Einige internationale Modemarken, die im Vorjahr ihre Verkäufe in Russland wegen der Ukraine-Invasion pausierten, sind offenbar nicht bereit, den russischen Markt vollständig aufzugeben. Der börsennotierte deutsche Modekonzern Hugo Boss überarbeitet gerade sein Geschäftsmodell in Russland und überlegt, sich auf den Großhandel umzustellen. Das geht aus dem neuesten Bericht des Unternehmens für das erste Halbjahr 2023 hervor.
Die eigenen Geschäfte bzw. die Vermögenswerte in Russland könnten dagegen verkauft werden. Die Verhandlungen über den Verkauf und den voraussichtlichen Zeitpunkt würden gerade laufen, heißt es. Die überwiegende Mehrheit der westlichen Bekleidungshersteller wie der spanische Konzern Inditex oder die schwedische Modekette H&M haben ihre Geschäfte in Russland bereits veräußert. Unter den Unentschlossenen befinden sich vor allem Premiummarken, darunter Hugo Boss.
Hugo Boss in Russland: Weitere Geschäfte über den Großhandel?
Noch Ende letzten Jahres betrieb die russische Vertretung Hugo Boss Rus 19 Filialen in Moskau, der Region Moskau, Sankt Petersburg und Rostow am Don. Laut der russischen Datenbank für die Unternehmen Spark sank der Umsatz von Hugo Boss Rus 2022 im Vergleich zum Vorjahr lediglich um 17 Prozent auf 6,3 Milliarden Rubel (umgerechnet nach dem heutigen Wechselkurs 59,4 Millionen Euro), der Verlust belief sich auf 26,2 Millionen Rubel oder rund 247.170 Euro.
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Obwohl Hugo Boss das Geschäft in Russland vor Jahren selbst entwickeln wollte, hat das Unternehmen nicht auf die Zusammenarbeit mit dem russischen Großhändler Trade Management verzichtet. Der Großhändler verwaltet nach eigenen Angaben noch drei Geschäfte der Marke; diese und andere Verkäufe der Markenkleidung machen demnach 17 Prozent dessen Vertriebes aus.
Die Marke Hugo Boss sei im Premium-Modesegment gefragt und weise jeher ein gutes Umsatzniveau auf, zitiert die russische Geschäftszeitung Kommersant dazu eine leitende Vertreterin der Beratungsfirma Commonwealth Partnership im Bereich Gewerbeimmobilien. Die Möglichkeit, die Zusammenarbeit zumindest über den Großhandel fortzusetzen, könnte daher recht erfolgreich genutzt werden.
Auch Puma soll Interesse an Großhandelslieferungen nach Russland haben
Unter anderen Einzelhändlern hat auch der amerikanische Hersteller von Bekleidung und Schuhen, VF Corporation (Marken Vans, The North Face), seine russische Abteilung ausschließlich auf den Großhandel ausgerichtet. Darüber hinaus könne sich das russische Büro der deutschen Sportmarke Puma auch auf Großhandelslieferungen konzentrieren, berichtet Kommersant unter Berufung auf eigene Quellen.
Die Entscheidung, nur Großhandelslieferungen zu behalten, hat jedoch einen Nachteil: Die Preise sowie die Service- und Verkaufsqualität lassen sich so nicht einheitlich kontrollieren. Deswegen ist davon auszugehen, dass auch die Marke Hugo Boss ihre Position im russischen Premiumsegment teilweise verlieren wird.
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