Krieg

Bericht: Russland bereitet neue Offensive in der Ukraine vor

Der Kreml arbeitet laut Militäranalysen an einem mehrgleisigen Vorstoß entlang der 1000 Kilometer langen Frontlinie. Das Ziel: Putin wolle seine Position in Friedensgesprächen stärken.

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Russlands Präsident Wladimir Putin beim Artikforum in Murmansk

Russlands Präsident Wladimir Putin beim Artikforum in Murmansk

© Gavriil Grigorov/AFP

Russlands Präsident Wladimir Putin bereitet offenbar in den kommenden Wochen eine neue Offensive in der Ukraine vor, um seine Position in möglichen Friedensgesprächen zu stärken. Das berichtete die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) am Freitag unter Berufung auf ukrainische Analysten und zwei anonyme diplomatische Quellen aus den G7-Staaten.

Angesichts der bevorstehenden Kampfsaison im wärmeren Frühjahr plane der Kreml laut Analysten und Militärkommandanten einen mehrgleisigen Vorstoß entlang der 1000 Kilometer langen Frontlinie. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj habe von seinen Geheimdiensten erfahren, dass Russland sich auf neue Offensiven in den nordöstlichen Regionen Sumy, Charkiw und Saporischschja vorbereitet.

„Sie ziehen die Gespräche in die Länge und versuchen, die USA in endlose und sinnlose Diskussionen über falsche ‚Bedingungen‘ zu verwickeln, nur um Zeit zu gewinnen und dann mehr Land zu erobern“, sagte Selenskyj am Donnerstag bei einem Besuch in Paris. „Putin will aus einer stärkeren Position über Territorium verhandeln.“

Russlands bevorstehende Offensive könnte bis zu neun Monaten dauern

Ukrainische Militärkommandanten erklärten gegenüber AP, Russland habe seine Angriffe kürzlich verstärkt, um seine taktischen Positionen vor der erwarteten größeren Offensive zu verbessern. „Sie brauchen Zeit bis Mai, das ist alles“, sagte der ukrainische Militäranalyst Pavlo Narozhnyi, der mit Soldaten arbeitet und von ihnen Geheimdienstinformationen erhält. Der ukrainische Militäranalyst Oleksii Hetman sagte gegenüber AP, dass Russlands bevorstehende Offensive zwischen sechs und neun Monaten dauern könnte.

Die Oblaste Sumy und Charkiw, beide im Nordosten der Ukraine gelegen und an Russland grenzend, spielen seit Beginn der umfassenden Invasion eine Schlüsselrolle in der ukrainischen Verteidigung. Moskau startete im vergangenen Mai eine zweigleisige Offensive gegen die Oblast Charkiw. Am 8. Juni erklärte Selenskyj, Russlands Offensive sei „gescheitert“. In Erwartung einer weiteren Offensive in der Oblast Sumy startete die Ukraine im August 2024 ihren eigenen Einmarsch in die russische Oblast Kursk, um die russischen Pläne zu durchkreuzen. Ukrainische Streitkräfte eroberten zunächst rund 1300 Quadratkilometer russischen Territoriums, verloren jedoch nach der Gegenoffensive Moskaus Anfang des Monats einen Großteil ihrer Stellungen.

Zieht Putin Truppen in Kursk ab, um andere Frontlinien zu verstärken?

Im Norden haben russische und nordkoreanische Soldaten Kiew durch die Rückeroberung des größten Teils der russischen Region Kursk der Ukraine beinahe ein wichtiges Verhandlungsinstrument genommen. Auch an der Ostfront in Donezk und Saporischschja eskalierten die Kämpfe. Einige Kommandeure befürchten laut AP, dass Russland kampferprobte Truppen aus Kursk in andere Teile des Ostens abziehen könnte. „Es wird hart. Die Truppen aus Kursk werden von ihren Siegen dort beflügelt sein“, sagte ein ukrainischer Bataillonskommandeur in der Region Donezk, der anonym bleiben wollte.

Moskau hatte eine vollständige 30-tägige Waffenruhe, den die USA und die Ukraine am 11. März in Dschidda vereinbart hatten, abgelehnt und lediglich einem teilweisen Waffenstillstand bei Angriffen auf Energieanlagen und im Schwarzen Meer zugestimmt.

Selenskyj: „Russland macht sich über die Friedensbemühungen lustig“

Seitdem gehen die Kämpfe weiter. Die russische Armee eroberten nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau zwei weitere Ortschaften in der Ukraine. Die Truppen hätten die Kontrolle über das Dorf Schtschebraki in der südlichen Region Saporischschja und das Dorf Panteleimoniwka in der östlichen Region Donezk unter ihre Kontrolle gebracht, hieß es im täglichen Lagebericht des Ministeriums vom Samstag. Russlands Armee sei an der Front in der Ukraine auf dem Vormarsch.

Bei einem russischen Angriff auf die ukrainische Stadt Dnipro wurden nach Angaben von Selenskyj vier Menschen getötet. Bei der Drohnenattacke auf ein Hotel der Stadt seien zudem 21 Menschen verletzt worden, darunter eine schwangere Frau. Insgesamt habe Russland die Ukraine in der Nacht zum Samstag mit mehr als 170 Drohnen angegriffen, erklärte Selenskyj weiter. Darunter seien weitere Ziele in der Region Dnipropetrowsk sowie in Kiew und den Regionen Sumy, Charkiw und Chmelnytskyi.

„Russland macht sich über die Friedensbemühungen in der Welt lustig. Es zieht den Krieg in die Länge und sät Terror, weil es immer noch keinen richtigen Druck spürt“, fügte der ukrainische Präsident hinzu.

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