Ein Beamter aus dem engeren Umfeld von US-Präsident Donald Trump hat laut der Financial Times im Sommer vertrauliche Kreml-Gespräche in Russland geführt. Rodney Mims Cook Jr. leitet die US-Kommission der Schönen Künste und beaufsichtigt zugleich Trumps Ballsaal-Anbau am Weißen Haus.
Im Juni reiste er zu Wladimir Putins Wirtschaftsforum nach St. Petersburg – mit Diplomatenpass, ausführlichen Briefings und eigenem Personenschutzbegleitung, wie die Zeitung unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen berichtet.
Washington habe gehofft, dass unerwartete Gesandte wie Cook die diplomatische Blockade im Ukraine-Krieg aufbrechen könnten, sagten zwei Quellen der Zeitung.
USA erstmals seit 2018 wieder bei „Putins Davos“
Cook sei der erste US-Vertreter seit 2018, der das St. Petersburger Wirtschaftsforum besucht habe, schreibt die Financial Times. Die Veranstaltung wird auch „Putins Davos“ genannt.
Ein Jahr später, 2019, hatten die USA das Forum aus Protest gegen die Festnahme eines prominenten amerikanischen Geschäftsmanns boykottiert und blieben wegen des Angriffs auf die Ukraine fern.
Was Cook im Kreml besprochen haben soll
Bei dem Forum traf Cook offenbar Kreml-Vertreter, darunter Anton Kobyakow, einen ranghohen Berater Putins, berichtet die Financial Times unter Berufung auf eine mit dem Vorgang vertraute Person.
Cook selbst wollte sich weder zu den Treffen äußern noch dazu, ob Trump ihn um die Kontaktaufnahme gebeten habe. „Es gibt viele Anfragen. Wir arbeiten gerade daran“, sagte er gegenüber dem Blatt.
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Rubio „nicht informiert“: Reaktionen aus Washington
US-Außenminister Marco Rubio hatte im Juni noch erklärt, er sei über die Delegation nach St. Petersburg „nicht informiert“. Ein US-Vertreter betonte nun, Cook habe das Forum als Kommissionsvorsitzender besucht, um die kulturellen Beziehungen zu vertiefen.
Ein Vertreter des Weißen Hauses teilte der Financial Times mit, die USA spielten „weiterhin eine konstruktive Rolle“ und sprächen mit beiden Seiten, um den Krieg zu beenden; Trump sei „optimistisch“, einen Friedensschluss zu erreichen.
Datscha in Atlanta und ein Hockey-Puck für Trump
Cook präsentierte den Aufenthalt als kulturellen Besuch. Bei einem Panel mit dem Titel „Russland-USA: Dialog der Kulturen“ zeigte er Fotos seiner eigenen „Datscha“ in Atlanta, errichtet in der russischen Holzbauweise, „die mein Herz über die Jahrzehnte berührt hat“.
Die Runde ranghoher russischer Vertreter, von denen einige unter US-Sanktionen stehen, „umfasste die meisten meiner alten Freunde“, sagte er der Financial Times.
Bei einer Fragerunde richtete Cook dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nach eigener Darstellung „einen herzlichen Gruß von Ihrem Freund, Präsident Trump“ aus. Putin habe geantwortet, er spiele „den Puck zurück“. Cook legte daraufhin einen Hockey-Puck auf den Resolute Desk im Oval Office – „sehr zur Belustigung von Präsident Trump“.
Schostakowitsch als Argument für eine Waffenruhe
Während seines Aufenthalts habe er die private Aufführung der 7. Sinfonie des sowjetischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch durch ein 150-köpfiges Orchester erbeten, sagte Cook. Das Werk entstand während der Belagerung Leningrads durch NS-Deutschland.
Cook zog eine Parallele zu seiner im US-Bürgerkrieg zerstörten Heimatstadt Atlanta. „Das ist eines der Dinge, die ich dort zu besprechen begann... Lassen Sie uns Musik als Anlass für eine Waffenruhe nutzen, diesen Krieg beenden und einen Vertrag wirklich festigen“, sagte er der Financial Times.
Wie es um die Ukraine-Diplomatie steht
Die offizielle Diplomatie kommt bislang kaum voran. Wie die New York Times berichtete, arbeiten Frankreich, Deutschland und Großbritannien an einem Format für künftige Verhandlungen, weil sie fürchten, von Trump übergangen zu werden. Ein Zeichen ernsthafter Verhandlungsbereitschaft Putins erkennen die von der Zeitung zitierten europäischen Vertreter derzeit nicht.
Offiziell bleibt Moskau ebenfalls zurückhaltend. Russlands Vize-Außenminister Michail Galusin schloss kürzlich in einem Tass-Interview offizielle Gespräche mit Berlin über die Ukraine aus – verwies aber auf fortlaufende informelle Kontakte.
Geheimtreffen von Ex-Beamten in Wien und Baku
Genau auf dieser inoffiziellen Ebene soll es zuletzt mehrere Zusammenkünfte gegeben haben. Frühere hochrangige Vertreter aus Russland, Deutschland, Frankreich und Großbritannien hätten sich im Juli in Wien getroffen, um Bedingungen für Friedensverhandlungen auszuloten, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise. Das deutsche Auswärtige Amt erklärte, es habe „keine Kenntnis“ von den Gesprächen.
Zuvor hatte der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew neben Bundeskanzler Friedrich Merz von einem ähnlichen Treffen ehemaliger russischer und deutscher Regierungsvertreter in Baku gesprochen. Merz erklärte, er habe keine Kenntnis davon.
Solche Zusammenkünfte gelten als Track-2-Diplomatie: Frühere Amtsträger loten dabei ohne offizielles Mandat Lösungswege aus, deren Ideen später in Regierungskanäle zurückfließen können.
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