Nach dem Angriff auf einen 17-jährigen Iraner und dessen 18-jährigen deutschen Freund in Steglitz hat jetzt der für die Aufklärung politisch motivierter Straftaten zuständige Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Das bestätigte die Polizei am Mittwoch. Mehr als zehn Zeugen seien bislang befragt worden, sagte ein Beamter. Hinweise auf eine fremdenfeindliche Tat gebe es bislang nicht. "Die Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen", so der Polizist. Täter sind verschwundenWie berichtet, sollen die beiden Jugendlichen in der Nacht zum Sonntag in einem Bus des Schienenersatzverkehrs von vier Männern im Alter zwischen 18 und 22 Jahren niedergeschlagen worden sein. Von den Tätern, die kurz geschorene Haare und Bomberjacken trugen und von zwei Frauen begleitet wurden, fehlt bislang jede Spur. Bei dem Übergriff hatte der Iraner schwere Kopfverletzungen erlitten. Als ihm sein Freund helfen wollte, sollen die Angreifer gedroht haben: "Wenn du ihn schützt, töten wir dich." Anschließend verletzten ihn die Täter im Gesicht. Beide Opfer mussten in einem Krankenhaus behandelt werden.Angehörige beklagten nach dem Übergriff, dass keiner der Businsassen geholfen habe. Es sei eine Schande, hieß es auch aus Polizeikreisen. Das Reiseunternehmen Bex, dem der Bus gehört, wies Vorwürfe zurück, dass der Fahrer bei der Schlägerei nicht eingeschritten sei. Die Geschäftsführung betonte, dass der Fahrer sofort angehalten habe und dazwischengegangen sei. Als die Situation erneut eskalierte, habe der Mann die Türen geöffnet und die Polizei alarmiert, so die GeschäftsleitungDer Fall hatte Anfang der Woche für Schlagzeilen gesorgt, weil Polizisten den Übergriff nicht als rechtsradikalen Angriff, sondern als "kleine Schlägerei, die öfter mal vorkomme" beurteilt hatten. Nicht jeder, der kurze Haare und eine Bomberjacke trage, sei automatisch ein Rechtsradikaler, hieß es aus dem Polizeipräsidium. Polizeipräsident Dieter Glietsch entschuldigte sich am Dienstag für die "bagatellisierende und unangemessene Einschätzung" der Beamten. Die Polizeiführung wies gleichzeitig Vorwürfe zurück, nach denen die Behörde bei rechten Straftaten die Ermittlungen zurückhaltend führe. "Sobald wir Hinweise auf fremdenfeindliche oder rassistische Motive haben, übernimmt der Staatsschutz die Ermittlungen", so ein leitender Polizeibeamter. "Die Ermittlungen werden ebenso intensiv geführt, wie bei anderen Straftaten auch."
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