Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Dienstagabend vor einer möglichen „kritischen“ Situation im Atomkraftwerk Saporischschja gewarnt. Das von Russland besetzte AKW sei seit sieben Tagen vom Stromnetz getrennt. „Eine derartige Notsituation hat es im Atomkraftwerk Saporischschja noch nie gegeben. Die Lage ist kritisch. Durch russischen Beschuss wurde die Anlage vom Stromnetz getrennt“, sagte Selenskyj.
Selenskyj gab weiter an, russischer Beschuss verhindere derzeit die Wiederherstellung einer Stromleitung, die benötigt werde, um die Reaktoren zu kühlen und eine Kernschmelze zu verhindern. Von russischer Seite gab es bislang noch keine Stellungnahme zu den Geschehnissen.
Saporischschja: Ein Dieselgenerator bereits ausgefallen
Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, erklärte, man arbeite mit beiden Seiten zusammen, um die externe Stromleitung wiederherzustellen. Er betonte, es bestehe keine unmittelbare Gefahr, solange die Notstromversorgung durch Dieselgeneratoren laufe.
Selenskyj erklärte jedoch in seiner nächtlichen Videoansprache, dass einer der Dieselgeneratoren, die Notstrom liefern, inzwischen ausgefallen sei – sieben Tage nachdem die externen Stromleitungen unterbrochen wurden.
Das Kraftwerk Saporischschja, das größte Europas mit sechs Reaktoren, wurde in den ersten Wochen der russischen Invasion 2022 von russischen Truppen besetzt. So wohl die Ukraine als auch Russland beschuldigen sich seither regelmäßig gegenseitig, durch Angriffe die nukleare Sicherheit zu gefährden. Die Anlage liegt nahe der Stadt Enerhodar am Fluss Dnipro und damit in unmittelbarer Nähe zur Front.
Ein russischer Soldat bewacht im Mai 2022 einen Bereich des Kernkraftwerks Saporischschja.
© AP
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