebucht. Bereits jetzt sind mehr als 6 000 Dauerkarten verkauft. Allein aus Island werden 4 000 Besucher anreisen, darunter auch Mitglieder der Regierung. Neben den Prüfungen, bei denen es um Reitweise, Ausdruck, Haltung und Bewegung geht, präsentiert sich Island zur WM mit Sitten, Bräuchen und Produkten. Schulklassen bekommen die Chance, ihre Wandertage auf der Trabrennbahn zu unternehmen. „Das wird eine WM zum Anfassen“, verspricht Fliss.
Ausnahmezustand
Andreas Köhler, der Vorsitzende des Bürgervereins Karlshorst, sagt, es könnte noch mehr Werbung gemacht werden. Bislang interessiere sich die Öffentlichkeit kaum für die Islandpferde-WM. Viele Karlshorster wüssten gar nicht, was da auf sie zukommt. „Der Einzelhandel und die Gastronomie sind darauf noch nicht vorbereitet.“ Aus diesem Grund sind Informationsveranstaltungen für Gewerbetreibende und Bürger geplant.
Projektleiter Fliss rechnet jetzt schon mit einer Art Ausnahmezustand in Karlshorst und hofft, dass viele Gäste mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen – denn Platz gibt es zwar reichlich auf der Trabrennbahn, aber nicht für Autos von Besuchern.
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