Ukraine-Krieg

Starlink: Ukraine will Russlands Raketenwerfer jagen – Elon Musk entscheidet

Der Ukraine fehlen Patriot-Abfangraketen. Kiew will deshalb mobile russische Abschussrampen bis zu 200 Kilometer tief in Russland treffen.

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SpaceX-Chef Elon Musk: Für den Einsatz von Starlink-Drohnen tief in Russland benötigt die Ukraine seine Zustimmung.

SpaceX-Chef Elon Musk: Für den Einsatz von Starlink-Drohnen tief in Russland benötigt die Ukraine seine Zustimmung.

© Angela Piazza/AP

Die Ukraine will russische Startanlagen für ballistische Raketen bis zu 200 Kilometer tief in Russland mit Starlink-Drohnen aufspüren und zerstören. Dafür braucht Kiew nach Informationen der Financial Times die Zustimmung von SpaceX-Chef Elon Musk.

Der Antrag umfasst dem Bericht zufolge neben mobilen Raketenwerfern auch Kommandosysteme und weitere Infrastruktur für russische Angriffe. Musk äußerte sich bislang nicht zu dem Vorstoß.

Wolodymyr Selenskyj habe US-Präsident Donald Trump bei ihrem Treffen im Weißen Haus im Juli gebeten, mit Musk über die Freigabe zu sprechen. Kiew hoffe, Musk mit der Begrenzung auf 200 Kilometer zur Zustimmung zu bewegen. Trump habe sich jedoch nicht festgelegt und den Plan nach dem Eindruck von Teilnehmern des Treffens nicht unterstützt. Die Gesprächspartner der Financial Times rechnen demnach nicht mit einer Zustimmung Musks.

Nach dem Angriff auf Kiew fehlen Patriot-Raketen

Die Anfrage wird durch den Mangel an Abfangraketen für das Patriot-System dringlicher. Nach dem russischen Großangriff auf Kiew und das Umland am Donnerstag erklärte Selenskyj, etwa 90 Prozent der Marschflugkörper seien abgefangen worden. Bei ballistischen Raketen sei die Lage „deutlich schlechter“.

Nach ukrainischen Angaben wurden mindestens 16 Menschen getötet und fast 50 verletzt. Mehr als 200 Objekte seien beschädigt worden, darunter 86 Wohnhäuser und ein Kinderkrankenhaus. Die Ukraine sei bereit, weitere Abfangraketen zu kaufen, sagte Selenskyj. Nötig seien politische Entscheidungen der Partner, „in erster Linie in den USA“.

Patriot ist das einzige von der Ukraine eingesetzte System, das ballistische Raketen zuverlässig abfangen kann. Das Center for Strategic and International Studies schätzte Ende Juli, dass die USA noch weniger als 1000 Patriot-Abfangraketen besitzen. Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat den Verbrauch deutlich erhöht.

Zugleich produziert Russland nach Angaben des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR mehr als 200 ballistische Raketen und Marschflugkörper pro Monat. Im Juli seien darunter 65 Raketen des Typs 9M723 für Iskander-M und 87 Marschflugkörper vom Typ Ch-101 gewesen, berichtete die Ukrainska Pravda. Die Geheimdienstangaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Was Starlink-Drohnen verändern könnten

Mit Starlink ausgerüstete Drohnen können über deutlich größere Entfernungen mit ihren Bedienern verbunden bleiben als über herkömmliche Funkkanäle. Die Satellitenverbindung ist schwieriger zu stören, aber keineswegs immun gegen elektronische Gegenmaßnahmen. Russland setzt inzwischen Anlagen des Typs „Wolna Kupol Garant“ ein, die Starlink-Verbindungen nach ukrainischen Angaben in einem Gebiet von rund 20 Quadratkilometern destabilisieren können, wie die Nachrichtenagentur Reuters im Juli berichtete. Innerhalb der Ukraine haben sich Starlink-Drohnen laut Financial Times dennoch bereits im Einsatz bewährt.

Die geplante Jagd auf russische Raketenwerfer bliebe technisch schwierig. Mobile Iskander-Rampen fahren in ihre Abschussposition, feuern und können nach wenigen Minuten wieder verschwinden. Der ukrainische Luftfahrtexperte Anatolij Chraptschynskyj sagte der Ukrainska Pravda, für ihre Zerstörung seien präzise Satellitendaten in Echtzeit nötig. Nach der Ortung müsse eine Waffe das Ziel binnen fünf bis sechs Minuten erreichen.

Starlink schafft damit Reichweite, aber keine Garantie für einen Treffer. Das Netz löst weder das Problem der rechtzeitigen Aufklärung noch schützt es vollständig vor eigens entwickelten Störanlagen. Zudem müssten die Drohnen bewegliche Ziele in einem Gebiet finden, das sich bis zu 200 Kilometer tief in Russland erstreckt.

Fjodorow verhandelt weiter mit Musk

Kiews wichtigster Gesprächspartner zu Musk war lange der frühere Verteidigungsminister Mychajlo Fjodorow. Selenskyj entließ ihn im Juli. Der Kontakt ist jedoch nicht abgerissen, wie Fjodorow Anfang August in einem Interview mit dem ukrainischen Aktivisten Serhij Sternenko sagte.

„Wir stehen mit Musk in Kontakt, zuletzt haben wir vor einigen Tagen miteinander gesprochen“, erklärte Fjodorow. Es sei derzeit „eine schwierige Aufgabe“, in den Gesprächen das von der Ukraine benötigte Ergebnis zu erreichen. Details könne er nicht nennen.

Musk: „Ich versuche, das Richtige zu tun“

Anfang 2026 hatte Musk nach Angaben Fjodorows die nicht autorisierte Nutzung von Starlink durch russische Truppen auf ukrainischem Gebiet eingeschränkt. Ukrainische Militärvertreter berichteten anschließend, dies habe russische Drohnenangriffe beeinträchtigt. Bei Operationen in Russland zieht Musk dagegen eine Grenze. Bereits 2022 schränkte er Starlink während eines ukrainischen Angriffs auf russische Kriegsschiffe vor der besetzten Krim ein und verwies später auf die Gefahr einer nuklearen Eskalation.

Fjodorow würdigte Musk am Montag dennoch öffentlich. Dessen Vorgehen gegen die russische Starlink-Nutzung habe die ukrainische Luftabwehr und Tausende Menschen geschützt. Musk antwortete: „Ich versuche, das Richtige zu tun. Ich hoffe, dass es bald Frieden gibt.“ Auf die Bitte um eine Freigabe für Angriffe in Russland ging er nicht ein.

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