Zypern-Konflikt

Türkische Kampfjets sollen EU-Ministerflugzeuge bedrängt haben

Ein Vorfall in der Luft vor dem EU-Verteidigungsministertreffen auf Zypern sorgt für neue diplomatische Spannungen. Ankara weist die Vorwürfe zurück. Was soll geschehen sein?

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F16-Kampfjet der türkischen Luftwaffe

F16-Kampfjet der türkischen Luftwaffe

© Ali Atmaca/Anadolu/imago

Auf dem Weg zu einem informellen Treffen der EU-Verteidigungsminister auf Zypern sollen Flugzeuge mit Ministern aus Griechenland, Frankreich und den Niederlanden nach Angaben der zyprischen Regierung gestört worden sein. Die Türkei weist die Darstellung zurück.

Wie der Direktor des Pressebüros des zyprischen Präsidenten, Victor Papadopoulos, am Montag laut der griechischen Zeitung Ekathimerini mitteilte, hätten die Verteidigungsminister Griechenlands, Frankreichs und der Niederlande Nikosia über Funkstörungen vom Flughafen Tymbou im türkisch besetzten Norden der Insel informiert. Im Fall des griechischen Verteidigungsministers Nikos Dendias seien zudem türkische Kampfjets in der Nähe beobachtet worden, die parallel zu dessen Flug operiert hätten.

Auch nach Informationen des Portals Politico wurden zwei türkische F-16-Kampfflugzeuge gesichtet, die mindestens eines der Ministerflugzeuge bei Annäherung an Zypern in Distanz begleitet hätten. Betroffen gewesen seien auch die Maschine der französischen Streitkräfteministerin Catherine Vautrin sowie ein Flugzeug der niederländischen Delegation. Alle Maschinen seien sicher gelandet, berichtete die Zeitung Kathimerini Cyprus.

Papadopoulos kündigte an, Zypern werde den Vorfall vor internationalen Gremien zur Sprache bringen. Dendias werde die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sowie den Europäischen Rat unterrichten.

Ankara spricht von Luftraumverletzung

Das türkische Präsidialamt wies die Vorwürfe in einer Erklärung als „völlig falsch“ zurück. Vier der sechs aus Griechenland kommenden Flugzeuge hätten den Luftraum des türkisch besetzten Nordzyperns „verletzt“. Daraufhin seien zwei F-16-Jets „vorsorglich“ gestartet. Sie seien nicht in den zyprischen Luftraum eingedrungen, eine Bedrängung habe es nicht gegeben.

Kursad Hudaverdioglu, Vorsitzender der türkisch-zyprischen Fluglotsengewerkschaft, erklärte indes gegenüber der Zeitung Cyprus Mail, die F-16 seien „aufgrund eines Notfalls“ gestartet. Berichte über eine Verfolgung der EU-Maschinen seien „rein politisch motiviert“.

Frankreich und Zypern unterzeichnen Verteidigungsabkommen

Der Vorfall ereignete sich kurz vor der geplanten Unterzeichnung eines Streitkräfteabkommens zwischen Frankreich und Zypern in Nikosia. Die Vereinbarung soll den rechtlichen Rahmen für die Stationierung französischer Soldaten auf der Insel schaffen. Die türkisch-zyprische Verwaltung hatte das Abkommen bereits nach dessen Ankündigung im April für „null und nichtig“ erklärt.

Zypern ist seit 1974 geteilt, nachdem ein von griechisch-nationalistischen Putschisten ausgelöster Machtwechsel den damaligen Präsidenten stürzte und das Ziel verfolgte, die Insel an Griechenland anzuschließen. Der Einmarsch der türkischen Armee wenige Tage später führte zu einer dauerhaften Teilung.

Im Jahr 1983 rief die türkisch kontrollierte Nordhälfte die Türkische Republik Nordzypern aus, die international nur von der Türkei anerkannt wird. Die international anerkannte Republik Zypern, die den südlichen Teil kontrolliert, trat 2004 der Europäischen Union bei, obwohl die territoriale Teilung bis heute besteht. Zypern hat derzeit die alle sechs Monate rotierende EU-Ratspräsidentschaft inne.

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