POTSDAM. Die Empfangsdame der Potsdamer Seniorenresidenz "Heilig Geist" blockt erst einmal ab: "Mit Herrn Garski wollen wir nicht in Verbindung gebracht werden." Dabei verdankt die Frau diesem Mann ihren Arbeitsplatz. Denn es war der Bauentwickler Dietrich Garski, der Mitte der neunziger Jahre dafür sorgte, dass das repräsentative Altersheim gebaut wurde. In Potsdam, seiner Geburtsstadt, bekam Garski nach der "Wende" seine zweite Chance. Hier restaurierte er schmucke Barockhäuser in der Innenstadt, errichtete das in die Altstadt integrierte Hotel Voltaire, die Seniorenresidenz mit der markanten stählernen Turmspitze und das Restaurant an der Historischen Mühle direkt am Schloss Sanssouci. Marksteine aus dem zweiten Leben des Dietrich Garski.Drei Jahre im Karibik-VersteckSein erstes Leben endete 1980. Weil er Millionenkredite seiner Baufirma nicht zurückzahlen konnte, floh er in die Karibik. Das Land Berlin hatte dafür gebürgt und musste jetzt 93 Millionen Mark zahlen. Der damalige sozialliberale Senat unter dem Regierenden Bürgermeister Dietrich Stobbe (SPD) trat deshalb zurück. Der Name Garski wurde zum Synonym für den Berliner Filz, jener unlauteren Verquickung von Politik und Wirtschaft, die im hoch subventionierten West-Berlin besonders gut gedeihen konnte. 1983 wurde Garski auf der Karibikinsel St. Martin verhaftet, zwei Jahre später verurteilte ihn das Landgericht Berlin zu einer knapp vierjährigen Haftstrafe wegen Untreue und Kreditbetrug. Heute legt Garski Wert darauf, dass er damals nicht wegen Korruption oder Schmiergeldzahlungen verurteilt wurde. Vor 15 Jahren, am 26. März 1987, kam der einstige Baulöwe aus dem Moabiter Gefängnis frei - vor den Toren erwarteten ihn seine dritte Ehefrau Claudia und die Kinder.Garski selbst weiß, dass er jener alten Geschichte nicht mehr entrinnen kann. Trotzdem wünscht sich der 70-jährige Mann heute mehr denn je, dass ihm "die Gnade des Vergessens" einmal zuteil werde.Garski sieht deutlich jünger aus, seine wasserblauen Augen strahlen im gebräunten Gesicht, er wirkt vital. Fast scheint es, als würde er langsamer altern, um seine zweite Chance auch nutzen zu können. In Potsdam hat man die alte Geschichte zwar nicht ganz vergessen - aber die anfängliche Skepsis ist gewichen, mehr noch: Viele Leute loben ihn. "Wir haben mit Herrn Garski gute Erfahrungen gemacht, das hat alles prima geklappt", sagt Oberbürgermeister Matthias Platzeck. Der gelernte Zimmermann und Architekt ist heute als Bau-Berater in den Firmen seiner Frau angestellt. Sie ist die Eigentümerin, er macht die Geschäfte. Garski bezeichnet sich als "Baulotse". Er sucht interessante Immobilien, entwickelt Ideen, sucht Geldgeber und Betreiber für das Projekt. Man muss die richtigen Leute kennen, sagt er. Er selbst hat wegen seiner alten Schulden kein eigenes Konto.300 Millionen Mark - so schätzen Insider - wurden durch die Initiative der Garskis in Potsdam, vor allem in der historische Innenstadt, investiert. Bei der Eröffnung der Seniorenresidenz schüttelte ihm auch Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) die Hand. Ute Platzeck vom Potsdamer Bürgerbündnis hat sich stets kritisch mit Garskis Aktivitäten auseinander gesetzt. "Er ist sehr geschickt und hat allen immer gleich die Hand auf die Schulter gelegt."Bis Ende der neunziger Jahre war Garski fast ständig präsent in der Landeshauptstadt. Er brachte die Potsdamer Innenstadt-Investoren zusammen, wurden deren Sprecher. "Garski war unsere Führungsfigur", sagt ein Mitstreiter von einst, Besitzer einer großen Parfümerie. Manche sahen in Garski den "heimlichen Bürgermeister" der Stadt. Er profilierte sich im Streit um das überdimensionierte Potsdam-Center. Wegen des riesigen Betonkolosses am Bahnhof drohte die Unesco die Stadt von der Weltkulturerbeliste zu streichen. Sein Einsatz gegen das Potsdam-Center brachte Garski viele Sympathien ein. Nebenbei saß er als Sprecher der Innenstadt-Investoren wie die Spinne im Netz, konnte neue Kontakte machen. Genau das also, was ein "Baulotse" wissen muss. Investruine Werner-Alfred-BadHeute ist Garski nicht mehr so oft in Potsdam, er hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. "Meine Frau hat mir geraten, etwas weniger zu arbeiten", sagt der 70-Jährige. Der Boom in der Baubranche, auch in Potsdam, ist längst vorbei. Dort hat Garski nun seinen ehemaligen Statthalter Dieter Sausse, der in Potsdam allein die Geschäfte führt. Den einstigen Geologie-Studenten hatte Garski beim Tennis kennen gelernt und als Geschäftsmann aufgebaut. Garskis Schreibtisch steht nun in der fünften Etage eines Hauses am Tempelhofer Ufer in Berlin. Von dort aus kümmert er sich auch um das 1913 erbaute und 1992 geschlossene Werner-Alfred-Bad in Potsdam, eines seiner Sorgenkinder.Der ganze Komplex aus Badetempel und Neubauten im Hof ist nur halb fertig und steht ungenutzt leer. Kritiker nennen es eine Invest-Ruine. Eigentümer und Bauunternehmer - beide hatte Garski 1996 für das Projekt gewonnen - haben sich zerstritten. Der Konflikt ging vor Gericht und trieb mindestens zwei Bau-Firmen - darunter eine, an der Claudia Garski beteiligt war - in den Ruin.Die Krise schwappte auch nach Brandenburg/Havel über, dem zweiten Schwerpunkt der Garski-Firmen. Dort hatten sie halbe Straßenzüge in der Altstadt aufgekauft - rettbare Häuser sollten saniert, die anderen durch Neubauten ersetzt werden. Die neuen Wohnungen entstanden schnell und mit staatlichen Subventionen, an den anderen Häusern tat sich lange gar nichts. Für Garski tätige Firmen warteten lange, bis ihre Rechnungen bezahlt wurden. "Deshalb wollen viele Firmen nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten", sagt eine Unternehmerin. Garski zieht sich derzeit auch aus Brandenburg/Havel zurück. Etliche denkmalgeschützte Altbauten hat er an private Bauherren verkauft. Dabei hatte man im Rathaus bereits geargwöhnt, dass die Immobilien wegen der eingetragenen Grundschulden unverkäuflich seien.Es schmerze ihn, dass sich sein Engagement in Brandenburg/Havel so entwickelt habe, sagt Dietrich Garski, oder dass bei der Potsdamer "Heilig-Geist-Seniorenresidenz" mehrfach der Betreiber gewechselt habe. Der Chef der mittlerweile gut ausgelasteten Seniorenresidenz hat - anders als die Empfangsdame - keine Sorgen, mit dem Berliner und dessen Vergangenheit in Verbindung gebracht zu werden: "Wir schauen nach vorn, nicht zurück."DEADLINE/LITTWIN Dietrich Garski auf dem Turm der Potsdamer Heiliggeist" - Seniorenresidenz, deren Bau er angeschoben hat.
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