Es ist wie jedes Jahr: Die Polizei warnt in der Adventszeit vor Trickdieben. Alleinstehende Senioren seien neben Besuchern von Weihnachtsmärkten besonders betroffen, heißt es. Die Täter und Täterinnen geben sich vermehrt als Paketboten aus oder erfinden weitere Legenden, um in die Wohnungen betagter Menschen zu gelangen.
Der Fall einer 76-jährigen Neuköllnerin ist ein exemplarisches Beispiel dafür, mit welchen Methoden vor allem osteuropäische Banden vorgehen. Karin P. war am Dienstagnachmittag in ihrem Wohnhaus am Bruno-Taut-Ring von einer unbekannten Frau angesprochen worden. Wie die Polizei bestätigte, hatte die Täterin gleich mehrere schauspielerische Maschen angewandt.
„Die Verdächtige wollte Hilfsbereitschaft vortäuschen“
Es begann im Hausflur. Karin P. stand mit ihrem Einkaufsroller vor den Briefkästen im Erdgeschoss. Die etwa 30 bis 40 Jahre alte Unbekannte nutzte die Gelegenheit, um ins Haus zu kommen. Sofort habe sie sich den Einkaufsroller gegriffen und gefragt, ob sie die Tasche in ihre Wohnungen tragen könne.
Ermittler sprechen hier vom Taschenträger-Trick. „Die Verdächtige wollte Hilfsbereitschaft vortäuschen“, heißt es vom Präventionsteam für Seniorensicherheit der Berliner Polizei. Die Mieterin fühlte sich zwar überrumpelt, aber die Unbekannte ließ partout nicht von ihrem Vorhaben ab – bis beide vor der Wohnungstür im zweiten Obergeschoss standen.
Karin P. öffnete diese allerdings erst, als die Frau mit dem Vorwand, einen Nachbarn der Rentnerin zu besuchen, weiterging. Sie erinnerte sich an den Rat der Polizei, Fremde niemals in die Wohnung zu lassen.
Die Rentnerin durchschaute das Schauspiel
„Ein paar Minuten danach klingelte die Frau an meiner Wohnungstür und fragte, ob ich eine Tüte für ihr Paket hätte. Das wollte sie meinem Nachbarn geben“, so die 76-Jährige. Der sei angeblich nicht zu Hause. Karin P. schloss die Tür und holte eine Tüte. Auf die Frage nach der Tüte folgte die Bitte, einen Zettel zu bekommen, um eine Nachricht für den Nachbarn zu hinterlassen. Anschließend wollte die fremde Frau einen Stift.
Da die Rentnerin auch dieses Mal die Haustür schloss, fragte die Frau nun, ob sie die Toilette benutzen könne. Karin P. hatte das Schauspiel durchschaut und rief, dass sie verschwinden solle. Die mutmaßliche Trickdiebin folgte der Anweisung – wohl auch aus Angst, ein anderer im Haus könnte etwas gehört haben.
Trickdiebstahl in Wohnungen: 86 Tatverdächtige im vergangenen Jahr
Dieser Einzelfall ist nur ein Beispiel von vielen. Die Täter geben auch vor, Polizisten oder Mitarbeiter von Kirchen, Krankenkassen oder Rentenversicherungen zu sein. Andere täuschen eine Notlage vor. Sie meinen dann, dringend telefonieren zu müssen.
Was den Trickdiebstahl in Wohnungen betrifft, konnte die Berliner Polizei im vergangenen Jahr 86 Tatverdächtige ermitteln, davon 33 weibliche. „Bei den ermittelten Verdächtigen handelt es sich überwiegend um Angehörige der Volksgruppe der Sinti und Roma“, heißt es in der Kriminalstatistik 2017. Diese Familienclans leben mittlerweile seit Jahren in Deutschland und besitzen größtenteils die deutsche Staatsangehörigkeit.
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