Turbine Potsdam

Wandlung des Nörglers

Bernd Schröder scheint im Alter milde geworden zu sein. Der Trainer lobt seine Frauen-Elf von Turbine Potsdam überschwänglich und bescheinigt ihr Charakter.

Johannes Kopp
2 Min

Am Ende war sogar Bernd Schröder überrascht. Sensationell fand der Trainer von Turbine Potsdam den Auswärtserfolg (2:1) bei Olympique Lyon. Dabei hatte er vor dem Achtelfinale offensiv über das mögliche Weiterkommen gegen das beste europäische Frauenfußballteam der letzten Jahre spekuliert. Doch nach der Heimspielniederlage (0:1) schien die Situation in Lyon, wo Olympique seit 2005 keine Niederlage hinnehmen musste, selbst für Schröder, 71 Jahre alt, aussichtslos zu sein.

Es entsteht derzeit fraglos etwas ganz Besonderes in Potsdam. Und das hat nicht nur mit dem Überraschungscoup gegen Lyon zu tun. Wer in den letzten Wochen Schröder zuhörte, hat es schon zuvor bemerkt. Der notorische Nörgler ist auf seine alten Tage zum ständigen Schwärmer geworden. Und wenn er in Ekstase gerät, dann schwärmt er nicht vom flexiblen Kombinationsspiel, sondern er hebt immerzu den Charakter und die mannschaftliche Geschlossenheit seiner Spielerinnen hervor. Alte Schule eben, mehr Sepp Herrberger als Pep Guardiola.

Und dennoch leistet der konservative Coach in den letzten Jahren die größte Innovationsarbeit in der Frauenfußball-Bundesliga. Denn Besonderes entsteht in Potsdam Jahr für Jahr, weil in jedem Sommer wieder prominente Abgänge durch unbekannte Nachwuchskräfte ersetzt werden mussten. Auch vor dieser Saison verließen den Klub etwa mit der japanischen Weltmeisterin Yuki Ogimi und der Spielmacherin Patricia Hanebeck zentrale Akteurinnen den Klub.

Während Schröder allerdings in der Vergangenheit die eigenen Erfolge auf die Dämlichkeit der besser besetzten Konkurrenz zurückführte, und die mangelnde Mentalität im eigenen Kader beklagte, ist er neuerdings zum Fan seines Teams geworden. Schon lange, erklärte er vor einer Woche, habe er nicht mehr ein Team mit solch einem Charakter trainiert. Das durfte man durchaus als eine Warnung an die Konkurrenz verstehen.

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