Trotz eines von US-Präsident Donald Trump vermittelten Waffenstillstands spitzt sich der Grenzkonflikt zwischen Kambodscha und Thailand offenbar weiter zu. Kambodschas Premierminister Hun Manet erklärte gegenüber Reuters, thailändische Truppen besetzten weiterhin kambodschanisches Territorium. Er forderte Bangkok auf, eine gemeinsame Grenzkommission arbeiten zu lassen.
In seinem ersten Interview mit internationalen Medien sagte Hun Manet der Nachrichtenagentur, thailändische Soldaten hätten Schiffscontainer und Stacheldraht auf Gebiet errichtet, das selbst Thailand lange als kambodschanisch anerkannt habe. Bewohner könnten nicht in ihre Häuser zurückkehren. „Das ist keine Anschuldigung, sondern eine Feststellung der Tatsachen vor Ort“, so der kambodschanische Regierungschef.
Thailand bestreitet die Vorwürfe und erklärt, die Truppenpositionen seien Teil vereinbarter Deeskalationsmaßnahmen.
Waffenstillstand bleibt fragil
Der schwerste Grenzkonflikt zwischen beiden Ländern seit mehr als einem Jahrzehnt war im Juli vergangenen Jahres ausgebrochen. Hunderttausende Menschen wurden vertrieben, der Handel entlang der 817 Kilometer langen Grenze kam zum Erliegen. Ein im Oktober unter Vermittlung von Trump und Malaysias Premierminister geschlossenes Friedensabkommen scheiterte innerhalb weniger Wochen. Erst am 27. Dezember trat eine neue Waffenruhe in Kraft.
Hun Manet bezeichnete die Lage an der Grenze als „fragil“. Er reiste diese Woche nach Washington, um an einem Treffen von Trumps sogenanntem „Board of Peace“ teilzunehmen – einem Gremium, das ursprünglich für den Gaza-Friedensplan geschaffen wurde, aber laut Trump eine breitere Rolle zur Lösung internationaler Konflikte übernehmen könnte. Hun Manet äußerte die Erwartung, dass das Gremium zur Deeskalation beitragen könne.
Kambodscha könne keine „Verletzung unserer Souveränität oder territorialen Integrität“ hinnehmen, betonte der Premier. Der einzige Weg zur Klärung führe über die gemeinsame Grenzkommission (JBC), die auf Grundlage bestehender Verträge arbeiten solle.
Thailand habe bislang seine Parlamentswahl vom 8. Februar als Grund angeführt, die Grenzziehungsarbeiten nicht aufzunehmen. Thailands Premierminister Anutin Charnvirakul hatte im Wahlkampf auf eine nationalistische Welle im Zuge des Grenzkonflikts gesetzt. „Die Wahl ist vorbei, wir erwarten, dass Thailand zumindest auf technischer Ebene mit Vermessungen und Demarkierungen in der Konfliktzone beginnt“, sagte Hun Manet.
Annäherung an Washington, Balanceakt mit Peking
Der 48-jährige Hun Manet, Absolvent der US-Militärakademie West Point, übernahm im Jahr 2023 die Macht von seinem langjährig regierenden Vater Hun Sen. Trumps Engagement im Grenzstreit hat die Beziehungen zwischen Washington und Phnom Penh aufgewertet, die zuvor jahrelang von einer Annäherung Kambodschas an China geprägt waren.
Hun Manet betonte nun laut Reuters, die Beziehungen zu China und den USA schlössen sich nicht gegenseitig aus. Kambodscha habe „nichts zu verbergen“, auch nicht beim Marinestützpunkt Ream, der mit chinesischer Hilfe ausgebaut wurde. „Wir sind ein souveränes Land“, sagte er.
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