Der Ukraine-Krieg hat in den vergangenen Stunden erneut auf beiden Seiten Todesopfer gefordert. Nach russischen Behördenangaben starben durch ukrainische Angriffe auf russischem Gebiet und auf der von Russland annektierten Krim mehrere Menschen, darunter Zivilisten und ein Kind. Zugleich meldete die ukrainische Seite tödliche russische Gleitbombenangriffe auf die Stadt Saporischschja.
Die Meldungen stammen überwiegend von russischen Regionalgouverneuren – die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Dieser Überblick fasst zusammen, was die verschiedenen Quellen zu den jüngsten gegenseitigen Attacken berichten – und ordnet ein, wo die Angaben voneinander abweichen.
Tote am Schwarzen Meer: Angriff auf Urlaubsort in Russland
Im russischen Urlaubsort Archipo-Osipowka am Schwarzen Meer sind nach Behördenangaben Menschen in einem Resort durch Trümmerteile einer ukrainischen Drohne getötet worden. Der Ort liegt in der Region Krasnodar nahe dem bei Touristen beliebten Gelendschik.
Über die Zahl der Opfer gehen die Angaben auseinander. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am Montag unter Berufung auf die russischen Behörden, die Zahl der Toten sei auf vier gestiegen, darunter ein Kind, zehn Menschen seien verletzt worden. Die Nachrichtenagentur AFP nannte dagegen drei Tote und 13 Verletzte, darunter Kinder.
Der Gouverneur der Region Krasnodar, Wenjamin Kondratjew, erklärte, der Angriff habe „zivile Infrastruktur“ getroffen, und sprach von einer Tragödie. Laut den von Reuters zitierten örtlichen Behörden wurde ein spezialisiertes Team von Katastrophenmedizinern an den Ort geschickt. In sozialen Medien kursierte ein nicht verifiziertes Video, das laut Reuters eine in einen Strandbereich einschlagende Drohne und eine anschließende Explosion zeigen soll.
Angriff auf die Krim: Zahl der Toten steigt
Auch auf der von Russland annektierten Krim kam es offenbar zu einem tödlichen nächtlichen Angriff. Der von Moskau eingesetzte Regionalchef Sergej Aksjonow meldete zunächst drei getötete Zivilisten, machte nach Angaben von AFP aber keine genaueren Angaben zu den Opfern oder dem Ort.
Später korrigierte Aksjonow die Zahl nach oben. Wie die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete, teilte er in sozialen Medien mit, dass ein weiterer Mensch getötet worden sei. Zuvor hatte er am Montagvormittag laut Interfax von drei Toten und zwei Verletzten gesprochen.
Drohnenangriff auf russisches Logistikzentrum
Ziel eines erneuten ukrainischen Drohnenangriffs wurde nach Behördenangaben auch der russische Onlinehändler Wildberries. Wie AFP berichtete, griffen Drohnen in der Nacht zum Montag ein Lager im Gebiet Wladimir rund 180 Kilometer östlich von Moskau an. Dabei brach ein Feuer aus.
Der Gouverneur Alexander Awdejew erklärte laut AFP, ein Mensch sei verletzt worden. Wildberries bestätigte den Angriff auf sein Logistikzentrum und teilte mit, die Beschäftigten seien aus dem Gebäude gebracht worden.
Der Onlinehändler, häufig als „russisches Amazon“ bezeichnet, ist derzeit wiederholt Ziel solcher Angriffe. Seit Mitte Juli wurden laut russischen Behörden rund 20 Standorte des Unternehmens attackiert. Bei den ersten Attacken in der Nacht zum 18. Juli wurden demnach acht Menschen getötet und fast 90 verletzt.
Angriff auf ein Wildberries-Lager in St. Petersburg Ende Juli
© Stringer/imago
Russische Gleitbomben treffen Saporischschja
Auf ukrainischer Seite meldete der Regionalchef Iwan Fedorow schwere russische Angriffe auf die südukrainische Stadt Saporischschja. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtete, sollen russische Flugzeuge am Sonntagabend innerhalb von 90 Minuten acht Gleitbomben auf Wohnviertel abgeworfen haben.
Dabei seien eine 71-jährige Frau getötet und 31 Menschen verletzt worden, darunter ein 16-jähriges Mädchen. Beschädigt wurden nach Fedorows Angaben 22 Wohngebäude in vier Stadtvierteln.
Gleitbomben sind Bomben aus Sowjetzeiten, die mit Lenksystemen nachgerüstet wurden und bis zu 3000 Kilogramm Sprengstoff tragen können. Nach Darstellung von AP verfügt die Ukraine über keine wirksamen Gegenmittel gegen diese Waffen.
Selenskyj fordert erneut Patriot-Systeme
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erneuerte derweil seinen Appell an westliche Partner, mehr amerikanische Patriot-Luftabwehrsysteme zu liefern. Nur Patriot-Abfangraketen könnten ballistische Raketen zuverlässig stoppen, diese seien jedoch knapp, berichtete AP.
„Die Welt hat Patriot-Raketen. Worauf es jetzt ankommt, ist, dass unsere Partner die politische Entscheidung treffen, die notwendigen Pakete bereitzustellen“, schrieb Selenskyj am Sonntag in den sozialen Medien. Abwehrraketen müssten „Menschen schützen – und nicht in Lagerbeständen liegen“.
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe griff Russland in der Nacht zum Montag außerdem mit 181 Langstreckendrohnen an. 163 davon seien gestört oder abgefangen worden, 14 hätten an 13 Orten Schäden verursacht.
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