Die US-Armee hat stillschweigend damit begonnen, verwundete Amerikaner und andere internationale Ukraine-Kämpfer in ihrem Militärkrankenhaus im deutschen Landstuhl zu behandeln. Das berichtet die New York Times. Etwa 14 US-Bürger werden laut dem Bericht aktuell im „Landstuhl Regional Medical Center“ behandelt. Die New York Times wertet diesen Umstand als „bemerkenswerten neuen Schritt einer stärkeren Beteiligung der Vereinigten Staaten an dem Konflikt“ in der Ukraine.
Die Behandlung in Landstuhl erfolgt demnach auf Empfehlung einer Bundeswehr-Einrichtung. Nachdem im August mehr als zwei Dutzend ausländische freiwillige Kämpfer verletzt worden waren, hatte der Kommandant des Spezialkommandos – ein US-Veteran, der im Irak und in Afghanistan gekämpft hatte – das „Multinational Medical Coordination Center“ (MMCC) kontaktiert. Diese Einrichtung gehört zur Bundeswehr. Der US-Kämpfer wollte eigentlich zivile Krankenhausbetten für die Verwundeten finden. Das MMCC sagte ihm jedoch, er solle Patienten nach Landstuhl schicken.
Marcy Sanchez, ein Sprecher des Krankenhauses, sagte der Times, dass sich alle verwundeten Kämpfer, die derzeit in Deutschland behandelt werden, in einem guten Zustand befänden. Die Patienten in Landstuhl kommen laut Times überwiegend aus den USA, aber auch aus Kanada, Großbritannien, Neuseeland und der Ukraine.
Das in der Nähe von Ramstein gelegene Krankenhaus ist mit 65 Betten und einem Traumazentrum das größte amerikanische Militärkrankenhaus außerhalb der Vereinigten Staaten. Es diente jahrelang als Zwischenstation für Tausende verwundete amerikanische Soldaten, die aus Konflikten im Irak oder in Afghanistan evakuiert wurden. Nach dem Ende dieser Kriege blieben Landstuhls Betten oft ungenutzt. Sanchez sagte, das Krankenhaus sei bereit, weitere Verwundete zu behandeln und „die US-Streitkräfte, Nato-Mitgliedsländer und andere Verbündete und Partner zu unterstützen.“ Im Juni waren mehrere bei einem Hubschrauberabsturz in Syrien verletzte US-Soldaten evakuiert und nach Landstuhl zur Behandlung gebracht worden.
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Nach Kriegsbeginn sollen Hunderte Amerikaner – viele von ihnen Veteranen – in die Ukraine gereist sein, um bei der Verteidigung der Ukraine zu helfen. Neunzehn Monate später sind laut Informationen der Times noch ein paar Hundert im Land und melden sich freiwillig für örtliche Milizen oder dienen als Vertragsangestellte bei der ukrainischen Nationalarmee.
Eine unbekannte Anzahl von ihnen wurde im Kampf durch Schüsse, Artillerie, Minen oder auf andere Weise verletzt. Ungefähr zwanzig Kämpfer sollen getötet worden sein. Die meisten Verwundeten waren auf Hilfe in ukrainischen Krankenhäusern und von westlichen humanitären Organisationen angewiesen. Das US-Verteidigungsministerium hat jedoch jetzt entschieden, den Kämpfern die gleiche Fürsorge zu bieten, wie sie das Pentagon den regulären amerikanischen Truppen zukommen lässt.
Das Krankenhaus in Landstuhl ist gemäß einer Richtlinie des US-Verteidigungsministeriums, die vergangenen Sommer in Kraft trat, dazu berechtigt, bis zu 18 verwundete Angehörige der ukrainischen Streitkräfte gleichzeitig zu behandeln, bestätigte das Pentagon in einer Erklärung. Einige Abgeordnete haben bereits gefordert, dass dieses Limit zu niedrig sei und erhöht werden müsse.
Die New York Times analysiert: „Die Tatsache, dass die meisten ukrainischen Truppen in Landstuhl Amerikaner sind, zeigt, wie unerwartet sich der Krieg entwickelt hat. Die Biden-Regierung versprach zu Beginn des Krieges, keine amerikanischen Truppen in der Ukraine stationieren zu wollen, und warnte die Amerikaner davor, sich einzumischen. Jetzt stellt es fest, dass sie diejenigen behandelt, von denen sie gesagt hat, sie sollen sich fernhalten.“
Auf die Frage der New York Times nach der Entwicklung äußerte sich ein Beamter des Verteidigungsministeriums, der regelmäßig über Angelegenheiten zwischen der Ukraine und Russland informiert wird, überrascht und sagte, dass die Leitung im Pentagon nicht wisse, dass in Landstuhl regelmäßig verwundete amerikanische Freiwillige behandelt werden.
Die New York Times ist der Auffassung, das Vorgehen der US-Regierung sei „nicht ohne Risiken“: „Russland hat wiederholt gewarnt, dass eine stärkere Beteiligung der USA einen größeren Krieg auslösen könnte. Es bedarf keines besonders kreativen russischen Propagandisten, um die amerikanischen Freiwilligen, die amerikanische Waffen tragen und in einem Krankenhaus der amerikanischen Armee behandelt werden, de facto als US-Truppen vor Ort darzustellen.“
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