Die ukrainische Zentralbank erwägt offenbar eine Abkehr vom Dollar hin zum Euro als Referenzwährung für die ukrainische Hrywnja. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf den Präsidenten der Institution, Andriy Pyshnyi.
Hintergrund für die Überlegung sei ein möglicher Beitritt zur Europäischen Union, eine „Stärkung der Rolle der EU bei der Sicherstellung unserer Verteidigungskapazitäten, eine größere Volatilität auf den Weltmärkten und die Wahrscheinlichkeit einer Fragmentierung des Welthandels“, so Pyshnyi in einer per E-Mail übermittelten Stellungnahme laut Reuters. Diese Entwicklungen zwängen die ukrainische Zentralbank zur Prüfung, ob der Euro anstelle des Dollars als Referenzwährung für die Hrywnja dienen sollte.
Unter Präsident Donald Trump hatten die USA zudem zuletzt einen internationalen Handelskonflikt mit hohen Zöllen losgetreten. Beobachter hatten darauf verwiesen, dass das die künftige Rolle des Dollars als globale Reservewährung nicht gerade stärke.
Transaktionen mit dem US-Dollar dominieren derzeit allerdings weiterhin alle Segmente des ukrainischen Devisenmarktes, sagte Pyshnyi, aber der Anteil der auf Euro lautenden Transaktionen sei in den meisten Segmenten gestiegen, wenn auch „bisher nur mäßig“.
Wozu dient eine Referenzwährung?
Beim System einer Referenzwährung werden Preise für Importe und Exporte in einer stabileren Währung festgelegt und anschließend in die Landeswährung umgerechnet. Diese Praxis schützt Handelspartner vor starken Wechselkursschwankungen und erleichtert internationale Verträge.
Seit der Einführung der Hrywnja im Jahr 1996 diente der US-Dollar als Hauptmaßstab für Wechselkursinterventionen und als Stabilitätsanker, insbesondere während der wirtschaftlichen Turbulenzen nach der russischen Invasion 2022. Im Oktober 2023 wechselte die NBU von einem festen Wechselkurs zu einem gesteuerten Wechselkursregime, wobei der Dollar weiterhin als Referenzwährung fungierte.
Die EU hat vor fast einem Jahr Beitrittsgespräche mit der Ukraine aufgenommen, doch bis zum Beitritt liegt noch ein langer Weg vor dem Land. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte im Februar, dass die Ukraine bis 2030 beitreten könnte, sollte sie die Reformen ihres politischen und justiziellen Systems im derzeitigen Tempo fortsetzt.
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