Die ersten ukrainischen Häftlinge, die für ihr Land in den Krieg gegen Russland ziehen wollen, sind am Mittwoch freigelassen worden. Das entschied ein Gericht in der westlichen Stadt Clmelnytsky bereits am Dienstag, wie es am Mittwoch mitteilte. In dem Fall ging es um zwei Männer, die wegen Diebstahls inhaftiert wurden. Sie dürfen nun der Nationalgarde der Ukraine beitreten. Die Freilassung erfolgte auf Bewährung.
Die Freilassung erfolgte im Rahmen einer neuen Regelung, derzufolge zum Kriegseinsatz bereite Häftlinge auf Bewährung entlassen werden können. Nach Angaben von Kiew haben seit der Verabschiedung des Gesetzes mehr als 3000 Häftlinge einen Antrag auf Entlassung gestellt. Zum Vergleich: In Russland sind seit dem Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 Zehntausende begnadigte Häftlinge an die Front geschickt worden.
Ukraine: Gefangene erfüllten alle Voraussetzungen für Militäreinsatz
Beide Männer seien wehrtauglich, hätten einen fachlichen und psychologischen Test bestanden und verfügten über die nötige körperliche Fitness, erklärte das Gericht. Die Männer würden unter Aufsicht gestellt und dürfen sich ohne Erlaubnis weder außerhalb ihrer militärischen Einheit aufhalten noch persönlichen Reisen unternehmen.
Für das Programm kommen nur Häftlinge infrage, deren verbleibende Haftstrafe weniger als drei Jahre beträgt. Anders als bei einem ähnlichen Vorgehen in Russland werden die Häftlinge jedoch nur auf Bewährung freigelassen, aber nicht begnadigt. Täter besonders schwerer Straftaten sind zudem von dem Programm ausgeschlossen.
Nach mehr als zwei Jahren Krieg verzeichnet das ukrainische Militär massive Verluste. Genaue Zahlen werden nicht veröffentlicht. Anders als zu Beginn der russischen Invasion melden sich jedoch kaum noch Freiwillige für den Dienst an der Front. Seit Monaten wird daher über weitere Einberufungen diskutiert.
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