Die Berliner sind hartgesottene Open-air-Profis, das belegen die Erfahrungen der letzten Tage. Ob Waldbühne oder Gendarmenmarkt, ob Sanssouci-Terrassen oder Galopprennbahn: Weder steife Winde noch Sturzregen vermögen eingefleischte Fans zu berühren.Mit verblüffender Selbstverständlichkeit werden alle Register der Frischluft-Überlebenskunst gezogen. Da feudelt man kurzerhand die nassen Bänke - einen Lappen hat der Experte schließlich dabei. Dann wird quadratmeterweise Renovierfolie entfaltet, unter der ganze Familien ein trockenes Plätzchen finden. Die elegantere Variante besteht aus einer Kombination von Regenschirm und Plastikdecke für Beine und Füße.Hier will vor allem die rücksichtsvolle Handhabung des Schirms geübt sein. Schräghaltung bedeutet für den Hintermann: vom Regen in die Traufe. Tiefhaltung nimmt ihm die Sicht. Bei Hochhaltung sieht die zweite Hinterreihe nichts mehr. Dann verkeilt sich der Schirm des seitlichen Nachbarn mit dem eigenen. Probleme?Hat man die freundlichste Schirmposition gefunden, wird man sogar mit ganz anderen Kalamitäten fertig. Jetzt gilt es nämlich - unter strenger Wahrung des Nässeschutzes - motorisch zulängliche Lösungen für weitere Tätigkeiten zu finden: Applaus, Imbiß-Arrangement und -Einnahme, Insektenabwehr, Leuchtkörpereinsatz. Dagegen erscheint jede Yoga-Verknotung als Lappalie. Und schon nach kurzer Zeit gehört man selbst zu den unverwüstlichen Berliner Open-air-Profis. Gut so: Die Saison hat schließlich gerade erst angefangen. +++
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