US-Präsident Donald Trump hat in der vergangenen Woche bei einer Kabinettssitzung sein Impfprogramm Operation Warp Speed als „eine der größten Errungenschaften überhaupt“ gefeiert. Am Donnerstag jedoch musste sein Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. im US-Senat heftige Kritik für seine impfpolitischen Entscheidungen einstecken – und zwar von Demokraten als auch von Republikanern.
In einer mehrstündigen Anhörung des Finanzausschusses warfen ihm Senatorinnen und Senatoren aus beiden Parteien vor, den Zugang zu Corona-Impfungen eingeschränkt und Kritiker der Pharmaindustrie in wichtige Gremien berufen zu haben. Selbst Republikaner äußerten Zweifel. Der Arzt und Senator Bill Cassidy (Louisiana) erinnerte an die Erfolge von Operation Warp Speed und fragte Kennedy, ob Trump dafür nicht sogar einen Nobelpreis verdiene. Kennedy stimmte zu – doch Cassidy warf ihm daraufhin Widersprüche zu seiner bisherigen Impfpolitik vor.
Operation Warp Speed
- Start: Mai 2020, inmitten der Corona-Pandemie
- Ziel: Entwicklung, Produktion und Verteilung von COVID-19-Impfstoffen in Rekordzeit
- Partner: Zusammenarbeit zwischen US-Regierung, Pharmaunternehmen und Militär
- Ergebnis: Binnen weniger Monate Zulassung mehrerer Impfstoffe, darunter die mRNA-Präparate von Pfizer/BioNTech und Moderna
- Bilanz: Millionen verabreichte Dosen schon Ende 2020; gilt parteiübergreifend als eine der erfolgreichsten Initiativen der Trump-Regierung
- Kritik: Trotz des Erfolgs wächst in Trumps Lager eine impfkritische Bewegung. Viele Anhänger misstrauen den mRNA-Impfstoffen, was Trump selbst in eine widersprüchliche Position bringt: Er reklamiert den Erfolg von Operation Warp Speed, betont aber zugleich seine Ablehnung von Impfpflichten.
Trumps Parteifreund John Barrasso: „Impfstoffe wirken“
Auch Trumps Parteifreund John Barrasso (Wyoming), ebenfalls Mediziner, warnte: „Wenn wir Amerika wieder gesund machen wollen, dürfen wir die öffentliche Gesundheit nicht untergraben. Impfstoffe wirken.“
Besonders scharf griff Senator Bernie Sanders (Vermont) Kennedy an. Er warf dem Gesundheitsminister vor, das Vertrauen in führende Ärzteverbände zu untergraben. „Zu behaupten, dass die American Medical Association oder die Kinderärzte alle korrupt seien, nur weil sie anderer Meinung sind, ist eine Beleidigung“, sagte Sanders. Kennedy verteidigte sich und verwies auf den Einfluss der Pharmaindustrie.
Das Weiße Haus stellte sich demonstrativ hinter Kennedy. Sprecher Kush Desai warf den Demokraten vor, künstlich einen Keil zwischen Präsident Trump und seinen Minister treiben zu wollen. Trump selbst sagte, er habe die Anhörung nicht verfolgt, Kennedy „meine es sehr gut“ und er schätze, dass er „anders“ sei.
Operation Warp Speed war 2020 ins Leben gerufen worden, um innerhalb weniger Monate Impfstoffe gegen Covid-19 zu entwickeln und zu verteilen. Das Programm gilt parteiübergreifend als Erfolg – auch wenn sich innerhalb der Republikaner inzwischen eine wachsende impfkritische Strömung etabliert hat.
Trump fordert Beweise für Wirksamkeit von Corona-Impfstoffen
Trump hatte nun aber Anfang der Woche Pharmaunternehmen dazu aufgefordert, Beweise für den Erfolg ihrer Medikamente zur Behandlung von Corona-Infektionen vorzulegen. Es gebe laut Trump keine Einigkeit bei der Frage, ob und wie viele Leben die Medikamente gerettet hätten. „Ich will die Antwort, und zwar jetzt“, forderte Trump in einem Beitrag auf seinem Onlinedienst Truth Social.
„Mir wurden Informationen von Pfizer und anderen Unternehmen vorgelegt, die außergewöhnlich sind, aber sie scheinen diese Ergebnisse nie der Öffentlichkeit zu präsentieren“, kritisierte Trump. Pharmaunternehmen würden zusehen, wie sich „alle gegenseitig zerreißen, darunter Bobby Kennedy Jr. und die CDC, um herauszufinden, ob die Arbeit der Pharmaunternehmen im Zusammenhang mit Covid erfolgreich war oder nicht“, hieß es weiter. Die CDC (Centers for Disease Control and Prevention) ist eine Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums.
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