Als seine Spielerinnen nach dem Sieg in Lyon singend durch das Stade Gerland hüpften, musste sich der Trainer erst einmal sammeln. „Ich kann es noch gar nicht fassen, so etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte Bernd Schröder – wohlgemerkt der Mann, der im stolzen Alter von 71 seit nicht weniger als 42 Jahren die Geschicke der Fußballerinnen von Turbine Potsdam lenkt. Nach einer imposanten Aufholjagd hatte Schröders junges Team den Favoriten Olympique Lyon im eigenen Stadion 2:1 (1:1) bezwungen und so noch den Einzug ins Viertelfinale der Champions League geschafft. Trotz des 0:1 im Hinspiel und des frühen Rückstandes durch Camille Abily (12.) steckte der deutsche Meisterschaftszweite nicht auf.
„Die Mannschaft hat, gerade nach dem frühen Gegentor, Charakter gezeigt“, sagte Schröder. Dank dieses Charakters, einer geschlossenen Teamleistung sowie eines umstrittenen Handelfmeters setzte Potsdam der beeindruckenden Serie der vermeintlichen Übermannschaft aus Frankreich, die seit sieben Jahren daheim nicht mehr verloren hatte, ein unerwartetes Ende. „Ein Elfmeter ist immer grausam. Dieses Spiel weckt schmerzhafte Erinnerungen an das Finale gegen Wolfsburg“, sagte die niedergeschlagene Abily zum verwandelten Strafstoß der Norwegerin Maren Mjelde (73.). Im Mai hatte Wolfsburgs Martina Müller im Endspiel in London ebenfalls per Elfmeter für den Sieg gesorgt.
Nach vier Finalteilnahmen in Serie und zwei Titeln verpasst das Star-Ensemble um die schwedische Stürmerin Lotta Schelin nun erstmals das Endspiel der Champions League. Bei den Potsdamerinnen dagegen lebt der Traum vom dritten Europapokal-Triumph nach 2005 und 2010 weiter.
„So etwas hatten wir selten“
Wegen des Zweitrunden-K.-o. im DFB-Pokal im September steht jetzt ein spielfreies Wochenende und danach wegen der WM-Qualifikation eine Länderspielpause auf dem Programm. Schröder blickt daher bereits auf die Auslosung am Donnerstag (14 Uhr) und hofft nach dem Coup von Lyon auf mehr Losglück: „Unser Ligarivale aus Wolfsburg müsste es nicht unbedingt sein.“ Der Triple-Gewinner hatte am Mittwoch souverän mit dem zweiten Sieg gegen den schwedischen Meister FC Malmö die Runde der letzten acht erreicht, die Ende März ausgespielt wird.
Neben Wolfsburg dürften Tyersö FF (Schweden) und der FC Arsenal (England) die ärgsten Widersacher sein. Doch die Wende von Lyon hat dem sechsmaligen deutschen Meister eine unermessliche Portion Selbstbewusstsein verliehen. „Wir sind bereit für jeden“, meinte Spielführerin Stefanie Draws, die den Ausgleich (33.) erzielt hatte. „Wir sind jetzt einer der Top-Favoriten“, befand Schröder und stimmte noch eine Lobeshymne auf sein Team an: „Wir haben eine Mannschaft, die von der Struktur und vom Charakter her einfach stimmt. So etwas hatten wir selten.“ Und wer sollte das besser einzuschätzen wissen als der altgediente Potsdamer Coach. (dpa)
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