Die Ukraine hat offenbar erstmals mit Storm-Shadow-Raketen aus britischer Produktion auf Ziele in Russland geschossen. Das berichtet der britische Guardian am Mittwoch. Auch das US-amerikanische Nachrichtenportal Bloomberg meldete am Mittwoch den Einsatz der britischen Langstreckenraketen. Erst am Vortag hatte die ukrainische Armee erstmals amerikanische ATACMS-Raketen auf russischem Territorium eingesetzt und dabei ein Militärlager in Brjansk getroffen.
Nach Informationen der Zeitung Guardian habe Großbritannien der Ukraine erlaubt, die gelieferten Raketen in Russland einzusetzen - als Reaktion auf die Stationierung nordkoreanischer Truppen an der Grenze.
Laut der Zeitung Times bestätigten Regierungsquellen den Einsatz der Marschflugkörper. Zwölf der Raketen seien demnach am Mittwochmorgen auf die russische Grenzregion Kursk abgefeuert worden, die teilweise von ukrainische Truppen kontrolliert wird, berichtete die Zeitung unter Berufung auf russische Sender.
Der Telegraph berichtete, es seien Trümmerteile der Marschflugkörper in dem Ort Marjino im russischen Gebiet Kursk knapp 45 Kilometer entfernt von der Grenze gefunden worden. Der Gouverneur von Kursk, Alexej Smirnow, teilte im Kurznachrichtendienst Telegram mit, die russische Luftabwehr habe zwei ukrainische Raketen abgeschossen. Er nannte aber keine Details.
Ein Sprecher von Premierminister Keir Starmer lehnte eine offizielle Bestätigung des Einsatzes der Storm-Shadow-Raketen am Mittwoch laut dem Guardian zunächst ab. Vor seiner Reise zum G20-Gipfel in Rio de Janeiro hatte Starmer jedoch gesagt, die internationale Gemeinschaft müsse ihre Unterstützung für Kiew „verdoppeln“ und bezeichnete die Stationierung nordkoreanischer Truppen an der Seite der Russen als ernsthafte Eskalation.
Marschflugkörper vom Typ Storm Shadow haben eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern und eine Sprengladung von 450 Kilogramm (gegenüber 170 Kilogramm bei den amerikanischen ATACMS).
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Kiew hatte seine westlichen Verbündeten seit Monaten darum gebeten, ihre Langstreckenwaffen gegen russisches Territorium einzusetzen. Am Sonntag hatte US-Präsident Joe Biden erstmals grünes Licht für einen Einsatz der von Washington gelieferten Waffen mit größerer Reichweite auch gegen militärische Ziele im russischen Landesinneren gegeben. Daraufhin kam es am Dienstag zum ersten ukrainischen Angriff mit ATACMS-Raketen auf Russland.
Russlands Außenminister Sergej Lawrow drohte daraufhin mit einer „entsprechenden“ Antwort und schloss dabei auch den möglichen Einsatz russischer Atomwaffen nicht aus.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow warf den USA zudem am Mittwoch vor, mit ihren Entscheidungen den Krieg in der Ukraine verlängern zu wollen. „Wenn man sich die Tendenzen der scheidenden US-Regierung anschaut, dann ist sie fest entschlossen, den Krieg in der Ukraine fortzusetzen und tut alles, was sie kann“, sagte er vor Journalisten.
Bidens Entscheidung, entsprechende Einsätze zu genehmigen, kam rund zwei Monate vor dem Amtsantritt des designierten US-Präsidenten Donald Trump, der angekündigt hatte, den Konflikt rasch beenden zu wollen. Trump hat sich bislang nicht zur Freigabe der Waffen durch Biden geäußert.
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