UPDATE

Ukrainekrieg

Journalistin aus der Ukraine: „Unser Staat funktioniert nicht dank, sondern trotz Selenskyj“

Große Korruption, fehlende Mobilisierung: Die Journalistin Inna Vedernikova erklärt, wo die Ukraine im Krieg steht. Eine ehrliche Bestandsaufnahme über die Realität im Land.

Interview: Kaja Puto
11 Min
Inna Vedernikova, Redakteurin der Rubrik Innenpolitik bei ZN.UA.

Inna Vedernikova, Redakteurin der Rubrik Innenpolitik bei ZN.UA.

© Wasilij Artiuszenko

Kaja Puto ist für die Berliner Zeitung in der Ukraine unterwegs, um ein ehrliches Bild über die Lage im Land zu zeichnen. Sie stellt in Gesprächen fest, wie verzweifelt die Ukrainer sind, weil der Westen das Land nicht in ausreichendem Maße unterstützt. Andererseits trifft sie auf Menschen, die immer stärker daran zweifeln, ob die eigene Regierung fähig ist, die Ukraine aus der Krise zu führen. Auf ihren Reisen hat Kaja Puto auch die ukrainische Journalistin Inna Vedernikova getroffen, die ihr darlegt hat, dass viele Widersprüche in der Ukraine in den großen westlichen Medien nicht besprochen werden: die schwindende Hoffnung auf einen ukrainischen Sieg, aber auch die ungebändigte Korruption, die viele ukrainische Soldaten verzweifeln lässt.

Das Thema möglicher Verhandlungen mit Russland blieb in der Ukraine lange Zeit ein Tabu. Umfragen zeigten, dass die große Mehrheit der Ukrainer bis zur Wiedererlangung der vollen Souveränität kämpfen wollte, und die Politiker schlossen sich dieser Meinung an. Jetzt sagt Präsident Wolodymyr Selenskyj: „Wir können nicht Zehntausende unserer Leute opfern, um für die Rückgabe der Krim zu sterben.“

Zu Beginn des großen Krieges half die optimistische Informationspolitik der Regierung den Menschen, sich zu vereinen und einige Gebiete zurückzugewinnen. Später wurde sie jedoch schädlich. Der sogenannte Telemarathon, d.h. die für den Krieg vereinigten Fernsehsender, erzählen den Ukrainern von den Erfolgen und schweigen über die Probleme.

Mit einem Abo weiterlesen

Sie haben bereits ein B+ Abo?

*