Doch für mich als Kind war die Situation noch einen Tick komplizierter. Denn ich wuchs nicht in irgendeiner Stadt auf, sondern ausgerechnet in Sewastopol, dem Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte. Mit zwei legendären Verteidigungen, einmal während des Krimkrieges und einmal während des Zweiten Weltkrieges, ist die Stadt fest in russischen Geschichtsbüchern verankert. „Sewastopol, der Stolz russischer Seeleute“, heißt es in der Stadthymne, die buchstäblich jeder Stadtbewohner kennt. Das sorgte bei mir anfangs für riesige Irritationen. Wie kann es denn sein, dass ich offiziell zwar in der Ukraine lebe, aber alle um mich herum von Russland reden? Zumal gefühlt jede dritte Familie, die ich kannte, etwas mit der russischen Flotte zu tun hatte. Soll ich jetzt etwa beim Fußball die Ukraine, Russland oder beide anfeuern?
Gastbeitrag
Russland hat die Ukraine für Jahrzehnte verloren – zu Recht
Putin lässt in der Ukraine Muskeln spielen – zuletzt mit einem Truppenaufmarsch an der Grenze. Für den Westen darf ein Neuanfang mit Putin keine Option sein.
Denis Trubetskoy
9 Min
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Ein Mann posiert mit einer Russland-Fahne an der Bucht in Sewastopol, der Heimatstadt des Autors.
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