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Überschwemmungen im Saarland: Damm gebrochen, Häuser evakuiert

Das gesamte Saarland wird am Freitag von heftigem Regen heimgesucht. Die Schäden sind immens. Unwetterwarnungen wurden erst am frühen Samstag aufgehoben.

Team News dpa/BLZ
4 Min
Saarland, Saarbrücken: Die Stadtautobahn A620 steht unter Wasser. Heftiger Dauerregen hat im Saarland vielfache Überflutungen und Erdrutsche verursacht.

Saarland, Saarbrücken: Die Stadtautobahn A620 steht unter Wasser. Heftiger Dauerregen hat im Saarland vielfache Überflutungen und Erdrutsche verursacht.

© Laszlo Pinter/dpa

Heftiger Dauerregen hat am Freitag im Saarland Überflutungen und Erdrutsche verursacht. In der Landeshauptstadt Saarbrücken und weiteren Kommunen mussten Häuser wegen ansteigender Wassermassen evakuiert werden. Das Innenministerium sprach von einer „flächigen Hochwasserlage“, wobei der Schwerpunkt auf dem südöstlichen Landesteil lag. Betroffen seien vor allem der Kreis Neunkirchen, der Saarpfalz-Kreis und der Regionalverband Saarbrücken, teilte der Sprecher des Ministeriums am Abend mit. Nach Kenntnissen vom Samstagmorgen sind keine Menschen ums Leben gekommen. Bei einer Evakuierungsaktion habe es jedoch einen Verletzten gegeben, sagte der Sprecher des Lagezentrums. Ein Mensch sei ins Wasser gefallen und anschließend in ein Krankenhaus gebracht worden.

Bis zum frühen Samstagmorgen entspannte sich die Lage aus Sicht der Polizei. Seit 1.00 Uhr stiegen die Pegelstände zumindest nicht mehr, sagte ein Sprecher des Lagezentrums in Saarbrücken. Die Rettungskräfte seien aber weiterhin im Großeinsatz. Das genaue Ausmaß der Schäden dürfte erst bei Tageslicht so richtig einzuschätzen sein. Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) hob am Samstagmorgen alle Unwetterwarnungen in Deutschland auf. Somit lagen im Saarland und auch in Rheinland-Pfalz keine Warnungen vor „extrem ergiebigem Dauerregen“ mehr vor, wie der DWD mitteilte.

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Nach dem Dauerregen und Hochwasser will sich Bundeskanzler Olaf Scholz am Samstag gemeinsam mit Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (beide SPD) im Saarland ein Bild von der Situation machen.

Tausende Einsatze im Saarland: DB-Verkehr gestört

Allein die Polizei im Saarland verzeichnete bis zum frühen Samstagmorgen (7 Uhr) rund 1000 Einsätze, hinzu kommen Tausende Einsätze von Feuerwehren und anderen Hilfsorganisationen. Zahlreiche Straßen im Saarland sind weiterhin gesperrt, auch der Bahnverkehr ist nach Angaben der Deutschen Bahn eingeschränkt.

Die Landeshauptstadt Saarbrücken hatte ebenso wie mehrere Kreise eine Großschadenslage ausgerufen. Mehrere Gebäude im Stadtgebiet mussten evakuiert werden. Die Stadt richtete Ausweichquartiere in Schulen und ein Bürgertelefon ein. Betroffene Personen wurden aufgerufen, nur das Notwendigste mitzunehmen. Eine ähnliche Situation gab es auch andernorts: „Wir haben überall Evakuierungen“, sagte ein Sprecher des Lagezentrums in Saarbrücken. „Es regnet überall, landesweit.“ Die Bevölkerung wurde aufgerufen, den Aufenthalt im Freien unbedingt zu vermeiden und überflutete oder gefährdete Abschnitte von Verkehrswegen zu meiden.

Dammbruch in Quierschied: Kraftwerksgelände geflutet

Das Kraftwerksgelände in Quierschied wurde am Freitag geflutet. Grund ist ein gebrochener Damm, der das Wasser eines alten Angelweihers zurückhielt. Das Gebäude ist aber noch nicht geflutet. Das Kraftwerk wurde nach Angaben der Freiwilligen Feuerwehr Quierschied inzwischen heruntergefahren. Daher gab es in Quierschied zunächst keine Fernwärme.

Der Kreis Neunkirchen teilte am Abend mit, alle Städte und Gemeinden im Landkreis seien „in großem Umfang von den Starkregenereignissen betroffen“. Besonders gelte dies für Ottweiler, dort drohe die Blies überzulaufen. In Wemmetsweiler hätten Menschen mit Booten aus ihren Häusern gerettet werden müssen. Von überfluteten Kellern und Straßen sowie Erdrutschen berichtete auch die Feuerwehr in Blieskastel (Saarpfalz-Kreis). „Die Böden nehmen keinen Regen mehr auf“, sagte der Sprecher.

Polizei und Feuerwehr sind am Freitagabend in Saarbrücken im Dauereinsatz.  

Polizei und Feuerwehr sind am Freitagabend in Saarbrücken im Dauereinsatz.  

© Harald Tittel/dpa

Nach Angaben des Hochwassermeldezentrums handele sich um ein Hochwasserereignis, wie es alle 20 bis 50 Jahre stattfinde, teilte das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz mit. Es könne zur Überflutung bebauter Gebiete in größerem Umfang sowie zur Flutung von land- und forstwirtschaftlichen Flächen kommen. Die Wasserstände an den Pegeln im Einzugsgebiet Saar stiegen weiter an. An vielen Stellen sei die Meldehöhe 3 und teils sogar 4 überschritten worden. 

Nach Angaben des Bahnunternehmens Vlexx war der Zugverkehr im Saarland stark eingeschränkt, dies galt auch für den Busverkehr. Teilweise wurden Gleise unterspült, auch in Oberleitungen gestürzte Bäume waren Ursache.

Überflutungen im Saarland: Mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter am Tag 

Der DWD maß stellenweise mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter in nicht einmal 24 Stunden. Für diesen heftigen Regen seien Flüsse und Infrastruktur nicht ausgerichtet, sagte eine DWD-Meteorologin am Abend. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Monat April waren im Saarland rund 74 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen worden – und dies war ein Sechstel mehr Niederschlag als normalerweise in jenem Monat. Bis 19 Uhr fielen laut DWD in Saarbrücken-Ensheim und Berus im Landkreis Saarlouis 107 Liter pro Quadratmeter. Verbreitet seien im Saarland 60 bis 100 Liter pro Quadratmeter gemessen worden. Die Flusspegel seien dadurch rasch gestiegen.

Im benachbarten Rheinland-Pfalz waren am Freitag vor allem der Kreis Trier-Saarburg sowie die Südpfalz und die Städte Trier, Zweibrücken und Ludwigshafen von dem Dauerregen betroffen. Keller und Straßen liefen voll und Bäume stürzten um, wie die Koordinierungsstelle der Aufsichts- und Dienstleistungsbehörde (ADD) berichtete. Verletzt wurde zunächst niemand. Viele kleinere Bäche und Flüsse traten über die Ufer.

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