Das Weiße Haus zieht offenbar in Betracht, die Chagos-Inseln im Indischen Ozean von Mauritius zu kaufen. Wie die britische Zeitung The Telegraph berichtet, könnte damit ein bereits ausgehandeltes Abkommen zwischen Großbritannien und Mauritius hinfällig werden.
US-Beamte erarbeiteten demnach einen Vorschlag, mit dem Washington an Großbritannien vorbei die Kontrolle über den gemeinsamen Militärstützpunkt Diego Garcia übernehmen könne, schrieb die Zeitung am Sonntag. Der Plan sei eine von mehreren Optionen, die das Weiße Haus als Alternative zu dem von Premierminister Keir Starmer geplanten Abkommen mit Mauritius prüfe.
Die Regierung in Mauritius erklärte derweil am Montag, sie habe bislang keinen entsprechenden Vorschlag aus Washington erhalten. „Bis heute wurde die Regierung weder direkt noch indirekt von der US-Regierung zu einer separaten Vereinbarung über Diego Garcia oder den Chagos-Archipel kontaktiert“, hieß es in einer von der Nachrichtenagentur Reuters verbreiteten Mitteilung am Montag. Die Souveränität über den Archipel sei „nicht verhandelbar“.
Der britische Staatsminister Hamish Falconer hatte im Mai erklärt, es gebe kein Szenario, in dem Washington die Inseln kaufen könne – die Regierung halte an dem ausgehandelten Abkommen fest.
Streit um strategisch wichtige Militärbasis
Ein US-Regierungsvertreter sagte Reuters, Präsident Donald Trump habe stets die Position vertreten, dass Großbritannien das Britische Territorium im Indischen Ozean nicht aufgeben solle. Die strategische Lage von Diego Garcia mache den Stützpunkt zu einer „lebenswichtigen und unverzichtbaren“ Militäreinrichtung für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten. Man stehe in regelmäßigem Austausch mit London, um die Nutzbarkeit der Insel als regionale Sicherheitsplattform zu erhalten. Im Februar hatte Trump die Vereinbarung als „großen Fehler“ bezeichnet.
Die britische Regierung hatte im April das Abkommen zur Übertragung der Souveränität an Mauritius daraufhin vorerst auf Eis gelegt. Ein Sprecher der britischen Regierung erklärte dazu laut Reuters, die Kontrolle über die Basis sei bedroht gewesen, weshalb Handlungsbedarf bestanden habe, um „unsere Gegner daran zu hindern, an einem strategisch so wichtigen Ort Fuß zu fassen“.
Welche Gegner er konkret meinte, sagte er nicht. Laut Telegraph befürchten ranghohe Mitglieder der Trump-Regierung, eine Übergabe der Gewässer an das „mit China verbündete“ Mauritius könne „Spionage auf See“ Tür und Tor öffnen. Auch wird auf den Iran-Krieg und Chinas wachsende Seemacht verwiesen, die Forderungen nach dem Erhalt strategischer Militärbasen befeuert hätten.
Großbritannien hatte Ende der 1960er und in den 1970er Jahren bis zu 2000 indigene Chagossianer zwangsweise umgesiedelt, um die Basis auf Diego Garcia zu errichten. Im vergangenen Jahr einigte sich London mit der früheren Kolonie Mauritius darauf, die Souveränität abzugeben und im Gegenzug jährlich 101 Millionen Pfund (rund 117 Millionen Euro) für die weitere Nutzung der Anlage zu zahlen.
Laut Telegraph wurde der Kaufplan dem US-Finanzminister Scott Bessent vorgelegt, der ihn an Trump weitergeleitet habe. Ein Preis sei bislang nicht genannt worden.
Sipri-Bericht 2026: Atomwaffen gewinnen weltweit an Bedeutung
Warum Keir Starmer zum unbeliebtesten Premier Großbritanniens wurde
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de