UPDATE

Ukrainekrieg

Bericht: Trumps Sondergesandter will Russland die „Besitzrechte“ an ukrainischen Regionen übertragen

Donald Trumps Sondergesandter, Steve Witkoff, sprach mit Wladimir Putin über eine mögliche Waffenruhe in der Ukraine. Ging es dabei auch um territoriale Zugeständnisse der Ukraine?

4 Min
Russland Präsident Wladimir Putin (re.) begrüßt Donald Trumps Sondergesandten Steve Witkoff.

Russland Präsident Wladimir Putin (re.) begrüßt Donald Trumps Sondergesandten Steve Witkoff.

© Pool Sputnik Kremlin/AP

Donald Trumps Sondergesandter für den Nahen Osten, Steve Witkoff, ist am Freitag erneut nach Russland gereist. Nachdem er am Vormittag mit einem Privatjet in St. Petersburg gelandet war, begrüßte ihn Kremlchef Wladimir Putin am Abend persönlich in einem Palast. Videos in den sozialen Netzwerken zeigen, wie Witkoff sich mit seiner rechten Hand auf die linke Brustseite schlägt, als er Russlands Präsident kommen sieht.

Die Herzgeste wird in vielen Kulturen mit Ehrlichkeit assoziiert. Sie signalisiert, dass man keine Waffen trägt, aufrichtige Absichten hat, ein Ehrenwort gibt oder sogar Treue schwört. Beide schüttelten sich danach die Hände und verschwanden in einem der Räume.

Witkoff: Der schnellste Weg zur Waffenruhe sind territoriale Zugeständnisse

Das Treffen dauerte viereinhalb Stunden, wie die russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti berichtete. Der russische Investitionsbeauftragte Kirill Dmitriev bezeichnete die Gespräche als „produktiv“. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Abend unter Berufung auf US-Beamte berichtete, soll Witkoff der Ansicht sein, dass der schnellste Weg zu einer Waffenruhe in der Ukraine territoriale Zugeständnisse seien. Der US-Gesandte habe demnach vorgeschlagen, Russland die „Besitzrechte“ an ukrainischen Regionen zu übertragen. Witkoff sei demnach der Meinung, die USA müssten die Strategie weiter verfolgen, die Russland 2022 die Kontrolle über vier ostukrainische Regionen geben sollte, die es illegal zu annektieren versuchte. Ob er mit dieser Idee auch in das Gespräch mit Putin ging, war zunächst unklar.

Vor etwa einem Monat hatte bereits der nationale Sicherheitsberater von Trump, Michael Waltz, territoriale Zugeständnisse ins Spiel gebracht. Auf die Frage, ob dies bedeute, dass Russland den Donbass und die Halbinsel Krim im Rahmen eines Friedensdeals behalten würde, antwortete Waltz: „Wir müssen uns fragen: Liegt das in unserem nationalen Interesse? Ist es realistisch? Wir haben mit den Europäern darüber gesprochen, und auch mit den Ukrainern. Werden wir jeden Russen von jedem Zentimeter ukrainischen Bodens vertreiben, auch von der Krim?“.

Es war bereits das dritte Treffen zwischen Witkoff und Putin

Es war das dritte Treffen Witkoffs mit Putin. Mitte März war er bereits zu Ukraine-Gesprächen nach Russland gereist. Im Februar hatte er mit dem russischen Staatschef über die Freilassung des inhaftierten US-Lehrers Marc Fogel verhandelt. Bei dem Gespräch am Freitag ging es unter anderem um „verschiedene Aspekte einer Regelung“ der Ukraine-Frage, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow im Vorfeld des Treffens. Ein diplomatischer „Durchbruch“ wurde nicht erwartet. Ein Telefonat zwischen Putin und Trump sei nach dem Treffen „theoretisch möglich“, sagte Peskow.

In Putins Heimatstadt St. Petersburg kam Witkoff zunächst mit dem Wirtschafts-Sondergesandten des Kreml, Kirill Dmitrijew, zusammen, wie Aufnahmen der Nachrichtenagentur Tass zeigten.

Trump droht mit weiteren Sanktionen gegen Russlnad

Die Reise erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die von den USA geführten Verhandlungen zur Beendigung des dreijährigen russischen Krieges in der Ukraine offenbar ins Stocken geraten sind. Den Quellen des US-Nachrichtenportals zufolge könnte Trump, falls bis Ende des Monats kein Waffenruhe-Abkommen erreicht wird, zusätzliche Sanktionen gegen Russland verhängen, entweder per Dekret oder indem er den Kongress auffordert, ein neues Gesetz zu verabschieden.

Vergangene Woche hatte Trump Russland wegen der anhaltenden Angriffe auf die Ukraine kritisiert. Er erklärte, er sei „stinksauer“ auf Putin. Trump änderte damit seinen Tonfall gegenüber dem Kreml, nachdem sich die USA nach seiner Amtsübernahme im Januar Russland angenähert hatten. „Wenn Russland und ich nicht in der Lage sind, eine Einigung über die Beendigung des Blutvergießens in der Ukraine zu erzielen, und wenn ich glaube, dass Russland daran schuld ist – was vielleicht nicht der Fall ist –, aber wenn ich glaube, dass es Russlands Schuld ist, dann werde ich Sekundärzölle auf Öl erheben, auf alles Öl, das aus Russland kommt“, warnte Trump. „Es wird einen 25-prozentigen Zollsatz auf alles Öl geben, einen 25- bis 50-prozentigen Zollsatz auf alles Öl“, hatte Trump in einem Interview mit dem Nachrichtensender NBC News gesagt.


Empfehlungen aus dem BLZ-Ticketshop:

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema