Doch wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich am besten: In der ausverkauften Johan-Cruyff-Arena gelang der Elftal am Abend ein von ihren Landsleuten frenetisch bejubelter 3:0 (1:0)-Erfolg in der Nations League gegen die deutsche Auswahl. Die Treffer von Virgil van Dijk (30.), Memphis Depay (87.) und Georginio Wijnaldum (90. +2) sorgten für Volksfeststimmung in der niederländischen Vielvölkermetropole.
Damit ist Deutschland nach zwei Spieltagen in der Gruppe A1 auf den letzten Platz zurückgefallen, der gleichbedeutend mit einem Abstieg in die B-Kategorie wäre. Bezeichnend, dass sich ausgerechnet Kapitän Manuel Neuer beim Siegtor von Virgil van Dijk (30.) schwer verschätzte. Bundestrainer Joachim Löw gerät damit unweigerlich unter Druck. Ein weiterer Rückschlag beim Weltmeister Frankreich (Dienstag 20.45 Uhr/ ARD) würde erneut Grundsatzdiskussionen vor der DFB-Präsidiumssitzung am kommenden Freitag befeuern, ob der 58-Jährige für die Renovierungsarbeiten der Richtige ist.
Schwache Chancenverwertung
Der ehemalige Kapitän Michael Ballack als Löws schärfster Kritiker hat das bereits klar verneint, dürfte aber bald nicht mehr einsamer Mahner sein, der öffentlich eine Korrektur auf der Trainerposition verlangt. Tatsächlich ist Löws Festhalten an formschwachen Akteuren wie Jerome Boateng nur noch schwer verständlich, zudem fehlt dem Team immer noch die Balance, was der Badener am Vortag als „das Schwierigste im Fußball überhaupt“ tituliert hatte.
Vor dem 41. Aufeinandertreffen der beiden stolzen Fußball-Nationen verabschiedete der Königliche Niederländische Fußball-Bund (KNVB) mit Dirk Kuyt und Rafael van der Vaart zwei Koryphäen aus besseren Tagen. Auf deutscher Seite stand dann überraschend Mark Uth als 100. Debütant der Löw-Ära in der Anfangsformation. Der 27-Jährige half mit einigen gelungenen Aktionen zunächst mit, dass die Gäste zunächst Chef im Ring waren. Doch der Abschluss blieb Manko einer Mannschaft, die in den vergangenen ein Dutzend Länderspielen nur zehn Treffer erzielt hat. Timo Werner verzog nach einer schönen Ballstafette aus spitzem Winkel (15.), dann fand Thomas Müller in Torwart Jasper Cillessen seinen Meister (18.).
Die schlechte Chancenverwertung sollte sich rächen: Nach einer Depay-Ecke setzte sich Ryan Babel im Kopfballduell gegen den schlecht postierten Mats Hummels durch, die Kugel prallte an die Latte und Abwehrchef van Dijk bedankte sich. Den Kardinalfehler hatte Keeper Manuel Neuer begangen, der kurz vor dem Torraumlinie mit dem Herauslaufen abstoppte. Damit schleppte der Bayern-Schlussmann seine Schaffenskrise direkt ins Nationalteam. Die Löw-Elf schien vom Rückstand sichtlich irritiert und hätte nach Hereingabe von Denzel Dumfries fast das 0:2 kassiert (34.). Auf der Gegenseite schoss dann Müller fast freistehend ans Außennetz (38.).
Weil nach Wiederanpfiff zunehmend die zündenden Ideen fehlten, sollte der Doppelwechsel mit Julian Draxler und Leroy Sané für Belebung sorgen (57.). Der frische Wind machte sich durch beide prompt bemerkbar. Und eigentlich hätte der von Joshua Kimmich freigespielte Sané ausgleichen müssen, als er frei vor Cillessen den Ball am langen Eck vorbeijagte (64.).
Möglichkeiten wie diese gehören genutzt, zumal die deutsche Elf sich ansonsten schwer tat, gegen den dichter gezogenen Sperrgürtel Lösungen zu finden. Zu allem Überfluss verweigerte der türkische Schiedsrichter Cüneyt Cakir nach Foul an Matthias Ginter einen Elfmeter (82.). Dass der überragende Depay und Wijnaldum dann Konter noch mit dem 2:0 und 3:0 abschlossen, war fast folgerichtig. Am Ende stand somit riesige Ernüchterung – und ein stummer deutscher Fanblock, der auf überhebliche Gesänge im Vorfeld besser mal verzichtet.
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